Düsteres Jahr für Lacke, Farben und Druckfarben
Die deutsche Lack- und Druckfarbenindustrie verzeichnete 2025 ein deutliches Minus. Wie VdL‑Präsident Dr. Harald Borgholte auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) erläuterte, sind sowohl Absatz als auch Umsatz gesunken – ein Abbild der anhaltenden Schwäche vieler Industriezweige. Der Inlandsabsatz verringerte sich um 2,8 Prozent auf 1,4 Mio. Tonnen, der Umsatz sank um 1,2 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Für 2026 erwartet der Verband keine Entspannung und rechnet erneut mit rückläufigen Verkaufsmengen.
Industrielacke unter Druck
Der Sektor Industrielacke bleibt durch ein schwaches verarbeitendes Gewerbe stark belastet. Größter Abnehmer war 2025 die Automobilindustrie mit 608 Mio. Euro Umsatz, gefolgt von Autoreparaturlacken und Metallerzeugnissen. Während die Nachfrage insgesamt um 1,2 Prozent sank, zeigten sich einzelne Bereiche robust: Autoserienlacke legten um 1,5 Prozent zu, Korrosionsschutzbeschichtungen sogar um 3 Prozent – ein Wachstum, das vor allem auf staatliche Infrastrukturmaßnahmen im Bereich Energie, Verkehr und Straßenbau zurückzuführen ist. Für 2026 prognostiziert der Verband zumindest eine stabile Entwicklung.
Pulverlacke verlieren stärker als Nasslacke
Pulverlacke, die rund 12 Prozent des Industrielackumsatzes ausmachen, verzeichneten 2025 überdurchschnittliche Rückgänge. Während die Nachfrage nach Nasslacken nur leicht um etwa 1 Prozent sank, fielen die Pulverlackabsätze um rund 5 Prozent – besonders im Automobilzulieferer‑ bzw. Transportbereich sowie im Bausektor.
Bautenfarben: Baukrise trifft die Branche hart
Besonders deutlich zeigt sich der Druck im Bereich Bautenfarben. Der Absatz schrumpfte 2025 um 3,5 Prozent, bedingt durch schwache Wohnungsbauzahlen und geringe Investitionen. Sowohl der DIY‑Sektor mit –2 Prozent als auch der Profi‑Bereich mit –4 Prozent mussten Rückgänge hinnehmen. Auch 2026 sei keine Besserung in Sicht. Hoffnung setzt der Verband auf 2027, wenn der sogenannte »Baubooster« eine Markterholung anstoßen könnte.
Druckfarben: Publikationsdruck bricht weiter ein
Mit 168.000 Tonnen und 702 Mio. Euro Umsatz musste die Druckfarbenindustrie bei der Absatzmenge ein Minus von 5 Prozent hinnehmen. Verantwortlich ist vor allem der weiter schrumpfende Publikationsdruck. Lediglich der Verpackungsdruck konnte leicht zulegen. Für 2026 erwartet der VdL einen weiteren Rückgang von etwa 3 Prozent.
Außenhandel zeigt leichte Dynamik
Im internationalen Geschäft erzielte die Branche 2025 leichte Zugewinne: Die Exporte stiegen um 1 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro, die Importe um 3,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Für 2026 rechnet der Verband mit moderaten weiteren Zuwächsen, getrieben durch eine leichte Konjunkturerholung im Ausland.
Verband fordert entschlossenen Bürokratieabbau
Scharfe Kritik äußerte VdL-Präsident Borgholte an der politischen Rahmensetzung. Nach sechs Jahren wirtschaftlicher Stagnation fehlten weiterhin tiefgreifende Reformen. Die EU habe 2025 mehr Vorschriften erlassen als je zuvor – ein Trend, der laut Verband die Industrie zusätzlich belaste. Borgholte fordert daher »mehr Mut und Entschlossenheit bei der Entbürokratisierung«.
VdL‑Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Kanert verwies zwar auf erste positive Schritte wie die »Omnibus«-Pakete im Chemikalienrecht. Doch durch Detaildiskussionen drohe der Effekt zu verpuffen. Neue Gesetzesinitiativen zur Kreislaufwirtschaft wie die PPWR-Verordnung und EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) könnten zusätzliche Belastungen bringen. Der Verband sieht daher weiterhin großen Handlungsbedarf.


