100 Jahre Jordan
Das Kasseler Familienunternehmen W. & L. Jordan blickt zum Jubiläum auf seine Firmengeschichte zurück: Angefangen als lokaler Holzhandel ist Jordan heute Markenanbieter.
In Kassel verbinden alle den Namen Jordan automatisch mit »Holz Jordan«. 1919 gründete Ludwig Jordan in Niederzwehren den Holzhandel. Heute – 100 Jahre später – zählt die W. & L. Jordan GmbH 1400 Mitarbeiter in 71 Niederlassungen in allen deutschen Bundesländern und fünf weiteren Ländern. Das Unternehmen gliedert sich in zwei Geschäftsbereiche: den traditionellen Bereich Holz, Holzwerkstoffe und Türen sowie den größeren Bereich Bodenbeläge, Wohnstoffe, Tapeten und Zubehör.
Familienunternehmen in dritter Generation
»Mein Vater, ich und meine Kinder – wir sind alle mit dem Betrieb groß -geworden, haben von klein auf das Unternehmen als einen mit unserem Familienleben untrennbaren Teil verstanden«, beschreibt der Inhaber in dritter Generation, Jörg Ludwig Jordan, die Verbundenheit seiner Familie zum Unternehmen.
Der Vater Horst-Dieter Jordan stieg 1945 als Auszubildender in die Firma ein und wurde 1958 zum Geschäftsführer berufen. In den 50er und 60er Jahren baute er den Bereich der Bodenbeläge auf. Es folgten die Aufnahme eines Tapetensortiments in den 80er Jahren und 1990 auch der Bereich Wohnstoffe. Diese beiden Sortimente steuern zwar nur 3 Prozent zum Umsatz von Jordan bei, sind aber eine wichtige Ergänzung für die Marke Joka (= Jordan Kassel) mit dem Slogan »Natürlich schöne Räume«.
Horst-Dieter Jordan verstarb im April 2014 im Alter von 85 Jahren.
Großhändler, Dienstleister und Markenanbieter
Das Unternehmen ist ausschließlich im B2B-Bereich tätig. Jordan beliefert als Vollsortimenter das Handwerk und den Fachhandel mit seinen Produkten zuverlässig »just in time« und stellt darüber hinaus als Partner des Handwerks vielfältige Dienstleistungen bereit – bis hin zu einer umfassenden Marketingunterstützung durch die Kooperation »Joka-Fachberater«.
Das Unternehmen konnte sich langfristig und konstant aufwärts entwickeln: vom lokalen Holzhandel zu einer der führenden Holzhandlungen in Deutschland und in den vergangenen Jahren sogar zum internationalen Markenanbieter.
Geschichtliche Umbrüche
Veränderungen gab es zahlreiche in der Geschichte des Unternehmens: die Zerstörung des Betriebes im Zweiten Weltkrieg, das Aufkommen elektronischer Datenverarbeitung in den Siebzigern oder der Brand des Bodenbelagslagers in Kassel im Jahr 1988 sowie die damit verbundene Geburtsstunde des Nachtsprungs und somit des 24-Stunden-Lieferservices.
Zu den größten Umbrüchen gehörte allerdings die Wiedervereinigung 1990, die Jordan neue Geschäftsgebiete eröffnete. »Mein Vater hatte noch Kontakte aus der Zeit vor dem Mauerbau«, erinnert sich Jörg Jordan. »Es folgten schnelle Expansionsschritte. Wir setzten dabei von Anfang an auf die Menschen in den Regionen, bildeten sie aus und übertrugen ihnen Verantwortung für unsere neuen Standorte. So ist es uns gelungen, langfristig die Präsenz in den ostdeutschen Bundesländern zu sichern.« Als Ende der 90er Jahre die Rezession am Bau und dann auch in der gesamten Branche einsetzte, nutzte Jordan die Krise, um mit schlanken Kostenstrukturen und wirksamen Marketingmaßnahmen angeschlagene Betriebe zu sanieren, aus Insolvenzen zu übernehmen oder frei werdende Standorte mit eigenen Teams neu zu besetzen. Parallel wuchs das Zentrallager am Stammsitz in Kassel durch mehrere Grundstückszukäufe.
Mit der Übernahme der österreichischen Inku AG 2009 wurde die erste Auslandstochter gegründet. Erst ab 2016 erfolgte der Eintritt in die europäischen Nachbarländer Schweiz, Norditalien und Polen.
Next Generation
Mit dem Thema Digitalisierung setzen sich die aktuelle sowie die nächste Generation bereits auseinander. »Es lassen sich durchaus heute schon Veränderungen in der holzverarbeitenden und raumausstattenden Branche erkennen«, weiß Felicitas Jordan, Tochter von Jörg Jordan. »Entscheidend werden in Zukunft Vertriebswege und die digitale Unterstützung der Dienstleistung sein.« Ihr Bruder Johann Ludwig Jordan ist sich ebenfalls sicher: »Auch Jordan muss sein Geschäftsmodell verteidigen oder zum Teil neu definieren. Der Handel ist viel transparenter geworden und der Endverbraucher geht eine völlig andere ›Customer Journey‹ als in der Vergangenheit. Deshalb genügt es nicht mehr, nur den Handwerker zu betreuen. Als Markenanbieter müssen wir auch den Endverbraucher durch eine kluge, digital verankerte Markenpolitik erreichen und ihn so unserer Profi-Kundschaft zuführen.«
Zum Thema Generationenwechsel sagen beide: »Wir können es uns vorstellen, aber wir sind uns auch der Verantwortung bewusst, ein solches Unternehmen in vierter Generation weiterzuführen, und deswegen muss dieser Schritt gut überlegt sein.«
Blick in die Zukunft
Um auch in Zukunft den Wünschen und Anforderungen der Kunden wie auch der Mitarbeiter zu entsprechen, wird aktuell die neue Zentrale »Joka-Bodenbeläge« im Gewerbepark Kassel-Niederzwehren gebaut. Auf 35000 m² entstehen hier bis Ende des Jahres Lager- und Produktionshallen, Büros, Schulungs- und Tagungsräume mit Sozialräumen und Kantine sowie die regionale Niederlassung für das bodenlegende Handwerk einschließlich Showroom.
In den Büros werden Produktentwicklung, -management und -marketing, Unternehmenskommunikation, Online-Marketing und E-Business sowie das Team der Joka-Kundenkooperation künftig unter einem Dach arbeiten, gemeinsam mit dem Team der Produktdisposition, Lagerung und Bearbeitung. Diese sind aktuell noch auf drei Standorte verteilt.
Der Holzhandel bleibt am traditionellen Standort in Kassel-Niederzwehren erhalten. Hier wurde in den vergangenen Jahren bereits viel in Modernisierung und Erweiterung investiert. Die Ausstellung »Joka CityStore« in der Horst-Dieter-Jordan-Straße wurde neu gestaltet und steht seit Anfang Mai den Kunden aus Handwerk und Fachhandel ebenso wie Bauherren, Planern und Architekten zur Beratung für den richtigen Bodenbelag, Türen und alles rund ums Holz sowie die Marke Joka zur Verfügung.

