DTI / VDT: »Tapetengipfel« bringt Handel, Industrie und Handwerk zusammen
Im Mai trafen sich rund 90 Fachleute aus Industrie, Groß- und Fachhandel sowie dem Maler- und Raumausstatterhandwerk zum siebten Mal zum traditionellen »Tapeten-Gipfel« des Verbandes der Deutschen Tapeten-industrie (VDT). Unter dem Motto »Großhandel & Profi« bot das ganztägige Branchentreffen im Kurhaus Wiesbaden eine Fülle an Impulsen zu Markttrends, Digitalisierung und Kundenorientierung – ergänzt durch Praxisberichte und intensive Diskussionen.
In seiner Eröffnungsrede betonte Verbandsvorsitzender Dr. Frederik Rasch, dass die Branche nach einer Phase sinkender Umsätze nun wieder Boden gutmache. »Wir haben einen erheblichen Rückgang in der Entwicklung zu verzeichnen – jetzt gilt es, gemeinsam nach vorn zu schauen«, lautete sein Appell. So sei die Stimmung zwar angespannt, aber die Grundlage stimme: »Großhandel und Industrie machen bereits einen großartigen Job – wir müssen nur lauter werden und die Konsolidierung als Chance begreifen.«
Frank Rehme von gmvteam plädierte in seinem Vortrag für eine Neuausrichtung des Handels. Großhändler müssten mehr sein als reine Materiallieferanten, Kundenbedürfnisse klar erkennen und personalisierte Services über alle Kanäle anbieten. »Wenn du siegen willst, lass deine Kunden gewinnen«, so Rehme mit Blick auf datenbasierte Kundenbindung.
Zukunftstrends
Stefan Binkowski, Omnichannel- und KI-Experte, unterstrich die Bedeutung einer kanalübergreifenden Customer-Experience. Er hob Retail Media und Social Commerce als zentrale Hebel hervor, um Handwerkern und Fachhändlern neue Umsatzpotenziale zu erschließen und illustrierte seine Thesen mit anschaulichen Praxisbeispielen.
Mathias Bucksteeg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz, gab indes Einblicke in Megatrends wie die Konsolidierung kleiner Betriebe und Franchise-Modelle. Außerdem betonte er die Relevanz des Malerhandwerks für die Branche: »Rund 2 Milliarden Euro Umsatz machen Maler mit Tapezierarbeiten – trotz Personalmangel.« Die Industrie sei gefordert, stärker auf das Profihandwerk einzugehen und praxisnahe Lösungen zu bieten.
Beratung als Mehrwert
Wie Tapeten wieder begeistern können, zeigte Jessica Jörges, Malermeisterin und Gewinnerin des »MALERStars 2024«. Mit authentischen Beispielen aus ihrem Arbeitsalltag machte sie deutlich: »Räume bekommen durch Tapete eine Seele – aber dafür braucht es Menschen, die Lust auf Beratung und Gestaltung haben.« Ihre Impulse sorgten anschließend für regen Austausch und lenkten den Fokus auf die emotionale Wirkung von Raumgestaltung – und auf die entscheidende Rolle der Beratung im Handwerk.
Auch in einer Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Industrie, Handel und Handwerk herrschte Einigkeit: Beratungsleistungen müssen sichtbarer und verrechenbar gemacht werden, um Tapete im Profibereich attraktiver zu gestalten. Zudem wurde betont, dass Tapeten nicht nur dekorativ, sondern auch funktional – etwa als Wandschutz – langfristig überzeugen können.

