Das Teppichwerk: Vergangenheit trifft Zukunft
»›Das Teppichwerk‹ ist unser neuer Name, den wir nach außen tragen, bekannt machen und nach vorne bringen möchten«, verkündet Tobias Arnold, Geschäftsführer des erst Anfang des Jahres umbenannten Unternehmens »Hamelner Teppichwerke«, bei einem Gespräch mit der Redaktion OBJEKT. Geschehen soll dies unter anderem durch die Weiterführung alter Werte und Kompetenzen sowie eine stärkere Vernetzung mit den Kunden in Handel und Objekt. Denn Arnold ist sich sicher: Es geht nicht nur darum, ein weiteres Fähnchen auf der Landkarte zu setzen, sondern mit Leidenschaft Bewährtes feinzujustieren und dadurch auch in Zukunft der zuverlässige Ansprechpartner für textilen Bodenbelag zu sein.
Mit dem neuen Markennamen »Das Teppichwerk« wollen sie eine Identifikation schaffen, die ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beinhaltet und die zugleich davon erzählt, wofür das Unternehmen aktuell steht und auch in Zukunft stehen werde, erläutert der Geschäftsführer. Herausgekommen sei daher kein völlig neuer Name, sondern einer, der an die ursprünglichen Firmen Vorwerk & Co. Teppichwerke und Hamelner Teppichwerke anknüpft und in dem sich die teils langjährigen Mitarbeiter wiederfinden können.
Im neuen Namen stecke aber noch viel mehr, findet Arnold: »Zum einen ist ›Das Teppichwerk‹ ein deutsch klingender Name, mit dem wir als Unternehmen national und international zeigen, dass uns ›Made in Germany‹ extrem wichtig ist, zum anderen beschreibt ›Teppichwerk‹ genau das Verständnis des Unternehmens zwischen Industriebetrieb und Manufaktur. Darüber hinaus wird mit dem Begriff das Produkt beschrieben, das wir seit über 140 Jahren mit viel Engagement für unsere Kunden herstellen.« Nicht zuletzt war es den Hamelnern wichtig, die Jahreszahl 1883 in das neue Logo zu integrieren und damit auf ihre lange Historie in der Teppichbranche sowie die damit erworbene Fachkompetenz hinzuweisen.
Die Vernetzung wird intensiviert
Auch in puncto Kundenkontakte möchte man Altbewährtes aufnehmen und in die Zukunft führen. Arnold erklärt: »Wir wollen nicht nur unsere Kollektionen und Qualitäten anbieten, sondern wieder der zuverlässige Partner für unsere Kunden sein, der wir in der Vergangenheit waren. Wir sind deshalb intensiv dabei, dies wieder stärker auszubauen und haben uns dafür im letzten Jahr personell bereits ordentlich aufgestellt.« Um noch näher an den Kunden zu sein, wurden die Vertriebsgebiete in Deutschland ent-sprechend so besetzt, dass jeweils ein Kollege schwerpunktmäßig für den Handel und ein zweiter schwerpunktmäßig für den Objektbereich zuständig ist; zudem wurde die Vernetzung zwischen den Mitarbeitern für Handel und Objekt intensiviert, um so die Kunden schnellst- und bestmöglich beraten und betreuen zu können – je nachdem, welche Fähigkeiten gerade gefragt sind.
Zusätzlich wird der Dialog mit den Kunden durch Schulungsangebote unterstützt, bei denen es sich thematisch nicht nur um Das Teppichwerk drehen wird, sondern generelles Wissen über Teppichböden aufgefrischt und weitergegeben werden soll. Darüber hinaus möchte das Unternehmen im Objektbereich noch enger mit Architekten und Planern zusammenarbeiten, das Industriegeschäft weiter ausbauen und sich außerdem wieder mehr auf seine Kernmärkte in Europa – allen voran die deutschsprachigen Märkte sowie Frankreich, Benelux und Skandinavien – konzentrieren. »Wir haben uns rückbesonnen und wollen das nutzen, was funktioniert hat, um es erfolgreich in die Zukunft zu führen. Es geht uns also nicht darum, auf der Landkarte noch ein Fähnchen einzusetzen, um ein paar Quadratmeter mehr zu verkaufen. Das ist nicht unsere Reise! Unsere Reise ist tatsächlich die stärkere Vernetzung mit den bestehenden Partnern«, fasst es der Geschäftsführer zusammen – und ergänzt mit einem Augenzwinkern: »Das heißt aber natürlich nicht, dass wir nicht noch neue Partner dazunehmen würden.«
An Webware ist kein Vorbeikommen
»Wir haben uns zudem ganz bewusst dafür entschieden, vollstufig zu produzieren. Das heißt, wir haben jeden Prozess ab dem Einkauf der Vormaterialien bis hin zum fertigen Teppich bei uns unter einem Dach und können dadurch direkten Einfluss auf jeden einzelnen Produktionsschritt nehmen. Dank unserer Mitarbeiter haben wir außerdem das nötige Wissen unmittelbar im Haus und können so ohne lange Umwege sehr schnell auf die Wünsche der Kunden reagieren«, erklärt Arnold und führt weiter aus: »Die vollstufige Produktion ist einer unserer USPs, die wir bewahren wollen – denn das können wir sehr gut und sehen daher unsere Zukunft darin!«
Produktionsprozesse gibt es derweil viele in Hameln. So wird am Standort in Niedersachsen gewebt, getuftet, beschichtet, veredelt und konfektioniert. Die Hamelner setzen bei der Produktion Solution-dyed-Garn ein, können jedoch auch, je nach Kundenwunsch, stückfärben. Vor allem das Weben sei eine wichtige Kernkompetenz, mit der sich das Unternehmen hervortut, findet der Geschäftsführer, denn: »Wir sind mittlerweile einer von wenigen Teppichboden-Webern in Deutschland und Europa; das Weben ist eine Handwerkskunst, die mittlerweile immer weniger beherrschen. Und das, obwohl man an Webware heutzutage gar nicht mehr vorbeikommt, wenn man über Nachhaltigkeit spricht, da sie dank ihrer Webstruktur nahezu unkaputtbar und somit besonders nachhaltig ist.«
Dieser Vorteil werde gesehen, freut er sich, und man beobachte im Unternehmen, dass die Webzahlen wieder etwas steigen. »Wir werden das Weben daher auf jeden Fall beibehalten«, verspricht Arnold. »Dabei geht es uns grundsätzlich darum, auch auszubilden und so für Nachwuchs zu sorgen, damit diese Kompetenz nicht verschwindet. Das Teppichwerk ist damals damit gestartet und es wäre deshalb eine regelrechte Schande, wenn sie wegfallen würde.«
Nachhaltig in die Zukunft
Schon Anfang der 1990er Jahre hat das Unternehmen damit begonnen, seine Prozesse und Produkte zu optimieren und seine Wertschöpfung dadurch nachhaltig zu gestalten. »Wir haben es bloß niemandem erzählt. Auch hiermit möchten wir jetzt viel stärker nach draußen gehen und deutlich transparenter werden«, kündigt der Geschäftsführer an.
So wird am Standort etwa komplett ohne Bitumen produziert und das Fliesensortiment ist zusätzlich frei von PVC. Zudem werden überschüssige oder alte Materialien wie Teppichreste über ein internes Recyclingverfahren wiederverwertet. Das Teppichwerk hat außerdem bereits Qualitäten wie die »Brilliance« im Sortiment, die dem Recyclingverfahren »R2R« (Born Regenerated to be Regenerable) von Aquafil entsprechen und die mit einem »R2R«-Logo gekennzeichnet sind. Der Einsatz dieses Verfahrens unter Verwendung des regenerierten Nylon-Garns »Econyl« soll in Zukunft kontinuierlich erhöht werden und ermöglicht es, Teppiche am Ende ihrer Nutzungsdauer ohne Materialverlust in den Produktionskreislauf zurückzuführen. Außerdem verwenden die Hamelner Zweitrücken aus PET-Recyclat für all ihre Akustikfliesen, um so den Anteil an recycelten Materialien noch zu steigern. Im Rahmen der Aktion »2. Chance« bietet Das Teppichwerk außerdem die Rücknahme und Aufbereitung alter, noch gut erhaltener Fliesen an, die so einem weiteren Produktlebenszyklus zugeführt werden.
Des Weiteren werden die Rohstoffe möglichst lokal bezogen und die Produktion ist weitestgehend ressourcenschonend ausgelegt. Trotzdem arbeitet das Unternehmen fortlaufend an Projekten, um Ressourcen wie Kleber, Wasser und Farbstoffe noch effizienter einzusetzen, und sucht außerdem nach Möglichkeiten, um den Energieverbrauch während der Produktionsprozesse weiter zu minimieren. Dafür wurden etwa Tracker für Strom und Dampf eingebaut, um nachvollziehen zu können, an welchen Stellen noch optimiert werden kann.
Schon jetzt wird mit dem Einsatz von Solution-dyed-Garnen und damit durch den Verzicht auf nachträgliches Färben in der Produktion Wasser und Energie eingespart. Darüber hinaus verfügt Das Teppichwerk über den Standortvorteil, aus einer benachbarten Müllverbrennungsanlage Abwärme für den Färbeprozess beziehen und damit einen großen Teil seines Energiebedarfs für die Produktion abdecken zu können. Nicht zuletzt wurde bei den Hamelnern gerade eine 4000 m² große Photovoltaikanlage in Betrieb genommen, mit der über 400 000 kWh/a ökologischer Strom erzeugt werden kann. Die Nachhaltigkeitsbestrebungen der letzten Jahrzehnte zahlen sich aus: So wurden die nachhaltigen Produkte von Das Teppichwerk vielfach ausgezeichnet und unter anderem DGNB-zertifiziert. Zudem tragen seine Teppichböden die »Indoor Advantage Gold«-Zertifizierung sowie das »GUT«-Label der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden. Nicht zuletzt sind die Abläufe im Werk mit dem »TÜV PROFi--CERT ISO 9001« verifiziert.

