10.06.2016 | Boden / Zubehör Seite 52-55 in Ausgabe 6-7/2016

Ein Besuch bei der Carpet Concept Teppichfabrik in Münchenbernsdorf

In dem sensibel sanierten Backsteinbau aus den 1930er-Jahren kommt neben modernster Webtechnik auch traditio­nelles Handwerk zum Einsatz. Bereits 1883 wurde in Münchenbernsdorf eine Läuferstoffweberei gegründet, die mit Handwebstühlen arbeitete. Das war der Beginn einer Weberei-Tradition, die sich bis in die heutigen Tage fortgesetzt hat.

Die Thüringer Teppichfabrik, ­Vorläufer der Carpet Concept Teppichfabrik, wurde 1910 als Krause & Poser AG als Teppichweberei mit Spinnerei, Färberei und Ausrüstung gegründet. Inhaber war die Familie Rösel. Die Namen Poser und Rösel tauchten nach 1945 auch im west­lichen Teil Deutschlands auf: Poser als Globus-Teppichfabrik Walter Poser in Einbeck sowie Hartwig Walter Poser in Pegnitz und Rösel als Norddeutsche Teppichfabrik in Geesthacht.

1949 wurden die ostdeutschen Fabriken enteignet und in die VEB Thüringer Teppichfabriken eingebracht, ein vollstufiges Konglomerat aus 12 Werken (in Münchenbernsdorf, Gera, Kamenz, Guben und Peitz) mit 1300 Beschäftigten und einer Jahresproduktion von 13 Mio. m2 Tufting und Webware. Abgesetzt wurde diese Produktion in der Sowjetunion, in der DDR, aber auch in der Bundesrepublik.

Die hochmoderne TeppichwebereiNach der Wende wurden bis 1993 alle Werke geschlossen bis auf das Werk 6 in Münchenbernsdorf. 1997 verkaufte die Treuhandanstalt dieses Werk an die Dresdner Bank und Schröder & Partner.

Im Jahre 2000 erwarb die Maltzahn KG das Unternehmen, verlagerte die ­Tuftingproduktion in die Maltzahn-Gruppe­ nach Westdeutschland und spezialisierte die Thüringer Teppich­fabrik (damals in der Branche liebevoll »ThüTe« genannt) auf Webware. Seitdem wurden erhebliche Investitionen in moderne Webtechnologie getätigt. 2004 wurde die Thüringer Teppich­fabrik von der von Thomas Trenkamp gegründeten Carpet Concept Objektteppichboden GmbH, Bielefeld, übernommen. Schon seit 2000 wurde in Münchenbernsdorf ausschließlich für den Bielefelder Trendsetter in Sachen Objektteppichböden produziert, die nunmehr das Portfolio um die Produktion ergänzte − eine logische Konsequenz aus der erfolgreichen Entwicklung von Carpet Concept und aus der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Thüringer Teppichfabrik.

Im Akustikzentrum. Das CAS-Raumsystem schafft Arbeitsbereiche, wo sie gebraucht werden – oder ver­ändert sie wieder, wenn sie nicht mehr ge-braucht werden. Der Gestaltungsfreiheit wird durch die Bau­kastenidee keine Grenze gesetzt. CAS ­Carpets sind akustisch wirksame Teppich­böden, deren Rücken mit einer speziell entwickelten ­Membran­- schicht sowie mit Filzen unterschiedlicher Stärke kaschiert sind. Links im Bild: Thomas Trenkamp und Axel Hücker.Zurzeit werden 65 Mitarbeiter beschäftigt. Die Produktion ist dreischichtig voll ausgelastet. Geschäftsführer ist Axel Hücker, 55, der bereits 1989 (noch zu DDR-Zeiten) als technischer Direktor zu den VEB Thüringer Teppichfabriken kam. Er gilt als exzellenter Webereifachmann.

Der Fabrikkomplex beherbergt heute neben der hochmodernen Weberei mit Peripherieaggregaten ein Museum zur Geschichte des Webens, einen außergewöhnlichen Konferenz- und Ausstellungsbereich sowie eine Web­küche. Räume für Verlegeschulungen werden zurzeit hergerichtet.

Das Webmuseum zur ­Geschichte des Webens. Eine außergewöhnliche Möglichkeit für den gemeinsamen Austausch mit Kunden, Planern und Mitarbeitern bietet die Webküche in einer alten Werkhalle. Einen ganz besonderen Charme verströmt das Museum zur Geschichte des Webens. Die zum Teil schon his­torischen Webstühle waren bis vor kurzem noch hier im Einsatz, mussten also nicht zugekauft werden. Zur Geschichte des Webens gehört natürlich auch ein Handwebstuhl, der allerdings nicht aus dem eigenen Bestand stammt. In großen Kojen wird die Geschichte der Teppichfabrik von der Gründung über die Bauhaus-Zeit und die DDR-Zeit bis heute dokumentiert. Carpet Concept setzt auf den kreativen Dialog mit Partnern. Eine außer­gewöhnliche Möglichkeit für den gemeinsamen Austausch mit Kunden, Planern und Mitarbeitern bietet die Webküche im Webmuseum. Als Teil des Ensembles lädt die Webküche zum gemeinsamen Kochen ein – zum Austausch über Handwerk, Design und Technologie in anregender Atmo­­­­sphäre.

Alle diese Komponenten machen den Besuch in Münchenbernsdorf zu einem Gesamterlebnis, das die etwas beschwerliche Anreise lohnt.

Wynfrith Stein

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