Bei der Copa läuft’s (wieder) rund
Die Einkaufskooperation erfindet sich nach dem Austritt zweier großer Gesellschafter und personellen Neubesetzungen in Geschäftsführung und Marketing neu. Es weht ein frischer Wind der Erneuerung und des Miteinanders. Und die Copa besinnt sich auf die Kernaufgaben einer Kooperation zurück.
Nach einer Übergangszeit (ab Februar 2016) gemeinsam mit Manfred Birkenstock ist Josef Führes seit September 2016 in »Amt und Würden« und in der Funktion des geschäftsführenden Vorstands der Copa eG.
Irgendwie wurde der 50-Jährige schon etwas ins »kalte Wasser« geschmissen, bedenkt man, dass sich turbulente Zeiten für die Copa andeuteten, als die zwei umsatzstarken Mitglieder Steffel (nunmehr zur Schlau-Gruppe gehörig) und Jordan ihre Mitgliedschaft in der Einkaufskooperation aufkündigten.
Wer Führes aber kennt, weiß, dass der Branchenkenner Herausforderungen gern annimmt. »Als wir die Vorgespräche zu meiner neuen Tätigkeit seinerzeit führten, war die Copa für mich eine positive Herausforderung und spannende Aufgabe für die Zukunft. Damals hatte ich nur Bedenken, wie frei und offensiv ich mit einem Aufsichtsrat und einer Gesellschafterstruktur arbeiten könnte, die durch Jordan und Steffel massiv dominiert werden. Könnte das mit mir in dieser Konstellation funktionieren? Zeitgleich kam aber schon die Meldung, dass Steffel verkauft wurde. Dazu kam wenig später die Nachricht, dass auch Jordan zum Ende des Jahres 2016 aus der Copa ausscheidet. Vor diesem Hintergrund sagte ich: ›Wenn das so ist, können wir ja jetzt anfangen!‹«
Steffel raus, Jordan raus, neue Gesellschafterstruktur und neuer Geschäftsführer. Mit diesen Ereignissen lag es auf der Hand, dass sich die Copa neu erfinden muss. Hinzu kommen Marktveränderungen, denen man ebenso begegnen muss: Konzentrationen ohne Ende, sowohl auf der Einzelhandels- als auch auf der Großhandelsschiene.
Schaut man sich die Copa nun an, so findet man eine Kooperation mit wirtschaftlich unabhängigen, regional autark handelnden Unternehmern. 51 Firmen mit 21 Gesellschaftern. »Die entscheiden noch für sich selbst, und das ist auch gut so«, betont Führes. »Die Firmen sind familiengeführt und regional verwurzelt.«
Und so ist die Copa im Vergleich zu anderen Genossenschaften und den großen Markt-Playern, bei denen von Sortimenten über Preislagen bis hin zu Bemusterungen alles zentral entschieden wird, »die letzte wirkliche Kooperation in unserer Branche«, so Führes. »Und unsere Aufgabe ist es, das zu kreieren, was man von und in einer Kooperation erwartet, aber aufgrund der alten Konstellation, sprich fehlendes Vertrauen im Miteinander, abhandengekommen ist. Es wurde – eben auch aufgrund der Dominanz und Konkurrenz zweier Großer – nicht mehr offen miteinander gesprochen. Und was gerade passiert: das Vertrauen ist da und die Gespräche finden statt. Bestes Praxis-Beispiel ist unser Kernsortiment CV-Beläge – es funktioniert bestens.«
Dazu meint Lutz Klasterka, der das Copa-Marketing seit Juli 2016 verstärkt: »Innerhalb der Copa wird Marktbegleitung jetzt auch anders wahrgenommen. Nun schärft sich das Bild, wer die Wettbewerber sind – und eigentlich sind das nicht die anderen Copa-Mitglieder, auch wenn sich Marktgebiete teilweise überschneiden. Das Bewusstsein, wer die großen Wettbewerber sind, gegen die sich die Copa neu aufstellen sollte, ist da. Und dadurch kommen auch Ideen, wie man mit und unter Kooperationskollegen eine entsprechende Position gestaltet, die einen gewissen Gegenpol im Markt darstellt.«
Nächste Schritte der Kooperationsarbeit
Die Rückvergütungsquote der Gesellschafter auch über 2017 hinaus zu sichern – das ist sicherlich eine der Hauptaufgaben. Denn immerhin hat die Copa einen Volumen-Rückgang ab Januar 2017 von 40 Prozent. Dieser soll über Verhandlungen versucht werden zu kompensieren, »und das schaffen wir auch«, bekräftigt Führes, »durch die Bank weg laufen die Gespräche mit den Lieferanten positiv.«
Ein weiterer Schritt in der Kooperationsarbeit stellt nun die Teppichboden-Kollektionierung dar. Entsprechend wird auch das nächste Copa-Produkt-Forum »Textile Beläge & Zubehör« früher stattfinden als gewohnt. »Ich freue mich besonders darauf, da dieses Produkt-Forum in Fulda tatsächlich endlich mal wieder eine Plattform ist, bei dem es um anstehende Entscheidungen geht. Daher haben wir den Termin auch auf den 12. und 13. Februar 2017 vorgezogen. Das Format bleibt das gleiche«, verspricht Führes. Die nächste Kollektion wird dann im Herbst stehen. Überhaupt wird an der Schraube des Kollektions-Dienstleistungsgeschäfts gedreht. Diese Arbeit ist in den letzten Jahren etwas untergegangen, alle Kapazitäten gingen in Richtung der Initiative »Teppich & Du«. Führes: »Das war nicht verkehrt, aber einige wichtige Dinge sind dabei auf der Strecke geblieben.« Das typische Service-Dienstleistungspaket soll neu organisiert und aufgesetzt werden. Mit externen Partnern stehen etwa Rechts- und Finanzberatung, Energiemanagement, Brandschutz sowie Arbeitssicherheit als Services auf der Agenda. Zudem soll es auch ein Marketing-Service-Paket geben, das derzeit aber noch nicht ganz spruchreif ist. Auch setzt man sich verstärkt mit Vertriebskonzepten auseinander. Welche weiteren Zielgruppen kann die Copa erreichen und wie kann man noch intensiver mit den bestehenden Kunden zusammenarbeiten – das sind Fragen, die in nächster Zukunft beantwortet werden. 2017 jedenfalls werden viele Dinge initiiert, die 2018 zum Tragen kommen und Früchte tragen. »Letzten Endes reden wir von einem Neustart und Neubau. Und diesen Neubau gestalten wir mit den Gesellschaftern«, unterstreicht Führes.
»Teppich & Du« läuft weiter
Die mit viel Aufwand, Kapazitäten und Herzblut betriebene Kampagne »Teppich & Du« läuft weiter und ist schon bis zum Ende des Jahres 2018 durchfinanziert. Man muss natürlich bedenken, dass die Kampagne von einigen, die »Nicht-Copa« sind, als »Copa-Produkt« gesehen wird. Und was die Lieferanten-Seite anbelangt, so musste sich Lutz Klasterka schon in einigen Gesprächen mit Herstellern aus dem Glattboden-Bereich die Frage gefallen lassen, was die Copa für sie denn tue. Sinnvollerweise benötigte man für »Teppich & Du« also einen unabhängigen Träger, der nicht mit irgendwem in Konkurrenz steht, der der Förderung von textilen Belägen zugetan ist und auch herstellerneutral ist. Auf den anstehenden Messen wird man jedenfalls nicht mit einem Stand vertreten sein. Führes: »Die Kampagne ist in der Branche hinlänglich bekannt. Doch der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Die Copa wird sich definitiv auf ihre Kernaufgaben zurückbesinnen. Im Zuge dessen könnten wir uns vorstellen, dass wir vielleicht einen neutraleren Träger für ›Teppich & Du‹ finden, wo es grundsätzlich keine Interessenskonflikte gibt. Damit entsteht die Möglichkeit für die gesamte Branche, sich intensiver und breiter mit der Initiative zu beschäftigen, als dies momentan der Fall ist.« Führes ist jedenfalls voller Ideen – da gibt es Dinge, die reifen in seinem Kopf, aber durchaus auch Dinge, die schon in der Schublade sind. Diese muss nur noch geöffnet werden – gemeinschaftlich. In puncto Kopf zitiert Führes den französischen Schriftsteller und Maler Francis Picabia: »Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.«
Die Copa – sozusagen eine runde Sache!
Thomas Ottaviano

