DGNB: Neue Version des Zertifizierungssystems für Neubauten
Das umfassend überarbeitete Zertifizierungssystem für Neubauten der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) unterstützt Bauherren, Projektentwickler, Architekten und Planer gezielt dabei, die für ihr Projekt individuell beste Lösung im Sinne der Zukunftsfähigkeit zu finden. Dies gilt im Hinblick auf die Reduktion von CO₂-Emissionen, die Umsetzung einer kreislaufgerechten Bauweise, eine möglichst große Investitionssicherheit sowie ein angemessenes Plus an Aufenthaltsqualität. In der neuen Version wurden sämtliche in den Kriterien formulierten Anforderungen aus der vorherigen Version optimiert und dadurch eine bessere Anwendbarkeit und eine sinnvolle Verschlankung von vormals 37 auf 29 Kriterien erzielt. Neu ist auch die Gewichtung der Themenfelder innerhalb der DGNB-Zertifizierung. Die ökologische, ökonomische sowie die soziokulturelle und funktionale Qualität fließen künftig mit jeweils 25 Prozent in die Gesamtbewertung ein – 2,5 Prozent mehr als bisher. Die Kriterien der technischen Qualität (bislang 15 Prozent) sowie der Prozessqualität (bislang 12,5 Prozent) machen dagegen nur noch je 10 Prozent am Zertifizierungsergebnis aus. Die Standortqualität verbleibt bei einem Anteil von 5 Prozent.
Neue Mindestanforderungen für Qualitätssicherung
Deutlich häufiger als zuvor wird in der Version 2023 das Prinzip der Mindestanforderungen in den Kriterien genutzt. Einige müssen erfüllt werden, um die höchste Auszeichnungsstufe Platin erreichen zu können, andere um überhaupt zertifizierbar zu sein. Eine solche verpflichtende Anforderung ist beispielsweise die Erstellung eines auf Klimaneutralität ausgerichteten Klimaschutzfahrplans, um bereits in der Planung einen nachhaltigen Gebäudebetrieb sicherzustellen. Umfangreichere Anpassungen gab es in den Kriterien »Klimaschutz und Energie« (vormals »Ökobilanz des Gebäudes«) und »Zirkuläres Bauen« (bislang »Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit«). Ebenso gab es einige Veränderungen bei der Barrierefreiheit, dem Mikrostandort, dem thermischen Komfort, der Qualität der Gebäudehülle sowie der geordneten Inbetriebnahme. Als Teil der ökonomischen Qualität gibt es die drei neuen Kriterien »Wertstabilität und Anpassungsfähigkeit«, »Klimaresilienz« sowie »Dokumentation«. Diese sollen die Zukunftsfähigkeit der Gebäude über den gesamten Lebenszyklus gezielt verbessern.
Synergien mit der EU-Taxonomie
Die optimale Anschlussfähigkeit an andere Bewertungssysteme war eine der zentralen Zielsetzungen bei der Entwicklung der Version 2023. Dies gilt zum Beispiel für die Varianten des DGNB-Systems für den Gebäuderückbau, nachhaltige Baustellen sowie für Gebäude im Betrieb. Um die systematische Verfolgung von Nachhaltigkeitsaspekten auch nach der Inbetriebnahme zu fördern, entfallen künftig für alle DGNB-zertifizierten Neubauten die Zertifizierungsgebühren bei der Erstanwendung des DGNB-Systems für Gebäude im Betrieb. Auch die Anforderungen von QNG, der EU-Taxonomie und des EU-Berichtsrahmens Level(s) wurden so berücksichtigt, dass kein unnötiger, paralleler Dokumentationsaufwand anfällt. Eine ESG-Verifikation für die EU-Taxonomie kann künftig problemlos im Rahmen der Neubauzertifizierung vorgenommen werden.
Wer sein Projekt für eine Zertifizierung auf Grundlage der Version 2023 durchführen möchte, kann die entsprechende Anmeldung ab dem 1. Juli 2023 vornehmen. Bereits angemeldete Projekte können ein Upgrade erhalten. Eine Projektanmeldung auf die bisherige Version 2018 ist noch bis zum 30. November 2023 möglich. Anwendbar ist die Version 2023 für Bildungsbauten, Büro- und Verwaltungsgebäude, Geschäftshäuser, Gesundheitsbauten, Hotels, Logistikimmobilien, Produktionsstätten, Shoppingcenter, Verbrauchermärkte, Versammlungsstätten, Wohngebäude mit mehr als sechs Wohneinheiten sowie mischgenutzte Gebäude.


