Anker: Neuheiten und Neuigkeiten aus Düren
Mit neuer Führungsspitze und neuen Produkten sieht sich Anker gut aufgestellt. In 2016 litt der Objektbereich – das »Aviation«-Geschäft verlieh aber Flügel.
Anlässlich einer Pressekonferenz im Juni informierte Objektteppichboden-Spezialist Anker über neue Produkte und aktuelle Entwicklungen des Familienunternehmens aus Düren. Anker-Gesellschafter und Beiratsvorsitzender Aurel Schoeller unterstrich zu Beginn ausdrücklich den Begriff »Familienunternehmen«. Dieses soll, wenn auch nicht von Familienmitgliedern geleitet, natürlich erfolgreich in die nächsten Generationen geführt werden. U
m Geschäftsführer Gerd Hoffe hat sich diesbezüglich ein neues Führungsteam geformt, das laut Schoeller für alle Herausforderungen präpariert ist. Die Prokuristen Alexander von Fuchs-Nordhoff (Gesamtvertriebsleiter Objekt und »Aviation«), Christian Sporleder (Finanzen, Verwaltung, EDV) und Eike Johannsen (Produktion und Technik) bilden neben dem Marketingverantwortlichen Thomas Riesmeier (Geschäftsführer Kywi Markenagentur) fortan die personale Spitze des Herstellers. Etwas weniger »spitze« ist das Jahr 2016 gelaufen. Hier geht der nach wie vor allgemeine und rückläufige Teppichbodenmarkt natürlich nicht spurlos an Anker vorbei. Insgesamt hat das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von 5,2 Prozent das Geschäftsjahr 2016 abgeschlossen und somit 51,8 Mio. Euro erzielt. Grund hierfür sei ein rückläufiges Objektgeschäft, welches der Teppichbodenhersteller aus Düren mit etwas mehr als –5 Prozent beziffert. Positiv entwickelt habe sich dagegen das Luftfahrtgeschäft (»Aviation«) mit +5 Prozent.
»Trotz schwierigen Umfelds ist Anker gut im Markt aufgestellt«, betont Aurel Schoeller. »Wir sind ein Player von Bedeutung.« Stärke zeige man dabei vor allem im Objektgeschäft in Deutschland und der Schweiz. »Wir wünschen uns aber auch international ein stärkeres Wachstum. Dafür gibt es viel Potenzial – allein, was die Innovationen, unser Know-how und Dienstleistung anbelangt«, so Schoeller.
Immerhin betrug der Exportanteil der Anker-Gruppe mitsamt den Tochtergesellschaften Thelen (Spinnerei) sowie Pikumag (Beschichtungen) in 2016 rund 43 Prozent. Dieser Wert sei vor allem dem »Aviation«-Geschäft zu verdanken, das in den vergangenen vier Jahren um 8 Prozent gewachsen ist.
Viel verspricht man sich auch von »Tochter« Pikumag, die am neuen Standort Pößnick nun mehr Platz zum Stanzen, Schneiden und Perforieren hat. Nicht zuletzt entstehen hier auch die speziellen, umweltfreundlichen EVA-Rückenbeschichtungen. Von den Pikumag-Fertigungsleistungen profitiert nicht nur Anker, sondern eben auch andere. So liegt der Anteil des Industriegeschäfts nunmehr bei 20 Prozent.
Und wo Pikumag ist, da ist auch produktionstechnisch die Teppichfliese nicht allzu fern verortet. »Die Teppichfliese entwickelt sich gut wachsend bei Anker«, sagt Geschäftsführer Gerd Hoffe. »Ihr Anteil liegt mittlerweile bei rund 30 Prozent, Tendenz steigend.«
Nach wie vor folgt Anker der eigenen Philosophie des Premium-Anbieters für das gehobene Objekt, weitab vom preisaggressiven Mengenproduzenten. In puncto Strategie und Objekt hält man auch weiterhin am Premiumpartner-Konzept über die eigene Marke im Großhandel (bislang 4500 »Cube«-Kollektionen verteilt) fest.
Textile Hartbeläge werden erweitert
Neben all diesen personellen, numerischen und strategischen Neuigkeiten gab es aber auch Neues auf Produktseite. Vor rund drei Jahren präsentierte Anker mit »Flat« einen textilen Hartbelag, »der eine Welt zwischen Beton und Textil bespielt«, so Gerd Hoffe. Textile Hartbeläge sind optisch mit einem herkömmlichen Teppichboden nicht zu vergleichen. Gleichzeitig bieten sie aber die funktionalen Vorteile eines textilen Bodenbelags. Neben der durch und durch puristischen Optik ist auch der Materialeinsatz reduziert. Für textile Hartbeläge wird nur noch etwa halb so viel Material verwendet wie für herkömmliche Objektteppichböden. Möglich wird das durch ein speziell von Anker entwickeltes Hightech-Webverfahren. Für die Herstellung der Garne wird ausschließlich recycletes Material (»Econyl«) verwendet, das im Herstellungsprozess zu einer durchgefärbten Solution-dyed-Faser gesponnen wird. Diese Faser bietet wiederum herausragende Reinigungseigenschaften und erhöht dadurch die Langlebigkeit des Produkts.
Diese Produktkategorie mit puristischer Optik und fehlender »Plüschigkeit« ist laut Hoffe bei Architekten auf viel Gegenliebe gestoßen, und so wundert es nicht, dass der textile Hartbelag bei Anker das am stärksten wachsende Produkt ist. Nun wurde diese Kollektion um »Wave« und »Curl« erweitert. »Wave« erscheint in drei verschiedenen Webbindungen und Oberflächen. Allen gemein ist die Verwendung eines melierten, tonigen Farbspektrums. »Curl« hingegen zeigt aus der Natur heraus entwickelte Designs – leicht gerichtet oder richtungslos. Typische jacquardgewebte, unterbrochene Schlingenstrukturen verleihen dem Produkt eine besondere dreidimensionale Tiefe. Die 30 verschiedenen Farben der Kollektion lassen sich miteinander kombinieren. Der Clou: Durch das Drehen einzelner Teppichfliesen um 90 Grad entsteht eine andere Lichtbrechung in der Struktur – dieselbe Farbe sieht anders aus, sodass mit dem Einsatz mehrerer Fliesen gleicher Farbe ein Boden gestaltet werden kann, der zweifarbig wirkt.
»Flooro« wird »Aviation«-Geschäft »beflügeln«
Wie bereits erwähnt, kann Anker positive Zuwächse im Luftfahrtgeschäft »Aviation« verzeichnen. Das hat auch anscheinend die interne Technik »beflügelt«. Mit dem Boden »Flooro« präsentiert Anker die neue »Leichtigkeit des Fliegens«. Neben optischen Vorzügen punktet er vor allem mit dem für die Luftfahrt wichtigen Argument Gewicht. Im Schnitt wiegen Teppichböden in Flugzeugen 1400 g/m². Seitens Luftfahrtindustrie wurde der Wunsch nach noch leichterem Material geäußert – und hier setzt Anker nun mit »Flooro« Maßstäbe. Der Teppichboden wirkt nämlich wie ein Bodenstoff und hat ein deutlich geringeres Gewicht im Vergleich zu herkömmlichen Teppichböden, zugleich ist er aber extrem strapazierfähig. Möglich wurde dies durch ein neu entwickeltes spezielles Hightech-Woven-System. Dieses Verfahren verwebt die einzelnen Fäden des Teppichbodens extrem dicht. Durch die Materialdichte entsteht eine flache, extrem kompakte textile Struktur. Durch die Konstruktion sind feinste Musterungen, Strukturen und Texturen realisierbar, die mit herkömmlichen Teppichböden nicht möglich sind. Zudem besteht diese neue Generation textilen Bodens zu weiten Teilen aus recycleten »Econyl«-Fasern. Das Gewicht von »Flooro« liegt bei 800 g/m². Traditionelle Wollteppichböden liegen hingegen bei bis zu 2500 g/m², und innovative Produkte, die bewusst auf eine möglichst leichte Gewichts-Performance getrimmt wurden, wiegen mit 1200 g/m² gerade mal die Hälfte bei einer immer noch sehr guten Funktionalität der Produkte. Bisher galten die 1200 g/m² für Teppichböden deshalb als Schallmauer. Die Verlegung und Verarbeitung des Teppichbodens ist stark vereinfacht. Durch die Kompaktheit des Produkts ist es vollkommen frei schneidbar und dennoch immer kantenstabil. Ein »Florgassenschnitt« ist nicht erforderlich. Zudem erleichtert das geringere Gewicht auch das Handling und damit die Verlegung. Das geringere Gewicht des Produkts macht sich natürlich nicht nur in der Anwendung positiv bemerkbar, sondern auch in verminderten Logistikkosten bei der Anlieferung wie auch bei der späteren Rückführung bzw. Entsorgung.
»Create«: Neue Designstudie und Hotel-Kollektion
»Create Pink« und »Create Spirit« lauteten die textilen Designstudien von Anker und dem Textilienhersteller Rohi, die in den letzten beiden Jahren vorgestellt wurden. In Düren wurde nun eine weitere Designstudie und gleichermaßen auch Kollektion präsentiert: »Create Hotel«, ein umfassendes Programm für das Hospitality-Segment. Mit entsprechenden Produkten wird damit jegliche »Gastlichkeit« bedient – vom kleinen Gasthof im Sauerland bis hin zum Luxushotel in München. Zudem ist »Create Hotel« Inspiration und Orientierungshilfe für den jeweiligen Hotelier, auch für solche, die alleine entscheiden müssen und keinen Innenarchitekten haben. Lesen Sie ausführlich über diese Kollektion im Themenschwerpunkt auf Seite 60-61.
Anker stellte nun auch eine dritte Designstudie vor, welche sich der Zeit widmet: »Create Time« übersetzt haptisch und visuell einen Tag in ein textiles Interior-Konzept. In vier Stimmungswelten zeigt die Studie die Typik von Tageszeiten in textilen Farben, Designs, Mustern und Strukturen – vom noch schläfrigen, ruhigen Morgen über den hektischen Tag bis hin zum angenehm ausklingenden Abend. Die entsprechende Farbgebung: hell und sanft (»Early Bird«), bunte Primärfarben (»Oh what a day«) über Violett (»Let’s party«) bis hin zu Schwarz-Blau (»Just me and the moon«).
Anika Zapp

