Ecophon: Die Relevanz der Raumakustik
Überall dort, wo Wissen vermittelt wird, spielt die Raumakustik eine Schlüsselrolle: ob in Kindergärten, Schulen oder Hochschulen. Kinder und Lehrkräfte verbringen täglich zahlreiche Stunden in Klassenzimmern, Mensen oder Sporthallen. Doch Lärm, störender Nachhall und schlechte Sprachverständlichkeit sind in vielen Bildungsstätten noch immer Realität mit gravierenden Folgen wie Stress, Konzentrationsprobleme, Stimmbelastung und sinkende Lernerfolge. Gleichzeitig wächst der Druck, Bildungsbauten nachhaltiger zu gestalten. Investitionen müssen nicht nur die pädagogischen Anforderungen erfüllen, sondern auch ökologische Verantwortung übernehmen.
Ohne akustische Maßnahmen entstehen Stress und Überlastung, der durch den sogenannten »Lombard-Effekt« zusätzlich verstärkt wird: Alle sprechen lauter, um sich gegenseitig zu übertönen und der Lärmpegel steigt kontinuierlich weiter. In akustisch optimierten Räumen kann der gegenteilige Effekt eintreten: Lehrkräfte und Schüler senken unbewusst ihre Stimme, weil sie einander auch bei geringer Lautstärke klar verstehen. Wie Tiesler und Oberdörster1 (2006) zeigen, kann eine gute Raumakustik die Sprachverständlichkeit um bis zu 35 Prozent steigern. Zugleich weisen McKenzie und Airey2 (1999) nach, dass eine gute Raumakustik die Herzfrequenz der Lehrkräfte um bis zu zehn Schläge pro Minute senken kann. Das bedeutet für sie weniger Stress, während die Schüler von weniger Ablenkung, besserer Konzentration, gesteigerter Gedächtnisleistung und einem besseren Lernklima profitieren.
Aktivitätsbasiertes Akustikdesign
Activity Based Acoustic Design ist ein Planungsansatz, bei dem die Raumakustik an der jeweiligen Nutzung des Raums orientiert ist unter Einhaltung der relevanten Normen wie DIN 18041, ASR A3.7 »Lärm« und die DGUV-Regel 102-601. Denn ein Klassenzimmer stellt völlig andere Anforderungen als eine Mensa, eine Sporthalle oder ein Musikraum. Nachfolgend einige Beispiele:
- Klassenzimmer: Vollflächige Akustikdecken plus Wandabsorber sorgen für optimale Sprachverständlichkeit.
- Mensen und Flure: Höchstabsorbierende Deckensysteme reduzieren den Schallpegel und verhindern Schallausbreitung.
- Sporthallen: Ballwurfsichere Absorber gewährleisten Sicherheit und Hörkomfort.
- Musikräume: Kombination aus Decken- und Wandlösungen für klare Klangverhältnisse.
Nachhaltigkeit als Planungsprinzip
Nachhaltige Akustiklösungen für Schulen und Kitas sollten über den gesamten Lebenszyklus gedacht und geplant werden: von der Herstellung (inklusive Rohstoffgewinnung) und Montage über Nutzung und Instandhaltung bis hin zu Rückbau, Wiederverwendung oder Recycling. Nachhaltige Schallabsorber setzen auf einen hohen Anteil an Sekundärmaterialien. Bei Schallabsorbern aus Glaswolle ist dies mindestens 70 Prozent Altglasanteil.
EPDs in die Planung einbeziehen
Wenn es um die Auswahl von Baustoffen geht, gewinnt neben Kosten, Funktion und Design auch der CO₂-Fußabdruck eines Produkts zunehmend an Bedeutung. Eine Herausforderung besteht darin, dass es derzeit noch keine einheitlichen Benchmarks für Gebäude gibt, an denen sich Bauherren orientieren könnten. Umso wichtiger ist es, Umweltproduktdeklarationen (EPDs) in die Planung einzubeziehen. Sie geben detailliert Auskunft über den CO₂-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts und ermöglichen so Produktvergleiche und fundierte Entscheidungen.
Rechenbeispiel
Das Treibhauspotenzial wird ausgewiesen in CO₂-Äquivalent pro 1 m². Besonders wichtig ist dabei die Relation zwischen der akustischen Effizienz eines Schallabsorbers und seinem ökologischen Fußabdruck: Je mehr schallabsorbierende Leistung pro eingesetztem CO₂-Äquivalent erzielt wird, desto nachhaltiger ist die Lösung. Hilfreich ist daher der Blick auf die Funktionseinheit, da sie im besten Fall Rückschlüsse auf die bauphysikalischen Eigenschaften eines Baustoffs erlaubt: Wie gut absorbiert ein Schallabsorber mit einer Fläche von 1 m²? Ein praktisches Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang: Wenn Absorber A und Absorber B denselben CO₂-Fußabdruck von 3 kg CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter aufweisen, Absorber A jedoch über eine 20 Prozent höhere Schallabsorptionsleistung verfügt, ist Absorber A ökologisch wie funktional die nachhaltigere Wahl.
Geschlossener Materialkreislauf
Neben der Effizienz eines Produkts spielt dessen Zukunftsfähigkeit eine zentrale Rolle. Denn Nachhaltigkeit umfasst auch die Frage, was am Ende des Lebenszyklus mit den Materialien geschieht. Rücknahme- und Recyclingprogramme schließen den Materialkreislauf und sorgen dafür, dass rückgebaute Akustikplatten oder auf der Baustelle anfallender Verschnitt nicht auf der Deponie landen. Diese fließen als Sekundärrohstoffe in die Produktion ein und entlasten somit Deponien.
Fazit
Nachhaltige Akustiklösungen sind ein entscheidender Baustein für gesunde, inklusive und zukunftsfähige Bildungsräume. Gute Raumakustik reduziert Stress, verbessert die Sprachverständlichkeit und schafft damit Lernumgebungen, in denen Schüler wie Lehrkräfte ihr Potenzial entfalten können. Gleichzeitig leisten ressourcenschonende Materialien und geschlossene Recyclingkreisläufe einen wichtigen Beitrag.
Für Bauherren und Planer bedeutet dies, Verantwortung zu übernehmen: bei der Auswahl von Baustoffen mit möglichst kleinem CO₂-Fußabdruck und bei der konsequenten Umsetzung akustischer Standards. Noch fehlen klare Benchmarks für die ökologische Bewertung von Gebäuden, doch je früher Schulen und Kommunen nachhaltige Akustikkonzepte einfordern, desto schneller werden sich diese Leitplanken etablieren.
1) Tiesler, G.; Oberdörster, M. (2006): Akustische Ergonomie der Schule. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Forschungsbericht Fb 1071. Dortmund/Berlin/Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.
2) MacKenzie, D. J.; Airey, S. (1999): Classroom acoustics. A research project (Summary report). Department of Building Engineering and Surveying, Heriot-Watt University, Edinburgh.


