Editorial Ausgabe 2/2024
Was war man in den 60er und 70er Jahren doch vergleichsweise sorglos... Da setzte man die lieben Kleinen noch in Kindersitze vorne am Fahrradlenker, ließ sie ohne Schoner und Helm Rollschuhlaufen und Fahrradfahren oder packte sie sich beim Skifahren nonchalant auf den Rücken. Man selbst pfiff oftmals aufs Anschnallen im Auto und andere Gesundheitsgefahren wie Rauchen oder Fettleibigkeit und kümmerte sich erst nach und nach verstärkt um Themen wie Arbeitssicherheit, Sonnen- oder »Hitzeschutz«. Ebenso wenig dachte man in Zeiten des Baubooms an gesundes Bauen und Wohngesundheit. Hier wurden stattdessen teils Materialien verbaut, die erst Jahre später ihre negativen Auswirkungen zeigen sollten – wie etwa asbesthaltige Dämmstoffe und Materialplatten, bituminöser Kork oder asbest-, öl- und teerhaltige Substanzen zum Kleben und Streichen. An manchen Stellen wünscht man sich die Sorglosigkeit von damals vielleicht zurück – in einigen Punkten wusste man es aber auch einfach noch nicht besser und ist inzwischen schlauer geworden. Im Bereich Wohngesundheit jedenfalls geht es heutzutage nur noch vorwärts!
Besonders wichtig ist das Thema geworden, wenn man bedenkt, dass wir mittlerweile im Durchschnitt rund 80 bis 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen verbringen (Studie YouGov im Auftrag der Velux-Gruppe, 2018). Gleichzeitig werden Gebäude aus energetischen Gründen immer dichter gebaut, was den Luftaustausch erschwert und so das Raumklima zusehends verschlechtert. Da liegt es nahe, dass sich immer mehr Menschen beim Bau ihres Hauses vorab Gedanken über die Wohngesundheit in den eigenen vier Wänden machen: Hierzu zählen weit gefasst Maßnahmen zur Steigerung des Wohlbefindens wie etwa die Verwendung großer Fenster, die viel Tageslicht reinlassen, oder harmonische Wandfarben und Bodenbeläge, die Ruhe ausstrahlen und somit Stress abbauen. Ebenso trägt es zum Wohlbefinden bei, wenn Gebäude Schutz und Abschirmung von alltäglichen Einflüssen wie Straßenlärm, Raumschall, Elektrosmog und schadstoffbelasteter Luft bieten. Letztendlich geht es dabei stets darum, dass Wohnen Spaß und nicht krank machen soll! Apropos krank: Husten, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit können die Folge von Schadstoffen in der Raumluft sein, deren Konzentration innerhalb von Gebäuden teilweise bis zu fünfmal höher liegen kann als draußen. Auch hier ist – last, but not least – das Bewusstsein und damit die Nachfrage nach gesundheitlich unbedenklichen Baustoffen deutlich gewachsen. Der Studie »Wohngesundes Deutschland 2018/2019« (Benz24/Innofact) zufolge achten bereits 80 Prozent der befragten Deutschen beim Kauf auf die Themen Wohngesundheit und Umweltverträglichkeit. Grund genug für OBJEKT, dass wir diesen in unserem aktuellen Sonderthema »Produkte für wohngesundes Bauen« eine Bühne bieten! Denn letztendlich können Gebäude nur so gesund sein wie die dafür eingesetzten Materialien.
Ihre
Sabine Langanke

