25.02.2015 | Fachthemen Seite 34-36 in Ausgabe 3/2015

Der Allrounder für Wand, Fassade und Boden

Maler machen mehr – eben nicht »nur« Wände und Fassaden, sondern auch Böden und erstellen ganzheitliche Raum­konzepte. Was der Maler alles leistet, wo er am liebsten einkauft und nach welchen Kriterien, erläutert der Artikel.

Im Ranking der Ausbildungsberufe (Stand 2013, Quelle: BIBB Bundes­institut für Berufsbildung) steht der Maler gar nicht so schlecht da. Platz 22 nehmen Maler und Lackierer ein. Etwas mehr als 7200 neue Auszubil­dende konnte das Gewerk für sich verbuchen – davon übrigens 14,3 Prozent weibliche Aspiranten.

Weit abgeschlagen auf Platz 101 findet sich der/die Raumausstatter/in mit 750 Azubis. Die professionellen Boden-­Berufsfelder sind sogar noch weiter entfernt: Auf Platz 153 stehen 285 Parkettleger-Azubis, Platz 222 belegen auch 222 Bodenleger und gerade mal 39 zukünftige Estrichleger sind auf Platz 250 angesiedelt.

Die Zahlen sprechen also für sich – und das Malerhandwerk scheint absolut beliebt. Warum könnte das so sein?

Hierfür gibt es viele Gründe – der erste ist sicherlich das Tätigkeitsfeld per se. Es ist sehr abwechslungsreich und umfasst unterschiedlichste Disziplinen vom Boden über die Wand zur Decke bis hin zur Fassade. In Händen halten Maler diverse Materialien – elastische, textile, hölzerne Beläge, Tapeten jeg­licher Art, Dämmmaterialien, Farben- sowie Lacke-Gebinde und so weiter und so fort.

Mit diesem »Gesamt-Paket« an Leistungen und Fertigkeiten überzeugt der Maler nicht zuletzt auch den Kunden. Dieser kann bequem alles aus einer Hand bekommen.

Auf der Internetseite des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz (www.farbe.de) ist das »Leistungsangebot des modernen Handwerksberufs Maler und Lackierer« angegeben – die Betonung liegt auf modern! Es umfasst folgende Tätig­keiten:

■ Fahrzeuglackierungen mit Karosserieinstandsetzung
■ Werkstattgebundene Lackierung und Kunststoffbeschichtung von Gegenständen, insbesondere aus Metall, Holz und Kunststoffen
■ Oberflächenbehandlung von Bauten mit Beschichtungsstoffen
■ Tapezier-, Klebe- und Spannarbeiten einschließlich Ver­legen von Decken-, Wand- und  Bodenbelägen
■ Beschichtung einschließlich Versiegelung von Böden
■ Korrosionsschutz, Holzschutz und feuerhemmende Anstriche
■ Aufbau von Arbeitsgerüsten
■ Ausführung denkmalpflegerischer Arbeiten einschließlich der Oberflächenbehandlung von Kirchen und historischen Bauwerken
■ Gestaltung und Ausführung von Schriften, Schildern, Zeichen, Schmuckformen und Ausstellungs­gegenständen
■ Ausführung kreativer Schmuck­tech­niken wie Spachteltechnik, Wickeltechnik, Sprenkeltechnik, Chips­technik und Effektbeschichtungen
■ Straßenmarkierungen
■ Wärmedämmverbundsystem-
Arbeiten (WDVS)
■ Verglasen
■ Betonoberflächeninstandsetzung
■ Putz- und Stuckarbeiten
■ Trockenbau
■ Raumausstattung
■ Altbaurenovierung aus einer Hand

Das ist allerhand! Und dessen ist man sich vielleicht auch nicht immer bewusst. Dass der Maler also ein reiner »Pinselhalter« ist oder war, ist oder war schlichtweg ein böses Vorurteil. Wer sich die obere Liste nochmals zu Gemüte führt, wird schnell erkennen, dass der Maler ein Allrounder am Bau ist. Clevere und zukunftsorientierte Malerbetriebe halten sich entsprechend stets auf dem aktuellsten Stand der Technik und bieten auch Mitarbeitern die Möglichkeit zur Fortbildung an.

Die Zeiten der nur Weiß gestrichenen Rauhfaser sind lange vorbei, wenn es sie denn je gab. Antike oder moderne Spachteltechniken, farbige Akzente hier und da, individuelle Wandgestaltungen anhand der wiederentdeckten Tapete in all ihren Ausführungen sind angesagt.

Der erfolgreiche Malerbetrieb hat auch längst erkannt, dass der Bereich Boden perfekt in sein Angebotsport­folio passt, gibt es doch hier ein perfektes Zusammenspiel von Wand und Boden – und eben auch lukrative Geschäftsmöglichkeiten. Und nochmals: er bietet eben alles aus einer Hand.

Nur manchmal scheint es, dass sich der Maler seiner »Macht der Möglichkeiten« nicht ganz bewusst ist. Er, der ganzheitliche Raumgestalter, ja der Tausendsassa, könnte entsprechend auch beim Kunden so auftreten und eben alles aus einer Hand anbieten. Der Maler kommt als erstes in die Wohnung und ist von seinen Möglichkeiten her prädestiniert, hochwertige Produkte zu verkaufen – das nimmt er nicht oder eher stiefmütterlich wahr. Der Maler ist mehr Handwerker als Verkäufer.

Malerarbeiten: Lieber zum Meisterbetrieb!
Wie andere Branchen auch, gibt es im Malerhandwerk Herausforderungen, die es zu meistern gilt – eine davon ist sicherlich die Positionierung in einem Markt, wo jeder ein Maler sein kann (es aber vom Handwerk her nicht ist!). In der qualitativen Ausführung trennt sich die Spreu vom Weizen. Der ehemalige Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Düsseldorf, Heiner Pistorius, sagte OBJEKT gegenüber, dass »Hausmeisterservices und an­dere mehr oder minder qualifizierte ›Meis­terbrieflose‹ sich im Maler­bereich tummeln, was zu Lohndumping führt. Ich behaupte mal, dass 50 Prozent der Maler- und Lackierarbeiten nicht von einem Malerbetrieb verrichtet werden.«

Das ist die eine Sache. Die andere ist eine Beobachtung, dass viele »Heimwerker« ihre eigenen vier Wände am liebsten selbst reparieren und reno­vieren. Hiervon sind im Besonderen Maler- und Lackierarbeiten betroffen. Grund hierfür unter anderem: Geld sparen!

Dieses Bild hat sich aber gewandelt: Laut einer Umfrage (gefunden auf der BV-Farbe-Homepage) hat sich der Anteil derer, welche lieber Fachfirmen beauftragen, in den letzten Jahren nahe­zu verdoppelt. Während im Jahre 2001 noch 8 Prozent der Befragten angaben, die Arbeiten an Fachfirmen zu vergeben, waren es im Jahre 2008 schon 15 Prozent (Quelle: Ri*Questa) – mit steigender Tendenz. Der Großteil der Befragten gab zwar noch an, kleinere Arbeiten nach Möglichkeit selbst auszuführen, um Geld zu sparen. Dagegen ist der Anteil der Befragten, die do-it-yourself bevorzugen, »weil sie es können«, von 28 auf 25 Prozent ge­sunken.

Also steigt die Wertigkeit von Meisterarbeiten von Malern und Lackierern im Kundenbewusstsein.

Wo kauft der Maler am liebsten ein und womit beschäftigt er sich regelmäßig?
Eine Konjunkturumfrage aus dem Frühjahr 2014 vom Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz (BV Farbe) gemeinsam mit dem Bundesverband Großhandel Heim & Farbe (GHF) hat interessante Erkenntnisse geliefert.

Malerbetriebe wurden etwa danach gefragt, woher sie ihr Material be­ziehen, womit sie sich produktmäßig selten bis häufig beschäftigen und natürlich auch danach, welche Kriterien ausschlaggebend sind für den jeweiligen Materialkauf bei Händler XY.

Mit 97,2 Prozent ist der Farbengroßhandel nach wie vor des Malers Liebling in Sachen Materialbeschaffung. Aber Obacht: Der Maler kauft vermehrt im Baustofffachhandel ein. In zwei Jahren stieg die Akzeptanz beim Maler um mehr als 10 Prozent und kommt nun auf 58,8 Prozent. In diesem Vertriebskanal findet der Maler neben den »üblichen« Sortimenten noch einen Tick mehr – etwa Produkte für den Trockenbau und ja, auch Glühbirnen! Und da der Maler wie oben angeführt ja ein breites Spektrum anbietet, bedient ihn in dieser Richtung der ein oder andere Baustofffachhandel vom Keller bis zum Dach (vielleicht umfassender).

Völlig unberührt und nahezu unbedeutend entgegen aktueller Diskussionen bleibt der Vertriebskanal Internet. Nur 6,9 Prozent kaufen ihre Ware online ein. Und das, obwohl derzeit soviel »Trara« um E-Commerce und Online-Handel gemacht wird.

Auch eher gering wiegt der Baumarkt-Anteil mit 7,1 Prozent. Hierzu eine Anek­dote: Manch ein Maler schaut schon mal aus Verlegenheit beim Baumarkt vorbei, gerade freitags, wenn er vergessen hat, seine Ware rechtzeitig beim Großhändler abzuholen und er ab mittags nur noch das Band des Anrufbeantworters seines Händlers hört. Soll schon mal vorgekommen sein…

In der Umfrage wurde auch beleuchtet, auf welche Kriterien der Maler beim Einkauf von Materialien besonders achtet: Schnelle Lieferung (74,1 Prozent) führt die Kriterien-Liste an, dicht gefolgt von kompetenter Be­ratung (73,5 Prozent) und ja, an dritter Stelle immerhin, der Preis (68,4 Prozent).

Interessant ist auch die Auswertung, mit welchen Sortimenten sich der Maler selten bis häufig beschäftigt. Regelmäßig geht es nach wie vor ans Tapezieren (43,8 Prozent), ans Wärmedämmen (31,6 Prozent) und ans Bodenlegen (26,8 Prozent). Beim letzten Punkt »Boden« stellt sich aber ein recht ausgeglichenes Bild dar – zwar beschäftigen sich ein Viertel der Befragten mit Böden, doch fast ebenso viele (22,5 Prozent) gar nicht oder nur selten (23,6 Prozent).

Produkte vom Boden über die Wand bis zur Fassade
In unserem Themenschwerpunkt haben wir auf den kommenden Seiten Produkte und Anwendungen zusammengestellt, die allesamt in das Leistungsspektrum des modernen, bodenlegenden und kreativen Malers passen.

Von Wärmedämmung, Schimmelvorbeugung und Fassade wird ebenso die Rede sein wie von außergewöhnlichen Wandbelägen, Farben und Boden­lösungen.

Thomas Ottaviano

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