»architect@work« feiert 10-Jähriges
Am 4. und 5. Dezember fand die Messe zum sechsten Mal in Düsseldorf statt. Auch nach zehn Jahren kamen wieder über 4000 Fachbesucher, um Neues aus der Welt der Architektur und des Designs zu erfahren.
Hier in Düsseldorf, wo alles begann, feierte die »architect@work« in diesem Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum.
Das international erfolgreiche Ausstellungskonzept, das sich exklusiv an Architekten, Innenarchitekten, Ingenieurbüros, gehobene Raumausstatter und andere Planer richtet, fand zum sechsten Mal in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt statt.
Zu diesem besonderen Anlass feierten 268 internationale hochkarätige Aussteller aus allen Bereichen der Baubranche, rund um Gebäudehülle und Rohbau, Innenausbau, technische Aus-stattung, Dienstleistungen, Software und Media, in der Messe Düsseldorf einen Ausstellerrekord.
Um den besonderen Charakter der vorgestellten Neuheiten zu gewährleisten, wurde wie gewohnt jedes Produkt und System eines Ausstellers im Vorfeld zunächst einmal einem Gremium von Architekten und Innenarchitekten vorgelegt, das den innovativen Gehalt des betreffenden Produkts bewertete. So konnten sich die 4103 Fachbesucher (im Vergleich: 2017 waren es 4098 Besucher) einmal mehr über ein hochkarätiges Ausstellungsprogramm freuen. Eine qualitativ hochwertige Präsentation wurde an jedem Messestand durch entsprechende Fachleute gewährleistet. Und das kam beim Fachpublikum wieder einmal besonders gut an.
Sonderschauen
Ein besonderes Highlight war – aus gegebenem Anlass – eine Bauhaus-Ausstellung der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Die über 250 Fotografien, Zeichnungen und Pläne sowie 15 für die Ausstellung angefertigte Architekturmodelle zeigten unter anderem ein beeindruckendes Bild davon, wie westliche Impulse auf das Bauhaus einwirkten und welche Folgen sich daraus für die Nachkriegsmoderne ergaben. Zur Ausstellung, die den Titel »Neues Bauen im Westen« trägt, ist auch ein Begleitband im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen.
Die Sonderschau »Umfassend.Fassade« von raumprobe beleuchtete das Thema Fassade in all ihrer Vielfalt und Betrachtungsweise, den Einsatz von Materialien und deren geballte Kompetenz. Die Präsentation war so variantenreich wie die Standpunkte, von denen man sich einer Fassade annähern kann: von außen, von innen, konstruktiv, oberflächlich, ökologisch, von oben oder unten, physikalisch, energetisch, individuell etc. Im Fokus der Sonderschau standen die grundlegenden Fassadentypen sowie Raffinessen und zeitgemäße Vertiefungen. Sie wurden ergänzt um typische Materialien, die unserer gebauten Umwelt ihr Gesicht geben, und Besonderheiten, die unsere Gebäude in Zukunft prägen werden. Systemschnitte und Fassadendetails gaben Auskunft über Verfahren und Gebäudetechnologie.
Die Projektausstellung »selected by world-architects.com« zeigte bereits zum dritten Mal die vielfältigen Arbeiten der Firmen, die Mitglieder von »World-Architects« sind. Der Fokus der ersten beiden Ausgaben lag ausschließlich auf den Arbeiten von Architekturschaffenden. Bei den aktuell gezeigten 60 Projekten lag der Fokus auf zeitgenössischer Architektur, mit Profilen von herausragenden Architekten, Landschaftsarchitekten, Ingenieuren, Designern, Lichtplanern und Fotografen.
Auch die Kunstinstallation »Licht und Schatten« von Barbara Esser und Wolfgang Horn, bei der visualisierte Farbspiele und das Licht der Projektion durch parallel vorgespannte Bänder auf die Projektionsfläche treffen und so eine Licht-, Farb- und Schattenfassade erzeugten, zog die Besucher in ihren Bann.
Vorträge
Auch die Vortragsreihen der »architect@work« erfreuten sich großer Beliebtheit.
Wilfried Kramb, a·g Licht, Köln, referierte über die »Lebendige Fassade«. In der Zeit der Klimadiskussion sind »Medienfassaden« oder »dynamische« Fassaden nicht gerade ein populäres Thema. Dennoch können sie, mit dem entsprechenden Inhalt, stark zur Identitätsstiftung der Bevölkerung beitragen. Internationale Architektur mit kulturell anderen Wurzeln kann sich über die Kommunikation der Fassade nach außen direkt mit den Menschen vor Ort austauschen und zwischen dem »Genius loci« und der Internationalität vermitteln.
Raphaella Burhenne de Cayres, gernot schulz : architektur, Köln, sprach über die »Evolution der Schulhausfassade«. Bedingt durch die veränderten Aufgaben und den damit verbundenen Paradigmenwechsel in der Pädagogik befindet sich auch der Typus Schule im Wandel. Die Veränderung im Inneren drückt sich auch in der Hülle der neuen Schulbauten aus. Die Fassade ist Spiegel des neuen Typus, evolviert aber auch selbst zur pädagogisch nutzbaren Fläche.
Mit einem Blick hinter die Fassade beleuchtete Hannes Bäuerle, raum-PROBE, Stuttgart, aktuelle Trends und Entwicklungen bei Fassadenwerkstoffen. Gezeigt wurden funktionale Hightech-Fassaden sowie neue Systemaufbauten und Oberflächen. Abgerundet wurde die Exkursion mit bewährten, tradierten Materialien, die durch neue Verfahren oder kreativen Einsatz aufzeigen, dass Fassaden mehr können, als ein Gebäude schön zu kleiden.
In den Fokus rückte Katrin Leers, Peter Kulka Architektur, Köln, ihren Vortrag »Fassade, Geborgenheit vermittelndes Element«. Fassaden sind die Nahtstellen von außen nach innen und von innen nach außen. Sie bilden eine Schutzhülle.
Ist die Architektur gelungen, vereinen sich Inhalt und Form – und die Fassaden sind Teil dieser. In der heutigen Zeit werden die Anforderungen immer komplexer, und es muss verhindert werden, dass nur noch technische Belange die Fassadengestaltung bestimmen. Um so wichtiger scheint das Streben nach Proportionen, Geborgenheit und Sinnlichkeit…
Mit auf eine kleine Reise nahm Thomas Pink, pinkarchitektur, Düsseldorf, die Teilnehmer seines Vortrags »Hülle mit Ansprüchen«. »Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Erscheinungsformen. Experimentierfreudig und mit Spaß und Leidenschaft, die Dinge weiterzuentwickeln. Das Festlegen auf einen Stil bedeutet Stillstand«, so Pink.
»Jedes Haus ein Prototyp« war das Thema von Elke Reichel, Reichel-Schlaier Architekten, Stuttgart. Das Architekturbüro hat den Anspruch, aus jeder Bauaufgabe eine unverwechselbare, angemessene und durchdachte Lösung zu entwickeln. Dabei beschäftigen die Mitarbeiter viele Fragen. Wer sind die Menschen, die unsere Gebäude nutzen? Welche Funktion hat das Gebäude heute und was soll es in Zukunft leisten können? Welchen Einfluss hat der Ort auf das Haus und welchen wird das Gebäude später auf die Umgebung haben? Dabei spielt die Fassade selbstverständlich eine entscheidende Rolle.
Sabine Langanke


