Domotex/Bau: Hier brummte es, dort summte es…
Die Messen »Domotex« und »Bau« gingen laut jeweiligen Verantwortlichen erfolgreich über die Bühne. Was OBJEKT über die jeweiligen Veranstaltungen in puncto Zahlen und Stimmung aufgegriffen hat, lesen Sie in diesem Artikel.
Die Boden-Trends, die uns auf den Messen begegneten, sind schnell zusammengefasst: resistente, authentische und natürlich-lebendige Oberflächen bei glatten und hölzernen Belägen, Used-Look, kreative Puzzelei in Sachen LVT-Verlegung, textile Modularität in Form von Fliesen und Planken wohin man schaut, Fischgrätmuster bei elastischen und hölzernen Belägen, mineralische und fast keramische Böden und auch wieder Tafelparkett. Das sind grob zusammengefasst die Highlights und Schwerpunkte, die uns auf »Domotex« und »Bau« begegneten und denen auch Sie auf den folgenden Seiten selbst begegnen werden.
Ein paar Gedanken zu den Messen…
Man muss schon sagen, dass sich die »Bau« in puncto Fußboden, doch auch in Sachen Wandgestaltung über die Jahre hinweg gemausert hat. Das klingt schon fast zu niedlich, las sich doch die Aussteller-Liste aus eben jenen Bereichen wie ein Who-is-who der Hersteller-Industrie. Es gab sicherlich Zeiten, da reichte es, maximal zwei Tage für einen »Bau«-Aufenthalt einzuplanen. Diese Zeiten sind längst vorbei. Nun reichen nicht mal mehr die angebotenen Messe-Tage, bedenkt man zum einen, dass sich die »Bau« auch leider immer alle zwei Jahre mit der »Domotex« in Hannover überschneidet, und zum anderen ist eben die Aussteller-Liste laaaaang. Durch das horrende Besucher-Aufkommen (gehend und stehend in den Gängen) ist es teilweise mühsam, voranzukommen. Die »Bau« wird auch von den »Großen« aus dem Bodenbelags- und Wandbereich dazu genutzt, erstklassige Stände – teilweise bis in den Messe-Himmel ragend – zu konzipieren. Das Gefühl drängt sich also automatisch auf: Die »Bau« ist etwas Besonderes, etwas Exklusives, etwas alle nur zwei Jahre Stattfindendes – da darf man nicht fehlen.
Und so ziehen alle maßgeblichen Hersteller von Rang und Namen nach München – sofern sie denn entsprechenden Stand-Platz fanden oder zugesprochen bekommen haben. Denn hier sind die Münchner Messeverantwortlichen streng und vielleicht etwas eingebildet. Setzt man mal aus, hat man in der Folgeveranstaltung ein Problem. Das sind Dinge, von denen eine »Domotex« inzwischen nur träumen kann.
Es war in Hannover schon auffällig, dass die »Bau« stattfand. Unternehmen und Besucher, die einst einen Spagat zwischen beiden Veranstaltungen wagten, sind rar gesät und wurden im Laufe der Zeit immer weniger, wie auch in diesem Jahr. In puncto Export und Handel hat die »Domotex« sicherlich ihre Berechtigung und die Nase vorn – doch München erstarkt auch in diesen Disziplinen. Die Gespräche, die wir mit Ausstellern und Besuchern führten, sprachen für eine eher schlechtere »Domotex«. Es wundert auch nicht, dass die Messe selbst die Hände vom Zahlenwerk ließ, was die Besucher-Auswertung anbelangt. »Die Besucherzahl lag auf dem Niveau der vergleichbaren Veranstaltung in 2015«, heißt es schlicht.
Gut, dass es das OBJEKT-Archiv gibt, aus dem hervorgeht, dass dies rund 45 000 waren. Vergleichen wir mit dem Vorjahr, als keine »Bau« stattfand, wird aber ein Besucher-Schwund von mindestens 5000 deutlich. Also: Die »Domotex 2017« endete mit weniger Besuchern als im Vorjahr. Dennoch und immerhin kamen rund 70 Prozent der Besucher aus dem Ausland, die meisten aus der Europäischen Union (43 Prozent). Deutlich mehr Besucher kamen aus dem Nahen und Mittleren Osten (9 Prozent) sowie Ost- und Zentralasien (16 Prozent). Vor allem aus den USA und auch aus Großbritannien war ein spürbarer Anstieg zu verzeichnen. Weiter heißt es aus dem offiziellen Schlussbericht: »Die Messe überzeugte zudem mit einer starken Fach- und Entscheiderkompetenz bei den Besuchern (91 Prozent). Um 15 bis 20 Prozent gestiegen sind die Besucherzahlen aus dem Handwerk – vor allem aus dem Bereich Parkett- und Bodenleger – aber auch aus dem Großhandel gab es entsprechende Besuchergewinne. Darüber hinaus nutzten mehr Innenarchitekten, Objektausstatter und Raumausstatter das Informationsangebot auf der ›Domotex‹.«
Als Besucher-Magnet deklarierte die Messe auch die »Innovations@Domotex«-Areas, die in den Hallen 6, 9 und 17 Neuheiten aus den Bereichen textile und elastische Bodenbeläge, Parkett und Laminat sowie moderne handgefertigte Teppiche in Szene setzten. Das »Innovations«-Konzept ist übrigens am oder zu Ende – denn im nächsten Jahr gibt es konzeptionelle Neuerungen.
Neuerungen zur »Domotex 2018«: Leitthema, Hallenbelegung und Tagesfolge
Während der Messe stellte Dr. Andreas Gruchow, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Messe AG, auf einer Pressekonferenz ein neues Konzept für die »Domotex« vor, das bereits im nächsten Jahr greifen soll. Dabei habe man an die veränderten Marktanforderungen und Bedürfnisse der Branche gedacht. Natürlich gehe es nach wie vor um Business – das soll sich auch nicht ändern, nur soll die emotionale, designorientierte Komponente noch mehr betont werden. Das heißt zum einen: Mit »Innovations« ist Schluss – und auch mit dem »Woodflooring Summit«, der einst einen guten Start hinlegte, über die Jahre aber leider verwässerte.
Auch möchte man einen verbesserten Besucherfluss garantieren. Dazu gehöre unter anderem eine neue Geländebelegung, welche Fachbesuchern die Orientierung und den Marktüberblick erleichtern soll. Produktgruppen werden neu angeordnet und in anderen Hallen untergebracht. »Auf Wunsch von zahlreichen Ausstellern sowie Besuchern«, begründet Gruchow. Künftig werden die handgefertigten Teppiche von den Hallen 14, 15, 16 und 17 in die Hallen 2, 3 und 4 ziehen. Matten und Sauberlaufsysteme bleiben im Ostbereich der Halle 4. Maschinell hergestellte Webteppiche aus den Hallen 2 bis 5 wechseln in die Hallen 5 bis 7. In Halle 8 präsentieren sich designorientierte Anbieter von modernen, handgefertigten Teppichen. »Damit kommt die Deutsche Messe dem Wunsch von Ausstellern nach einer stärkeren räumlichen Zusammenführung bei den hand- und maschinell gefertigten Teppichen entgegen«, sagt Gruchow. Neu ist ebenfalls, dass sich in Halle 9 lifestyle- und markenorientierte Unternehmen aller Angebotsbereiche in dem Kontext des neuen, jährlich wechselnden Leitthemas der »Domotex« präsentieren können.
Teppichböden aus den Hallen 5 und 6 ziehen in die Halle 11. Elastische Bodenbeläge und LVTs sowie Parkett, Holz- und Laminatfußböden aus den Hallen 6, 8 und 9 werden in den Hallen 11, 12 und 13 zusammengeführt. Damit trage man insbesondere den Anforderungen der Aussteller Rechnung, die zunehmend mehrere Bodenbelagsarten im Programm haben, heißt es. Daran anknüpfend zieht der Bereich Anwendungs- und Verlegetechnik von Halle 7 in Halle 13.
Wie schon angedeutet, gibt es bald jährlich wechselnde Schwerpunktthemen mit einer noch stärkeren Ausrichtung auf Trends und Innovationen. 2018 steht unter dem Motto »Unique Youniverse« und beinhaltet die immer weiter fortschreitende Individualisierung. In der räumlichen Übersetzung des Leitthemas soll in Halle 9 eine Erlebniswelt entstehen, die Besuchern als zentrale Anlaufstelle und Quelle für Inspirationen dienen soll.
Auch nicht ganz unwichtig: In 2018 ändert sich die Tagesfolge der Messe. Künftig wird die »Domotex« von Freitag bis Montag stattfinden (statt bisher Samstag bis Dienstag). Auch dies sei ein Wunsch vieler Besucher und Aussteller gewesen. Natürlich minimiert man bei dieser Tagesfolge die Überschneidungen mit künftigen »Bau«-Messen in München – mit der »Heimtextil« in Frankfurt aber, die ihren Rhythmus bereits vor geraumer Zeit nach vorne hin abänderte, unter anderem auch deswegen, um Überschneidungen aus dem Weg zu gehen, kommt man wieder durcheinander. Letzter »Heimtextil«-Tag = erster »Domotex«-Tag.
»Bau«, Brummen, Bestmarken
In Hannover summte es, aber in München brummte es. Das mag wohl maßgeblich an den 250 000 Besuchern gelegen haben, die sich über sechs Tage hinweg ihren Weg durch die Hallen gebahnt haben. Nicht zu vergessen: die 2120 Aussteller samt jeweiliger Messestand-Besetzung. Von den Besuchern kamen erstmals 80 000 aus dem Ausland (2015: 72 000 Besucher). Laut Messe frequentierten 65 000 Besucher aus Architektur- und Planungsbüros die Veranstaltung.
Dass München immer eine Reise wert ist, sieht man an den »Export«-Zahlen. Zwar mag sich die »Domotex« in Hannover mit ihren Zahlen rühmen – die »Bau« steht ihr aber in nichts nach. Zu den Top-10-Besucher-Auslandsmärkten gehörten wieder drei Länder außerhalb der EU: die Türkei (3055 Besucher), Russland (2868) und China (2235). An der Spitze des Besucherrankings stehen auch diesmal die Nachbarländer Österreich (11 520 Besucher), die Schweiz (5243) und Italien (5013). Dass die »Bau« auch außerhalb Europas immer stärker wahrgenommen wird, zeigt die Liste der Länder, die am meisten zugelegt haben. Darunter sind Südkorea (1301 Besucher), die USA (792) und Indien (803).
Man darf gespannt sein, wie sich die Messe weiterentwickelt – angesichts all jener Zahlen geht die »Bau« in 2019 mit zwei neuen Hallen an den Start, wodurch sich das Ausstellungsgelände auf 200 000 Quadratmeter vergrößert. Platz satt also auch für diejenigen (oder die wenigen) aus der Bodenbranche, die bislang noch nicht in München ausstellten.
Thomas Ottaviano

