Editorial
Da waren sie wieder – die altbewährten Messen wie »Heimtextil«, »Domotex« und »BAU«, die in der ersten Jahreshälfte die Kalenderspalten füllten, als wären sie nie weg gewesen. Viele nette Gespräche wurden an den Ständen geführt. Oftmals waren diese geprägt von einem optimistischen Blick in die Zukunft – allen Widrigkeiten zum Trotz!
Doch wohin steuert das Schiff? Am 10. März 2023 stellte das Statistische Bundesamt (Destatis) die Baugenehmigungszahlen für das Jahr 2022 vor. Im Vergleich zum Vorjahr wurde hier ein Rückgang der Genehmigungszahlen für Neubauwohnungen in Zweifamilienhäusern um 13,8 Prozent (minus 4400) sowie für Wohnungen in neu zu errichtenden Mehrfamilienhäusern um 1,6 Prozent (minus 3100) verkündet. Einen besonders starken Rückgang um 16,8 Prozent (minus 15 800) verzeichneten die Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser. Gründe für die rückläufigen Genehmigungszahlen um insgesamt 6,9 Prozent (minus 26 300) waren unter anderem Materialmangel, hohe Kosten für Baumaterialien, Fachkräftemangel am Bau und zunehmend schlechte Finanzierungsbedingungen.
Vor allem dem ohnehin schon am stärksten betroffenen »Sehnsuchtsort der Deutschen« stehen jetzt aber offenbar weitere Hürden bevor, oder – um im Bild zu bleiben – »Eisberg voraus!«: So darf in Hamburg-Nord bereits seit 2020 kein Einfamilienhaus mehr gebaut werden. Als Argumente gegen den Lebenstraum so vieler Menschen wurden von den Politikern pragmatisch Flächenverschwendung, Verschwendung von Baumaterial und eine schlechtere Energiebilanz ins Feld geführt. Schon damals befürchteten Kritiker, dass das hanseatische Beispiel bundesweit zum Standard in der Stadtplanung werden könnte. Und jetzt gibt es erste Nachahmer!
So heißt es in einem Artikel der »Markt und Mittelstand« vom 16. Mai, dass die Stadt Münster in Westfalen den Bau freistehender Einfamilienhäuser bis auf wenige Ausnahmen verbieten möchte. Auch sollen nur noch wenige Doppelhaushälften und Reihenhäuser neu entstehen. Eine entsprechende »Klimagerechte Bauleitplanung Münster« wurde bereits im Rat der Stadt vorgestellt und gutgeheißen. Stattdessen arbeiten die Stadtplaner nun also an Modell-Quartieren am Stadtrand, wo platzsparende Mehrfamilienhäuser entstehen sollen. Erneut stellt sich hierbei die Frage: Wohin steuert das Schiff? Und wie wird die Stimmung auf den Messen in der zweiten Jahreshälfte sein?
Doch jetzt erst einmal »Leinen los« und »Schiff ahoi«: Ab in die Sommerpause und die Sorgen möglichst zu Hause lassen. Ich wünsche allen eine sonnige, erholsame und vor allem unbeschwerte Sommerzeit!
Ihre
Sabine Langanke

