Editorial Ausgabe 4/2024
Normalerweise fiebert vor allem die Damenwelt ihrem 40. Geburtstag nicht unbedingt entgegen – im besten Fall spielt er für sie einfach keine große Rolle, schließlich wird man eben älter…
Für OBJEKT-Verlagsgründer Wynfrith Stein war dieses Jubiläum jedoch von ganz besonderer Bedeutung. So schrieb er damals in seinem Editorial: »Eigentlich sind 40 Jahre ja kein richtiges Jubiläum, weil nicht durch 25 teilbar. Aber ob ich zum 50-jährigen Bestehen von OBJEKT ein Editorial schreiben werde, ist doch sehr fraglich.« Mittlerweile ist er 86 Jahre alt und hat sich vollständig aus dem Verlagsgeschäft zurückgezogen. Sein »Baby« aber, das er 1974 im Alter von 35 Jahren aus der Wiege gehoben hatte, ist inzwischen erwachsen geworden und hat gelernt, auch ohne ihn zu laufen.
Den Schritt in die »neue Zeit« haben wir ohne ihn meistern müssen und vermutlich würden ihm die Entwicklungen, die sich in der Medienlandschaft vollzogen haben, ohnehin nicht mehr sonderlich gut gefallen. So waren die sozialen Medien und Homeoffice für ihn im Grunde Firlefanz; und auch die Kommunikation via E-Mail und Zoom-Konferenz wären wohl längst nicht mehr sein Ding. Dazu genoss er es viel zu sehr, sich mit den Branchenteilnehmern bei einem guten Essen vis-à-vis auszutauschen und seine eigene Meinung und spitze Kritik in Interviews und Texten kundzutun. Er war einer vom »alten Schlag«, der jeden Morgen das Kollegium höflich mit Handschlag grüßte und mit stoischer Gelassenheit seine freitäglichen Redaktionssitzungen abhielt – auch wenn im Büro nebenan die Tasten glühten. Diese Gelassenheit war ihm offenbar zu eigen und verlieh ihm den Mut, den es 1974 brauchte, um trotz Ölkrise und der daraus folgenden wirtschaftlichen Instabilität mit einem eigenen Fachmagazin etwas Neues zu starten – wohlwissend, dass es nach einer Talfahrt immer irgendwann wieder bergauf gehen muss.
Ob ich zum 100-jährigen Bestehen von OBJEKT ein Editorial schreiben werde, ist doch sehr fraglich. Daher sage ich an dieser Stelle bloß: Auf die nächsten 50 Jahre – und bleiben Sie gelassen.
Ihre Sabine Langanke

