02.04.2023 | Allgemein Seite 22-27 in Ausgabe 3/2023

»EuroShop 2023«: Der Handel investiert – allen Herausforderungen zum Trotz

Die »EuroShop 2023«, weltgrößte Fachmesse für den Investitionsbedarf des Handels, ist nach fünf Tagen am 2. März in Düsseldorf erfolgreich zu Ende gegangen. »Gerade angesichts der aktuellen Herausforderungen für den Handel sind wir sehr erfreut, dass die ›EuroShop‹ ihrer Funktion als Weltleitmesse, die Orientierung bietet, wieder gerecht wurde«, zeigt sich Erhard Wienkamp, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf, hoch zufrieden und ergänzt: »Ein großes Kompliment gebührt unseren Ausstellern. Sie waren mit ihrer Innovationskraft wieder einmal der Magnet für die gesamte Branche.«

Die »EuroShop« bot auch in diesem Jahr alles, was heutigen Kundenwünschen entspricht. Die Zahl der ausstellenden Boden­belagshersteller war diesmal jedoch überschaubar. Woran das lag, kann man nur mutmaßen: War eine Ursache das Abwarten, was die Zukunft des Laden­baus in Zeiten wachsenden Onlinehandels, gebremsten Investierens und zurückhaltenden Konsum­ver­haltens für die Bodenbelagsbranche bringt? Doch gerade in diesen unsicheren Zeiten wollten die Menschen in den persönlichen Austausch. Dies zeigen die mehr als 81 000 internationalen Fachbesucher (2020: rund 94 000), die nach drei Jahren »EuroShop«-­Abstinenz aus allen fünf Kontinenten wieder an den Rhein gekommen waren – sehr zur Freude der 1830 Aussteller (2020: 2292) aus 55 Nationen.
Nach einem eher ruhigen Sonntag berichteten diese laut einer Messe-Umfrage »übereinstimmend von außer­ordent­lich guten Kontakten und einer deutlichen Investitionsbereitschaft der Fachbesucher«. Der Besucheranteil aus dem Einzelhandel konnte um 9 Prozent auf über 50 Prozent gesteigert werden. Die Aussteller lobten zudem die hohe Internationalität. So reisten 68 Prozent des »EuroShop«-Publikums aus dem Ausland an. Besonders erfreulich war hierbei der Besucherzuwachs aus Südostasien, Afrika und Nordamerika. Insgesamt kamen Fachbesucher aus 141 Ländern zur »EuroShop 2023«, darunter auch aus so weit entfernten Regionen wie Brasilien, Australien und Neuseeland.

Digitalisierung nimmt weiter an Fahrt auf
Nach wie vor lieben es viele Kunden, in stationären Geschäften in Erlebnis­welten einzutauchen und emotional angesprochen zu werden. Andererseits wollen sie aber auf den Komfort, die Schnelligkeit und den hohen Grad an Personalisierung des Online-Shoppings nicht verzichten. Entsprechend hat die Digitalisierung in nahezu allen Bereichen des Handels enorm an Fahrt aufgenommen. Diese Transformation spiegelte die »EuroShop« deutlich wider. Schlagworte wie etwa »Smart Shopping«, »Connected Retail«, »Seamless Shopping« oder »Customer Centricity« waren an vielen Messeständen gegenwärtig.
Das Thema Nachhaltigkeit zog sich ebenfalls wie ein roter Faden durch alle Bereiche der diesjährigen »EuroShop«. Viele Aussteller zeigten, dass eine nachhaltige Store-Einrichtung reichlich Stoff für Storytelling bietet – von innovativen, biologisch ab­bau­baren Ladenbaumaterialien bis hin zu Schaufensterfiguren aus Ocean-Waste-basierten Rohstoffen. Darüber hinaus stand das Thema Energiesparen ins­besondere im Kühlmöbelbereich und bei der Shopbeleuchtung im Vordergrund. Hohen Zuspruch fand nicht zuletzt das Rahmenprogramm der Messe mit praxisbezogenen Vorträgen und Best-Practice-Beiträgen auf sieben Stages, zahlreichen Specials und renommierten Awards.
Michael Gerling, Vorsitzender des »EuroShop«-Beirats und Geschäftsführer des EHI Retail Institute, resümiert: »Die ›EuroShop‹ war wieder eine Quelle der Inspiration und hat ihre Bedeutung als internationale Leitmesse eindrucksvoll unterstrichen. Nach drei schweren Jahren stehen im Handel für die Zukunftsthemen Digi­talisierung, Energie-Management und Nachhaltigkeit wichtige Investitionen an.« 

dLv: Es wird bunt
Der Deutsche Ladenbau Verband (dLv) präsentierte auf der »EuroShop« die nunmehr zehnte Ausgabe seines beliebten »StoreBooks«. Insgesamt haben es 58 farbenfrohe Stores aus unter­schied­lichsten Branchen und Ländern in die Jubiläumsausgabe geschafft. Wie Angela Krause, Leiterin der Geschäftsstelle, erklärte, reicht der Branchenmix diesmal von A wie Apotheke bis Z wie Zweiradladen. »Der Trend ist sehr bunt und lebensfroh geworden. Das sieht man schon auf dem Umschlag der diesjährigen Ausgabe.« Und tatsächlich: Das knallige Cover in leuchtendem Pink, Lila und Gelb springt ins Auge. »Dass es sich bei diesem Store zufällig um einen Laden aus der Ukraine handelt, hat uns gefreut. Es war aber auch einfach das beste ­Cover.« Vertreten sind erstmals auch Läden aus Chile und dem Kosovo. Krause: »Das sind Länder, wo man vielleicht denkt, dass da gar nicht so viel stattfindet. Aber es ist toll, was da passiert.« Weitere Highlights sind für sie unkonventionelle Läden wie etwa ein kleines Labor in Hiroshima, das Papierschmuck verkauft, oder der kleine Eier-Showroom eines Bauers in der ita­lie­nischen Region Friaul. Vertreten sind außerdem ganz klassisch die großen Modehäuser – aber auch neue Branchen und Dienstleister wie etwa eine Bank in Basel, die zusätzlich einen Delikatessenladen anbietet, der abends zur Bar umfunktioniert wird. »Banken und Versicherungen werden zunehmend wie Lounges gestaltet, denn auch die wollen am Ende etwas verkaufen. Das haben sie verstanden und investieren entsprechend immer mehr in die Ausstattung«, weiß die Geschäftsstellenleiterin. »Quintessenz des ›StoreBooks‹ ist für mich deshalb, dass der Bereich Retail inzwischen breit aufgestellt ist.« 

Egger: OSB-Platten als Wandpaneele
Gerade erst wäre wieder ein Ladenbauer dagewesen und hätte erstaunt gefragt, aus welchem Material denn dieses coole Produkt sei, erzählte Frank Thiesmann, Marketingleiter DACH, am Egger-Stand auf der »EuroShop«. »Und das, obwohl der sich von Berufs wegen ja eigentlich mit Ma­te­rialien auskennt.« »DecoWall« heißt das neue »coole Produkt«, bei dem es sich um digital bedruckte OSB-Platten als Wandpaneele für den Innenbereich handelt. So simpel, so einfach und mit allen Vorteilen, die das ursprüngliche Baumaterial mit sich bringt: Schrauben können ohne Ausreißen eingedreht, Lichtschalter, Steckdosen und Leuchten einfach und sauber integriert sowie die Paneele unkompliziert ausgetauscht und dank des umlaufenden Nut-und-Feder-Profils fugenlos angebracht werden. Durch die Stabilität des Materials können die Wandpaneele zudem schweres Gewicht tragen, optimal beispielsweise für die Mon­tage von Fernsehern oder Regalen. »DecoWall« ist als Holzprodukt da­rüber hinaus eine umweltschonende Alternative zu anderen Wandverkleidungen. Nicht zuletzt erzeugt die Struktur der bedruckten OSB-Platten und der naturgetreue Digitaldruck eine authentisch anmutende Optik und Haptik. Auf der »EuroShop« wurden nun die ersten drei Designs in Fichte, Eiche und Beton präsentiert. Weitere Optiken in Schiefer und Backstein werden ab Mai das Angebot erweitern. Thiesmann freute sich: »Man könnte das Produkt jetzt noch weiter beschichten und so für den Boden nutzbar machen. Das müssen wir sondieren. Bisher ist das Feedback jedenfalls fantastisch! Unsere Fläche ist voll, wir haben viel zu tun und keine Minute Pause gemacht. Das Wichtigste ist für uns vor allem, dass hier die Zielgruppe kommt, die wir erreichen wollten.«

JAB Anstoetz: Moderne Holz- und Steinoptiken
Auf der Messe in Düsseldorf zeigte der Markenhersteller JAB Anstoetz unter anderem Outdoor-Teppiche und handgetuftete Teppiche für Objektbereiche wie Laden und Hotellerie. Ausgestellt wurde auch die neue Kollektion »Design Floor LVT 40« mit 0,40 mm Nutzschicht, die dekorgleich als Klebe- und Klick-Variante erhältlich ist. Der strapazierfähige Bodenbelag eignet sich nicht nur für den Wohnbereich, sondern ebenso für Geschäftsräume oder Restaurants. Zudem sind die strukturierten Oberflächen speziell auf das jeweilige Dessin abgestimmt, wodurch die modernen Holz- und Steindekore authentisch wirken und gleichzeitig eine naturnahe Haptik bieten. Karin Christina Schulz, Showroom-Leiterin JAB Anstoetz, über den Messeverlauf: »Sonntag war die Frequenz nicht so hoch, aber an den restlichen Tagen ­waren wir sehr gut besucht. Wir sind also sehr zufrieden.«

Fotoboden: Ein Boden wie ein Plakat
»Unser ›Fotoboden‹ lässt sich gestalten wie ein gigantisches Plakat. Dabei sind den Größen keine Grenzen gesetzt. Theoretisch könnten wir sogar ein ganzes Fußballfeld mit einer riesigen Grafik ausstatten – wir fangen aber schon bei kleinen Werbeflächen von 1 x 1 Meter an«, erzählte Mischa-Ron Ferenschild-Bätzel, Art Director bei Visuals United AG. Dafür hält das Unternehmen keine Kollektionsware auf Lager, vielmehr wird jedes Kundenprojekt individuell gestaltet, digital bedruckt und an die Begebenheiten vor Ort angepasst. Erhältlich ist der »Fotoboden« in zwei Qualitäten: als Promotion-Qualität für den temporären Gebrauch sowie als Objekt-Qualität für den Einsatz etwa in Kindergärten, Schulen und Hotels mit 20 Jahren Garan­tie. Ferenschild-Bätzel weiter: »Man spürt schon, dass es weniger Besucher und Aussteller als 2020 sind. Aber nichtsdestotrotz sind wir überglücklich mit der kleinen Welt, die wir hier an unserem Stand aufgebaut haben. Gerade weil unser Produkt so indivi­duell ist, haben wir uns in der Konzeption mal so richtig ausgetobt, um den Kunden zu zeigen, was alles möglich ist.«

Carl Prinz: Neue Oberflächen für Profilsysteme
»Der Bodenbelag klettert die Wand hoch. Gerade im Laden- und Messebau werden dadurch immer öfter Akzente an den Wänden gesetzt«, weiß Norbert Lauhöfer, Objektleiter bei Prinz. Nachteil ist dabei jedoch meistens eine scharfe Kante nach dem Schnitt. Diese kann mit den Profilsystemen von Prinz nicht nur sauber abgeschlossen, sondern zugleich aufgrund der neuen Oberflächen modisch hervorgehoben werden. Auf bestehende Systeme umgesetzt, umfasst das Portfolio neben farbigen Varianten beispielsweise schwarz gepulverte, gebürstete und glatte Oberflächen. Zudem gibt es Varianten aus Aluminium, für Treppenkanten sowie mit LED-Beleuchtung.
Insgesamt freute sich das Prinz-Team über eine gute Frequenz am Stand. Vor allem aber würden sie auf der »EuroShop« mit den Wandprofilen eine ganz neue Zielgruppe erreichen. Lauhöfer: »Den Trockenbauer oder Maler kannten wir bisher im Grunde gar nicht. Diese Gruppe anzusprechen wird auch unser Ziel auf der ›BAU‹ in München sein.«

Gerflor: Für die schnelle Sanierung
Das Hauptaugenmerk am Stand von Gerflor lag auf den lose verlegbaren »GTI MAX Connect«-Fliesen speziell für den Einsatz in Supermärkten und im klassischen Ladenbau. Die groß­formatigen Fliesen sind dank ihres Schwalbenschwanzprofils einfach, schnell und ohne besondere Werk­zeuge verlegbar. Zudem benötigen sie meist keine Untergrundvorbereitung, sodass Ausfallzeiten vermieden werden. Der robuste Bodenbelag ist in 23 Farben erhältlich, die zur Abgrenzung unterschiedlicher Bereiche und für Leitsysteme kom­biniert werden können. Außerdem wurde die her­kömm­liche »Reiskorn«-Oberflächenprägung um sieben wei­tere Dessins mit neuer Beton-Ober­flächen­prägung erweitert. Am Gerflor-Stand freute man sich über zahlreiches und internationales Publikum. Raffaele Bogatz, Verkaufsleiter Retail: »Die Messe wird sehr gut angenommen. Man merkt einfach, dass die Leute wieder raus möchten und wissbegierig sind. Diesmal sind wir noch mit einer kleinen Standfläche vertreten, aber ich bin guter Dinge, dass wir auf der nächsten ›EuroShop‹ wieder deutlich größer auftreten werden.« 

COREtec: Alternative zur keramischen Fliese
COREtec hatte sich für seinen Auftritt auf der »EuroShop« auf zwei seiner Top-Produkte fokussiert. Da wäre ­zunächst der modulare Bodenbelag »CERAtouch«, der in Ladenbau und Handel als Alternative zur keramischen Fliese eingesetzt werden kann. Er weist die Optik und Haptik einer Keramikfliese auf und ist mit einer schützenden, kratz- und stoßfesten thermoplastischen Deckschicht ausgerüstet. Die Module werden schwimmend verlegt, gleichen leichte Unebenheiten des Untergrundes aus und können unmittelbar nach der Verlegung betreten werden. Zudem ist das Verlegen durch das Klicksystem einfach und schnell umsetzbar. Die Kollektion besteht aus zehn unterschiedlichen Steinoptiken und ist als Fliese und Planke erhältlich. Des Weiteren wurde in Düsseldorf die »XL-END«-Kollektion für den Einsatz in gehobenen Bereichen wie Hotellerie und Gastronomie gezeigt: Die 2,10 m langen und 15 mm dicken Dielen sind 100 Prozent wasserfest und verbessern die Raumakustik deutlich. Mit einer Nutzschicht von 0,8 mm punkten die Böden zusätzlich in Sachen Abrieb- und Schlagfestigkeit. Karl-Heinz Hausberg, Vertriebsleiter DACH und Italien bei COREtec Floors, der Europa-Tochter des US-amerikanischen Design­boden-Spezialisten USFloors: »Bisher laufen Projekte mit unseren Boden­belägen in Hotels, Restaurants und Boutiquen eher über den Handel. Wir selber sind bisher noch gar nicht so richtig im Objektgeschäft unterwegs und wollen uns hier auf der ›EuroShop‹ einfach mal dem Markt präsentieren.«

Emco: Funktionalität bewahren
Kernthema auf der »EuroShop« war bei Emco natürlich ihr Hauptbusiness Eingangsmattensysteme. Mit »ReFit« sollte jedoch noch ein weiteres Thema erstmalig einem breiten Publikum vorgestellt werden. Der neue Service befindet sich noch im Aufbau, soll sukzessive ausgebaut werden und zukünftig ein eigenes Geschäftsfeld erschließen mit dem Ziel, die dauerhafte Nutzung der hochwertigen Eingangsmattensysteme zu gewährleisten. Jörg Harbecke, Geschäftsführer Emco Bautechnik, erklärt: »Ich sage immer: Nur weil der Reifen abgelaufen ist, schmeiß ich doch nicht die Alufelge weg. Und so ist das auch bei uns: Nur weil die Textil­einlage abgelaufen ist, schmeiß ich doch nicht das Aluminiumprofil weg.« Denn sind die Textileinlagen bis zum Aluminiumprofil abgelaufen, kann es zu Rutschgefahr kommen. Zu viel angesammelter Schmutz in den Textileinlagen kann wiederum die Funktionalität der Eingangsmattensysteme beeinträchtigen, sodass Schmutz nicht mehr ausreichend aufgenommen und ins Gebäude getragen wird. Beim Service »ReFit« handelt es sich also – ganz nachhaltig – um eine Aufbereitung bzw. Erneuerung des Produkts. Har­becke: »Wir wollen für den Kunden da sein, wo er uns im Lebenszyklus eines Sauberlaufs gerade braucht. Sind die Textileinlagen verschmutzt, dann reinigen wir sie, und wenn sie abgelaufen sind, dann tauschen wir sie aus. Das wollen wir jetzt immer stärker ver­mitteln – und wenn nicht hier auf der ›EuroShop‹, wo dann?«

Henrike Sühling

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