Deutsche Bauchemie: Unterbrochene Lieferketten verursachen Produktionsengpässe
Immer mehr Bauchemiehersteller spüren die Auswirkungen der durch coronabedingte Grenzkontrollen und zusätzliche internationale Logistikprobleme unterbrochenen Lieferketten. Das hat Folgen für die Produktion, die Lieferfähigkeit und damit für den Materialnachschub, insbesondere auf Großbaustellen.
Die kritische Situation umfasst komplette Produktionsprozesse, von Verzögerungen und Ausfällen beim Rohstoffeinkauf auf den internationalen Märkten bis hin zu Engpässen bei Verpackungsmaterialien und Paletten. Der in der Pressemeldung Anfang Januar 2021 angekündigte Engpass bei Rohstoffen für die Epoxidharzproduktion war nur der Beginn einer ganzen Serie von Verknappungen am Rohstoffmarkt und Force-Majeure-Meldungen. Diese Entwicklung geht einher mit teilweise explodierenden Preissteigerungen für viele Rohstoffe und Verpackungen.
Lkw-Staus bremsen Produktionsabläufe aus
Die Gründe sind vielfältig, haben ihre Ursache aber oft auch im logistischen Bereich. Besonders sichtbar wird das etwa bei den Lkw-Staus an den Grenzen zu Österreich und Tschechien. Durch die Just-in-time-Taktung der Warenflüsse in vielen Unternehmen fehlen aufgrund dieser enormen Zeitverluste Zwischenrohstoffe für die Produktion – die deswegen teilweise zum Erliegen kommt.
Zu wenig Seecontainer im Umlauf
Negative Konsequenzen bei den Warenflüssen entstehen für die bauchemische Industrie auch in der Frachtcontainerlogistik. Es sind schlicht zu wenig Kapazitäten verfügbar, und zwar in beide Richtungen – sowohl für den Warenexport als auch für den Rohstoff- und Materialimport. Die durch Corona hohe Nachfrage nach Gebrauchsgütern aus Asien bindet nach Meinung von Branchenexperten große Teile der Seecontainermengen in den europäischen Häfen und in Asien selbst. Auch der Brexit und die komplizierten und verlangsamten Warenströme von und nach Großbritannien wirken sich negativ aus.
Engpässe bei Kunststoffverpackungen
Viele bauchemische Produkte erfordern Speziallösungen. Hier können die Unternehmen zum Teil nicht ausliefern, weil beispielsweise Innenverpackungen aus Kunststoff fehlen. Wie eine aktuelle Umfrage der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) zeigt, gibt es insbesondere bei PP-, HDPE- und LDPE-Kunststoffen derzeit erhebliche Engpässe. Hintergrund der angespannten Versorgungslage sind ausbleibende Importe aus den USA und Saudi-Arabien, die derzeit vor allem nach China umgelenkt werden. Verschärft werde die Situation durch eine gestiegene Nachfrage nach Verpackungen. Die Folge der Verknappung seien zum Teil auch »exorbitante Preissteigerungen«, so der IK in seiner Pressemitteilung von Anfang Februar 2021. Diese treffen in der Folge auch die Bauchemiehersteller.
Paletten bald nur noch auf dem Schwarzmarkt?
Ein weiteres Problemfeld in der Logistikkette sind Paletten. Eine starke Nachfrage aus Asien, drastische Preissteigerungen und das Horten großer Palettenmengen haben laut Brancheninsidern inzwischen sogar dazu geführt, dass gestohlene Paletten auf Schwarzmärkten angeboten und gekauft werden. Im klassischen Waren- und Stückgutverkehr fehlen sie, was Auslieferungen bauchemischer Produkte verzögert.
Die Folgen der unterbrochenen Lieferketten seien mittlerweile auf den ersten Baustellen spürbar, erklärt Norbert Schröter, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauchemie.

