01.02.2020 | Wand / Fassade Seite 102-103 in Ausgabe 2/2020

125 Jahre DAW: Tradition und Fortschritt

Mit einer würdigen Veranstaltung feierte der Baufarbenhersteller sein Jubiläum am Firmensitz in Ober-Ramstadt.

Im Januar 2020 feierte der Baufarben- und Dämmsystemhersteller sein 125-jähriges Bestehen. Und pünktlich zum Jubiläum investiert das inhabergeführte Familienunternehmen kräftig in die Zukunft: Im Frühjahr beginnt am Stammsitz in Ober-Ramstadt der Bau eines hochmodernen Logistikzentrums. Erst kürzlich hat CEO Dr. Ralf Murjahn die Firmenzentrale um einen Verwaltungsneubau vergrößert: ein klares Bekenntnis zum Standort in Südhessen.
Die Aktivitäten reichen indes weit über Deutschland hinaus. Im vergangenen Jahr eröffnete DAW in Polen eine der modernsten Farbenfabriken Europas, in Weißrussland entstand eine neue Lackfabrik, in der Ukraine eine Trockenmörtelproduktion. Seit dem Rechtsformwechsel zur SE im Jahr 2013 wurden 15 Fabriken neu gebaut oder erweitert, die Hälfte davon in Osteuropa.
Heute zählt die Gruppe 33 Werke, verteilt auf ganz Europa, China und seit 2013 auch in Dubai. 1,4 Milliarden Euro setzt die DAW SE mittlerweile um, beschäftigt fast 6000 Mitarbeiter, davon etwa 3200 in Deutschland und allein 1300 am Firmensitz in Ober-Ramstadt.
Die DAW ist Deutschlands größter Baufarbenhersteller, in Europa steht sie auf Platz drei in der Branche. Aus einst bescheidenen Anfängen ist eine internationale Unternehmensgruppe mit deutschen Wurzeln geworden.

»Alpina-Weiß« gibt’s seit 1901
Hergestellt wurde zunächst »Murjahns Anstrich-Pulver Amphibolin«, das mit Wasser angerührt eine Fassadenfarbe ergab, die für damalige Verhältnisse extrem wetterbeständig war.
1901 begann die DAW mit der Produktion von in kaltem Wasser löslicher geleimter Kreide unter der Marke »Alpina-Weiß«. Die Löslichkeit in kaltem Wasser war damals eine Neuigkeit und Besonderheit, die dieses Produkt von Anfang an zu einem großen Erfolg machte.

Geburtsstunde der Dispersionsfarben
1927 trat Dr. Robert Murjahn in das Unternehmen ein. Der Chemiker beeinflusste die weitere Entwicklung der Firma entscheidend. Bereits 1928 entwickelte er das wässrige Emulsionsbindemittel »Caparol« (Bestandteile unter anderem Casein, Paraffin und Holzöl), mit dessen Hilfe der Maler aus Pigmenten und Füllstoffen die benötigte Anstrichfarbe selbst herstellen kann. 1936 setzt Dr. Robert Murjahn in seinem Caparol-Binder erstmals eine Acryldispersion anstelle von Öl ein. Die »Caparol-Paste-ölfrei« markiert weltweit den Beginn der modernen Dispersionsfarbentechnologie. 1954 kommt mit »Murjahns Latexfarbe« die erste streichfertige Dispersionslatexfarbe auf den Markt.

Übernahme der Lacufa AG
Seit der Übernahme der Lacufa AG Lacke und Farben Berlin von der Treuhandanstalt im Jahre 1992 hatte das Unternehmen einen Schwerpunkt in Ostdeutschland und expandierte in die osteuropäischen Märkte. 1998 eröffnete die DAW in Köthen eine hochmoderne Lackfabrik und avancierte damit zum Komplettanbieter von Farben und Lacken. In Fürstenwalde entstand ein Logistikzentrum, in Nerchau werden die Histolith-Produkte für die Baudenkmalpflege und Industriefarbpasten produziert. Der Verwaltungssitz für die Steuerung der Aktivitäten in Osteuropa und ein Schulungszentrum befinden sich in Berlin.

Synergien im Vertrieb
Die DAW richtete das Augenmerk jedoch nicht nur auf Erneuerung und Ausbau der Fertigungsanlagen. Das Unternehmen unternahm zudem große Anstrengungen, seine Vertriebsstrukturen stetig zu modernisieren. Im Zuge des »Vertriebs 2000« wurden die Gesellschaften Caparol, Capatect und Disbon zur Firma Caparol Farben Lacke Bautenschutz zusammengefasst. Damit vertraten die Vertriebsmitarbeiter das gesamte Produktsortiment. Um Synergien zu bilden und Potenziale optimal auszuschöpfen, forcierte das Unternehmen in den vergangenen Jahren im Profivertrieb die markenübergreifende Zusammenarbeit. Zu den Profimarken der DAW gehören neben Caparol alsecco, Alligator, Inthermo, Disbon, Krautol, Lithodecor und Caparol Industrial Solutions. Das Angebot umfasst hochwertige Farben, Putze, Lacke, Lasuren, energiesparende Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS), Akustiksysteme, dekorative Innenwandbeschichtungen, Produkte für die Baudenkmalpflege und industrielle Fertigung sowie bauchemische Beschichtungen (Bautenschutz).

Dr. Murjahn-Förderpreis und Caparol-Architekturpreis
2011 initiierte Seniorchef Dr. Klaus Murjahn anlässlich seines 75. Geburtstags als Dank an das Malerhandwerk für die vertrauensvolle Zusammenarbeit über viele Jahrzehnte den Dr. Murjahn-Förderpreis. Der mit 50000 Euro dotierte Preis wird jährlich vergeben und als Symbol für die generationsübergreifende Verbundenheit der Familie Murjahn mit dem deutschen Maler- und Lackiererhandwerk mittlerweile von Dr. Ralf Murjahn fortgeführt.
Seit 2004 lobt Caparol alle zwei Jahre den Architekturpreis Farbe – Struktur – Oberfläche aus. Auch hier wird bewusst auf eine Bindung an Produkte aus dem Hause DAW verzichtet. Allein die Suche nach innovativen Ansätzen in der Architektur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist entscheidend. Auf diese Weise bekennt sich das Unternehmen zu seiner Verantwortung für die Baukultur und würdigt die außergewöhnliche Vielfalt des Bauens.

Nachhaltig innovativ
Als Innovationsführer der Branche bleibt es auch in Zukunft der Ehrgeiz des Unternehmens, seinen Wissensvorsprung auszubauen und Kunden nachweisbare Produktvorteile zu bieten. »Daher senken wir auch in konjunkturschwachen Zeiten den Forschungsetat nicht«, sagt CEO Dr. Ralf Murjahn. Er ist seit 2001 in der DAW-Geschäftsleitung tätig und übernahm 2008 den Vorsitz. Von Beginn an forcierte auch er mit der Entwicklung umweltschonender und gesundheitlich unbedenklicher Produkte eine nachhaltige, auf Wachstum ausgerichtete Innovationsstrategie. Dabei setzte er die Familientradition einer kompromisslosen Qualitätsorientierung fort. Die nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens auf allen Gebieten blieb Chefsache und ist ihm eine Herzensangelegenheit.

Bodenständig und bescheiden
Die DAW-Erfolgsgeschichte ist ein Gemeinschaftswerk von Inhabern und Mitarbeitern. Dr. Klaus Murjahn und Dr. Ralf Murjahn verweisen stets auf die vielen Leistungsträger aus allen Teilen des Unternehmens, die an ihrer Seite mit großem persönlichem Einsatz, Fleiß und Ideenreichtum die Sache des Unternehmens zu ihrer eigenen gemacht haben.
Ungeachtet der Strahlkraft aller Preise und Erfolge bleibt Bescheidenheit und Bodenständigkeit Firmenphilosophie. Das Leitmotiv der Geschäftspolitik lautet: Trotz des starken Wettbewerbsdrucks und zunehmender Konzentration in der Branche als gesundes, unabhängiges Familienunternehmen weiter zu existieren.

Stammwerk in Ober-Ramstadt mehr
Dr. Klaus Murjahn (rechts) und Dr. Ralf Murjahn mehr

Zurück