Eurobaustoff: »Alles aus einer Hand«
Eurobaustoff verbuchte 2015 mit ihren Gesellschaftern einen Außenumsatz von rund 13,6 Milliarden Euro. Davon wurden 5,6 Milliarden Euro zentral fakturiert. In puncto Boden-Programm und Vermarktung wird die Kooperation mitsamt ihren Gesellschaftern immer »prominenter«.
Große aus der Holzhandelslandschaft wechseln, hölzerne und LVT-Bodenbeläge wachsen und Maler sowie Bodenleger entdecken eine neue Materialquelle – die Rede ist hier vom Baustoffhandel, genauer: der Kooperation Eurobaustoff. Wirklich große Namen aus dem Holzhandel (seien es Richter oder Gebhardt, um nur zwei zu nennen) verließen ihre langjährige Kooperation, um sich der Eurobaustoff anzuschließen. Und der Baustoffhandel hat längst palettenlagerungsfähige Fußbodenbeläge im Programm – und nicht nur Laminat, Kork und Parkett, sondern auch LVT-Böden. Das hat auch die Fußbodenindustrie erkannt und sieht den Baustoffhandel als weiteren Absatzkanal. Und was das Einkaufsverhalten von verarbeitenden Maler- und Boden-Profis anbelangt, so haben diese den Baustoffhandel als »Einkaufsparadies« identifiziert, erhalten sie doch hier so ziemlich alles aus einer Hand – mitsamt kompetenter Beratung. »Der Markt hat sich geändert, die Kunden haben sich geändert. Kunden wollen alles aus einer Hand – und da bleibt ihnen der Baufachhandel«, so Franz-Josef Segin, Bereichsleitung Unternehmenskommunikation bei Eurobaustoff. »Der Kunde bekommt bei Eurobaustoff-Gesellschaftern bis zur Wohnraumleuchte alles – mit Ausnahme von Möbeln –, was man im, am und rund ums Haus braucht«, ergänzt Jürgen Bentz, Category-Manager Holz bei Eurobaustoff.
Einkauf, Marketing, Beratung…
Im Kern des Leistungsangebots für die Eurobaustoff-Gesellschafter steht ein vernetztes Beschaffungsmanagement, das weltweiten, nationalen, regionalen und lokalen Einkauf je nach Erfordernissen kombiniert. Sechs Zentrallager sorgen dabei für eine reibungslose Versorgung. Echten Sortimentsspezialisten bieten sieben profiorientierte Fachgruppen weitere Profilierungsmöglichkeiten.
Zudem fördert und unterstützt Eurobaustoff die Stärken mittelständischer Fachhändler mit umfassenden Dienst- und Beratungsleistungen der Zentrale. Diese werden exakt auf die jeweiligen Bedürfnisse eines Gesellschafter-Unternehmens und dessen individuelles Marktumfeld zugeschnitten, aufeinander abgestimmt und für eine Vielzahl von Leistungsfeldern angeboten. So finden sich weitere Dienstleistungen wie Marketing, IT sowie Weiterbildung im Angebotsspektrum. Franz-Josef Segin: »Wir sehen uns in der Zentrale als Dienstleistungs-Campus. Und unser Gesellschafter kann dort auf das zugreifen, was er benötigt. Übrigens: Das Logo Eurobaustoff taucht bei den Gesellschaftern nicht auf – wir sind ganz hinten, der Gesellschafter mit seinem Logo/Namen steht in seiner Region im Markt ganz vorne. Wir sind nur Zulieferer für Material und Services. Er ist die Marke!«
Eurobaustoff als solche ist schon fast eher jung: Die Kooperation besteht unter diesem Namen »erst« seit zehn Jahren. Dennoch gibt es eine Historie davor – und die ist schon etwas länger: Als freiwilliger Verbund selbstständiger Unternehmer wurden in den frühen 1960er Jahren die drei Fachhandelskooperationen Interpares, Mobau und der IBS Leistungsverbund gegründet. Mitte der 1990er Jahre fusionieren Mobau und Interpares und starten die Dachmarke »i&M Bauzentrum«, die schon bald von mehr als 100 Gesellschaftern übernommen wird. Etwa zur gleichen Zeit wird aus dem IBS Leistungsverbund die Interbaustoff. 2003 beschließen die Gesellschafter beider Kooperationen die Fusion zur i&M Interbaustoff, die 2006 in Eurobaustoff umbenannt wird.
Heute umfasst die Kooperation 478 Gesellschafter mit ca. 1510 Standorten. Neben Deutschland sind dies auch die Niederlande, Schweiz, Österreich, Luxemburg, Italien, Frankreich und Liechtenstein. Sechs Zentrallager sorgen für schnelle Lieferung und Versorgung.
Der Bereich Holz wächst
Mit viel Zuversicht ging man bei der Eurobaustoff in das vierte Quartal – das Fernziel, die 6-Milliarden-Euro-Umsatzhürde zu nehmen, sei durchaus realistisch. Per Ende 30. September lag das Volumen bei 4,5 Milliarden Euro und damit 5,83 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Mitentscheidend für die derzeitige Umsatzentwicklung ist das Wiedererstarken der Bereiche Dach & Fassade sowie Trockenbau/Dämmstoffe, die mittlerweile ein deutliches Umsatzplus verzeichnen. Erfreulich ist auch die starke Position des Hochbaus (plus 6,1 Prozent) nach einem langjährigen »Mauerblümchen-Dasein« aufgrund fehlender Neubau-Aktivitäten. Stark am Markt und bei der Kooperation ist wie eh und je der Bereich Fliesen/Naturstein (plus 9,3 Prozent) und neuerdings auch das Segment Holz und Bauelemente (plus 8,8 Prozent). Eine Sonderkonjunktur erfuhr der Bereich Tiefbau und Galabau im September dank sommerlichen Klimas und schaffte mehr als 13 Prozent Plus gegenüber dem Vorjahresmonat.
So ist es aber gerade der Bereich Holz, der sukzessive wächst. Werden alle im Holzhandel relevanten Holzprodukte und Bauelemente der Kooperation zusammengefasst, erreichte Eurobaustoff allein im ersten Halbjahr 2016 eine Steigerung des Einkaufsvolumens von über 10 Prozent. Spitzenreiter bei den Holzprodukten im 1. Halbjahr war die Hobelware einschließlich Konstruktionsholz mit einem Plus von 17 Prozent, gefolgt von Boden/Wand/Decke (plus 14 Prozent), Bauelemente und Dachfenster (plus 10 Prozent), Plattenwerkstoffe und Schnittholz (jeweils plus 9 Prozent) sowie Holz im Garten (plus 8 Prozent). Ein entscheidender Umsatzträger ist mittlerweile auch das Tischler- und Schreiner-Handwerk, das sich mehr und mehr zum kreativen Innenausbauer entwickelt und von den Holzprofis der Eurobaustoff ebenfalls gezielt angesprochen wird. Moderne Ausstellungen für Bauelemente und Boden/Wand/Decke im Baufachhandel geben dem Handwerk ebenso Hilfestellung wie die von der Kooperation neu aufgelegten Schulungs- und Marketingmaßnahmen.
Den Bereich Boden/Wand/Decke gab es bei der Kooperation seit jeher. »Wir sind bislang nur nicht diesbezüglich wahrgenommen worden«, so Jürgen Bentz. »Die Hälfte der Gesellschafter ist auf jeden Fall im Bodenbereich mit einem Grundsortiment vorhanden. In welcher Größenordnung, ist schwierig zu sagen. Aber es gibt sehr starke Gesellschafter in diesem Sektor. Je stärker wir auf dem Markt wahrgenommen werden, desto mehr Lieferanten klopfen an unsere Tür. Wir arbeiten mit fast allen maßgeblichen Herstellern aus dem Hartbodenbereich zusammen. Wir haben eine Kooperationsquote im Bodenbereich von gut 90 Prozent.« Dazu gehört auch der entsprechende Zubehörbereich aus Leisten und Profilen.
Thomas Ottaviano

