BEB: Zwischen Weinbergen und Baudenkmälern aus der Römerzeit
Etwa 170 Gäste folgten der Einladung von BEB und ZVPF zur zweitägigen Gemeinschaftstagung »Estrich-Parkett-Belag« nach Trier.
Keine Frage: Nach Dresden im vergangenen Jahr hatten die Verantwortlichen am letzten April-Wochenende 2016 mit dem rheinland-pfälzischen Trier erneut eine malerische Kulisse für die Gemeinschaftstagung »Estrich-Parkett-Belag« gefunden. Insgesamt etwa 170 Gäste waren der Einladung des Bundesverbandes Estrich und Belag (BEB) sowie des Zentralverbandes Parkett- und Fußbodentechnik (ZVPF) gefolgt und sind in die Universitätsstadt an der Mosel gekommen, die den Titel »älteste Stadt Deutschlands« für sich beansprucht. In diesem
Jahr fand der Branchentreff, bei dem sich die Mitglieder der alljährlichen Jahrestagung und Mitgliederversammlung des BEB, aus der Mitgliederversammlung der angeschlossenen Gütegemeinschaft, aus der ZVPF-Tagung sowie aus der Bundesfachschule und der Bundesfachgruppe Estrich und Belag im Hotel Park Plaza einfanden und austauschten, unweit von Weinbergen und Baudenkmälern aus der Römerzeit statt. Und so bekamen die Verbandsmitglieder, Mitglieder der Gütegemeinschaft, die Sachverständigen und Fördermitglieder neben obligatorischen Regularien und Berichten auch spannende Vorträge sowie ein schönes und unterhaltsames Abendprogramm in den Viehmarktthermen geboten.
Den Anfang der Mehrfach-Veranstaltung machte am frühen Freitagvormittag die Mitgliederversammlung des ZVPF.
Ereignisreiche Monate
Nach der Begrüßung musste Vorstandsvorsitzender und Bundesinnungsmeister Peter F. Fendt gleich einer traurigen Aufgabe mit tragischem Hintergrund nachkommen: Mit einer Trauerrede sowie einer Schweigeminute wurde Wilhelm Schmidt gedacht. Der langjährige Geschäftsführer der Innung Parkett und Fußbodentechnik Nordost war am 19. Mai 2015 im Alter von 79 Jahren verstorben.
Folgend berichtete Fendt von »zurückliegenden ereignisreichen Monaten«, in denen unter anderem die Themen Gewährleistungsrecht sowie Aus- und Einbaukosten im Fokus standen. Daneben teilte er mit, dass in dieser Zeit intensiv an der DIN 18 356 (Parkett- und Holzpflasterarbeiten) gearbeitet worden sei: »Die Norm soll noch 2016 erscheinen und wird sicher im Großen und Ganzen den gewünschten Erfolg bringen.«
Nach lobenden Worten für die Kooperationen mit Verbänden wie dem BEB (»Wir sind in vielen Punkten auf einer Linie«) berichtete Fendt, der sich mit dem vergangenen Verbandsjahr zufrieden zeigte (»Wir haben einiges erreicht«), dass sich der in den vergangenen Jahren rapide Rückgang der Mitgliederzahlen im zurückliegenden Jahr merklich beruhigt habe. »Wir müssen die Innungen dennoch weiter stärken«, forderte Fendt.
Positiv: Geschäftsführer Edgar Leonhardt konnte nachfolgend für 2015 einen Jahresüberschuss von 32 000 Euro vermelden – allerdings auch, weil bereits Einnahmen aus einer Veranstaltung von Anfang 2016 noch in die Bilanz des Vorjahres einflossen. In der Folge wurde der Vorstand entlastet und der Beschluss zum Haushaltsplan 2016 von den Mitgliedern einstimmig angenommen.
Zwei Mal abgestimmt – zwei Mal abgelehnt
Unter dem Tagesordnungspunkt »Aspekte zur verbandlichen Neuausrichtung« wurde aufgrund zweier eingegangener Anträge aus dem Kreis der Mitglieder über den Wiedereintritt des ZVPF in den Zentralverband Deutsches Handwerk (ZDH) sowie die finanzielle Beteiligung am weltweiten Nachwuchs-Wettbewerb »Worldskills« abgestimmt. Beide Anträge wurden mehr oder weniger deutlich abgelehnt. Auf die sich anschließenden Berichte der stellvertretenden Bundesinnungsmeister Manfred Wollenberg und Manfred Weber, die unter anderem über die Initiative »Zukunft Bodenhandwerk«, die Bundesfachgruppe Bodenleger, Tariferhöhungen sowie die Bundesfachgruppe Sachverständigenwesen referierten, folgte ein Bericht von Norbert Strehle zum (Dauer-)Thema »Normung«. Berichte der Bundesfachgruppen »Aus- und Weiterbildung«, »Holz«, »Restauratoren«, »Sportböden« und »EDV« bildeten den Schluss der ZVPF-Veranstaltung.
50 Jahre Gütegemeinschaft
In der nur wenige Räume entfernt und zumindest zum Teil zeitgleich stattfindenden Mitgliederversammlung des BEB führte derweil erstmals der im vergangenen Jahr in Dresden auf Heinz Schmitt gefolgte und zum Verbandsvorsitzenden gewählte Michael Schlag durch die etwas verkürzte Veranstaltung.
Anders als in den Jahren zuvor übernahm zunächst Obmann Manfred König von der Gütegemeinschaft Estrich und Belag anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Institution das Wort. König teilte mit, dass es in 2015 weder Mitgliederein- noch -austritte gegeben habe. Dafür konnte in der T & S Kroh GmbH aus Verl gleich zu Beginn dieses Jahres ein neues Mitglied in der Gütegemeinschaft begrüßt werden. Der Becker & Partner Baugesellschaft mbH wurde zudem von der Gemeinschaft das Gütesiegel für Zementestrich verliehen. Für Michael Schlag ein weiterer Beleg dafür, »dass das RAL-Siegel der Gütegemeinschaft auch nach 50 Jahren noch ein hervorragendes Instrument zur Qualitätssicherung sowie ein tolles Marketinginstrument ist«.
Nahtlos schloss sich nun die BEB-Mitgliederversammlung an. Im Anschluss an weitere Regularien wies Michael Schlag zunächst auf aktuelle Normungsaktivitäten des Verbandes hin (DIN 18 560-5, DIN 18 4109-1 und DIN 1857) und blickte dann kurz, aber zufrieden auf das 16. Internationale Sachverständigentreffen in Schweinfurt, auf die 11. Auflage der Sachverständigengespräche in Troisdorf, das Fließestrich-Forum in Marienfeld sowie den IBF-Workshop »Fugen in Estrichen und Industrieböden« zurück. »Man sieht, die Kompetenzen werden weiter ausgebaut«, befand der Vorstandsvorsitzende, der dann das Feld den Vertretern der verschiedenen Arbeitskreise (AK) überließ.
So berichtete Simon Thanner, Vorsitzender des AK Sachverständige, von der Überarbeitung der DIN 18 560 (»Estrichnenndicken und Auslegung zur Mehrdickenabrechnung nach VOB/C«). Egbert Müller vertrat im Anschluss gleich drei abwesende Arbeitskreis-Vorsitzende: Johann Schmidtbauer (AK Gussasphaltestrich), Frank Seifert (AK Zementgebundene Industrieestriche) und Hans-Georg Dammann (AK Heizestrich). Entsprechend berichtete Müller kurz und kompakt über »Hinweise für die Verlegung von Belägen auf Gussasphaltestrichen in normal beheizten Gebäuden«, über »Hinweise für Fugen in Estrichen – Teil 1: Fugen in Industrieestrichen« und »Hinweise für Fugen in Estrichen – Teil 2: Fugen in Estrichen und Heizestrichen auf Trenn- und Dämmschichten nach DIN 18 560-2 und DIN 18 560-4«.
Deutscher Estrichpreis geht an Becker & Partner
Anschließend hatte die Becker & Partner Baugesellschaft mbH noch einmal einen Grund zur Freude. Denn bei seiner neunten Auflage wurde dem Rostocker Unternehmen der Deutsche Estrichpreis verliehen. Neben einer kleinen Trophäe gab es dafür auch noch 1500 Euro für die Ausrichtung einer Betriebsfeier. Den Betrag stiftete wie bereits in der Vergangenheit das BEB-Fördermitglied WeGo Systembaustoffe GmbH. Bei der ausgezeichneten Bauleistung handelt es sich um die Erweiterung eines Museums, bei der unter anderem ein Sichtestrich mit terrazzoähnlicher Optik eingebracht wurde. Fred Scherlipp, Bereichsleiter Estrich und Spezialböden, nahm den Preis für das Siegerunternehmen entgegen.
BEB-Geschäftsführer Edgar Leonhardt ergriff in der Folge kurz das Wort und berichtete von einer positiven Jahresbilanz des Verbandes in 2015 sowie einer entsprechend stabilen Finanzlage, die unter anderem dafür verantwortlich ist, dass im Verband auch im 16. Jahr in Folge keine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge nötig ist.
Ein rund anderthalbstündiger Vortrag von Walter Böhm, Sachverständiger der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, über die »Estrich-Geschichte« nahm die Anwesenden mit auf eine spannende Reise. Diese begann beim wohl ersten Fußbodenbau der Geschichte im Jahr 380 000 vor Christus in Bilzingsleben/Thüringen durch den Homoerectus, der eine kreisrunde Platte mit neun Metern Durchmesser gepflastert hatte. Der Trip durch die Historie ging weiter über den Lehmestrich, den Kalkestrich (ca. 9000 v. Chr.) und den Gipsestrich (ca. 7400 v. Chr.) bis hin zum ersten Zementestrich (ca. 200 v. Chr.). Böhmes Streifzug zog sich schließlich bis zum ersten Magnesiaestrich im Jahr 1870 und ging weiteren Entwicklungen, Patenten und Innovationen bis zum heutigen Tag weiter auf den Grund. Mit einem überlieferten Zitat des römischen Ingenieurs und Architekturtheoretikers Vitruv aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., das heute kaum etwas von seiner Aktualität verloren hat, schloss Böhm seine Ausführungen: »Und zuerst will ich mit dem Estrich beginnen, der die erste Stelle in der Innenausstattung einnimmt, sodass man seiner Haltbarkeit sorgfältig und mit großer Vorsicht Rechnung tragen soll.«
Förderpreisverleihung bei der Abendveranstaltung
Unter anderem mit eben jener Sorgfalt und Vorsicht hatten bereits im vergangenen November drei Nachwuchs-Estrichleger bei ihren Arbeiten überzeugt, die dann als Gewinner erstmals auch bei der wenige Stunden später folgenden und sehr gelungenen wie stimmungsvollen Abendveranstaltung in den spektakulären Viehmarktthermen ausgezeichnet wurden: Den Förderpreis der Bundesfachschule Estrich und Belag für den Erfolg beim 64. Bundesleistungswettbewerb im Estrichleger-Handwerk bekam Sieger Christian Kohr aus Iphofen (Bayern) überreicht, gefolgt von Mona Leidig aus Birkheim (Rheinland-Pfalz) und Tim Hofmann aus dem nordrhein-westfälischen Kall-Goldbach.
Heike Turanli von der Turanli Management GmbH blieb es am folgenden Samstagvormittag vorbehalten, mit ihrem Vortrag zum Thema »Kommunikation und ihre Fallen« auf unterhaltsame und informative Weise das Ende der BEB- und ZVPF-Gemeinschaftstagung 2016 einzuläuten. Den endgültigen Abschluss der einmal mehr rundum gelungenen Veranstaltung bildete schließlich der Vortrag »Erweiterte Produkthaftpflichtversicherung/Updates Baurecht«.
Niklas Frielingsdorf

