»FAF«: Gelungenes Wiedersehen
»Die Besucher sind in einer sehr schönen Dynamik drin, informieren sich und stehen super im Austausch. Es ist eine echte Freude zu sehen, dass das ›Familientreffen‹ endlich wieder stattfindet«, jubelte »FAF«-Messeleiterin Bettina Reiter von der Gesellschaft für Handwerksmessen (GHM) bei einem Gespräch mit der Redaktion OBJEKT. Die sogenannte »Familie« hatte nach fünf Jahren Pause wieder neuen Nachwuchs bekommen und für viele Besucher war es daher die erste »FAF« überhaupt. Entsprechend tummelten sich auf der Messe in Köln neben »alten Hasen« auch viele junge Leute aus dem kreativen Handwerk in den Gängen der Hallen 7 und 8. Außer der Vorstellung neuer Produkte und Innovationen trafen sie hier auf ein Rahmenprogramm, das besonders für den Nachwuchs spannende Ein- und Ausblicke bot.
Die jungen Leute seien »super-excited bis in die Haarspitzen«, freute sich Reiter. »Zum einen darüber, was es hier alles zu sehen gibt, zum anderen über die Möglichkeit, die Industriepartner – mit deren Produkten sie täglich arbeiten – persönlich zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das ist vor allem für den Branchen-Nachwuchs ein echtes Faszinosum.« Besonders begeisterte die Messeleiterin aber die allseits spürbar positive Stimmung in den Gängen: »In den Gesprächen hat man nie das Gefühl, dass es um Stillstand geht, wie wir es ja so oft in den Medien hören. Stattdessen ist die Atmosphäre hier nur nach vorne gerichtet. Das ist super – auch für uns als Messe-Team.« Gesammelte Besucherstimmen wie »Einfach hervorragend«, »Coole Messe, coole Leute, coole Stimmung«, »Super gelungene Messe« oder »Hat mega Spaß gemacht« spiegeln diesen Eindruck wider. »Im Umkehrschluss strengen sich die Aussteller hier aber auch wirklich an, um sich vor allem auch für den Nachwuchs attraktiv zu machen. Das ist mit ein Grund dafür, dass so viele junge Leute kommen«, ergänzte Bernd Degner, Pressesprecher der GHM.
Gute Noten
Insgesamt waren 34 000 Besucher aus 18 Ländern – davon 56 Prozent Entscheider – Ende April dem Ruf in die Dom-Stadt gefolgt, um an vier Messetagen die Produktneuheiten von 305 Ausstellern aus 24 Ländern zu sehen, sie anzufassen, auszuprobieren und sich live vorführen zu lassen. Präsentiert wurde ihnen dabei die gesamte Bandbreite des Handwerks: beginnend bei Farben und Lacken über Akustikbaustoffe, Beschichtungen, Tapeten, Heimtextilien und Bodenbeläge bis hin zu Innendämm- und Trockenbaustoffen. Die Begeisterung wurde auch seitens der Aussteller geteilt: So waren 93 Prozent mit der fachlichen Qualifikation und Kompetenz der Besucher an ihrem Stand zufrieden, 86 Prozent der Aussteller fanden, dass ihre Teilnahme an der »FAF 2024« insgesamt erfolgreich war.
In engem Schulterschluss mit Industrievertretern sowie den beiden ideellen Trägern, dem Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz und dem Bundesverband Ausbau und Fassade, hatte das GHM-Messeteam zudem neue Formate und Sonderflächen zur »FAF« entwickelt. Diese drehten sich um die Fokusthemen Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Personalmanagement, Fassade von morgen, Marke & Marketing sowie Design und trugen ebenfalls zur positiv geladenen Messeatmosphäre bei. Auch hierfür wurden durchweg gute Noten vergeben: Die Sonderfläche »FAF Farbwerte« und die »FAF Social-Media-Sprechstunde« wurden von 93 Prozent der Besucher positiv bewertet, die »FAF Werkstatt powered by Mega Gruppe« und das »FAF Forum« erhielten 90 Prozent, dicht gefolgt von der »FAF Start-Up Area« mit 87 Prozent. Und weil es für alle so schön war, gab die Messeleiterin bereits während der laufenden Messe Planungssicherheit für die nächste »FAF«. Diese wird vom 24. bis 27. März 2026 wieder auf dem Messegelände in Köln stattfinden.
Die Sonderflächen im Überblick
Die Sonderfläche »FAF Farbwerte« (siehe OBJEKT 3/2024, Seite 7) rückte Themen wie Haltung, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit von Farbe in den Vordergrund. Zudem spielten andere gesellschaftlich und kulturell relevante Werte eine Rolle, die sich über Farbgestaltung ausdrücken lassen. Um an der Vergabe des erstmals ausgelobten »FAF Farbwerte Award« teilzunehmen, waren die Messe-Aussteller im Vorfeld dazu eingeladen, Musterplatten mit ihren eigenen Oberflächentechniken zu gestalten. Im Anschluss an die Gewinner-Kürung wurden die eingereichten Award-Muster dann als Materialschau am »FAF Farbwerte«-Stand ausgestellt und boten den teilnehmenden Ausstellern so eine weitere Möglichkeit, sich zu präsentieren. In der »Social-Media-Sprechstunde« beantworteten derweil bekannte Influencer wie Malermeister Andy Hansen oder Malermeisterin Jessica Jörges ihren Handwerkskollegen Fragen rund um ihren Social-Media-Auftritt.
Auch im »FAF Forum« fand Wissenstransfer statt: Aussteller, Branchenexperten und Handwerker referierten, diskutierten und erklärten dort praxisnah in Pitches, Einzelvorträgen und Panel-Diskussionen zu Themen, die die Branche interessieren. Die »FAF Werkstatt powered by Mega Gruppe« bot den Messe-Ausstellern wiederum auf rund 400 m² die Möglichkeit, ihre Produkte live vorzuführen und von Handwerkern auf ihre Alltagtauglichkeit testen zu lassen. Die Sonderfläche diente dabei gewissermaßen als »Satellit« über den eigenen Stand hinaus, um mit interessierten Besuchern in den Austausch zu gehen. Auf der »FAF Start-Up Area« wurde schließlich den Branchen-Newcomern eine Bühne geboten. Insgesamt präsentierten dort sieben aufstrebende Unternehmen ihre Ideen und Lösungen für den Handwerker-Alltag.
Blick in die Zukunft
Auf den Ständen der beiden Trägerverbände sowie im »FAF Forum« und der »FAF Werkstatt« fanden darüber hinaus die »FAF Nachwuchstage« statt. Speziell auf die Jugend zugeschnitten diskutierte der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz zum Thema »Perspektive Weiterbildung – Karriere im Maler- und Lackiererhandwerk«. Ein weiteres Highlight war der »Speed-Wettbewerb der Maler«, bei dem das Maler-Nationalteam innerhalb von einer Stunde ein Muster maßgenau auf eine Fläche übertragen und auslegen musste. Die Veranstaltung war nicht nur ein Zuschauererfolg, sondern für das junge Nationalteam auch ein wichtiger Bestandteil in der Vorbereitung auf internationale Wettbewerbe wie die »World-« und »EuroSkills«. Auch am Stand hatte der Bundesverband die Zukunft fest im Blick: Vorgestellt wurden hier die Ergebnisse seiner Delphi-Studie »Malerhandwerk 2040« (mehr dazu auf Seite 36), die von neun Fach- und Meisterschulen kreativ aufbereitet und umgesetzt wurden. Zusätzlich präsentierte der Verband 42 zentrale Thesen in Form von Illustrationen und Videos, die zu zwei Szenarien verdichtet wurden. Während das »Rückenwind-Szenario« zeigte, was möglich ist, wenn sich das Maler-Handwerk optimal auf die Zukunftsweichen einstellt, gab das »Gegenwind-Szenario« einen Ausblick darauf, was passieren kann, wenn es sich nicht produktiv mit den Themen der Zukunft auseinandersetzt. »Wir wollen hier am Stand zeigen, wie das Maler-Handwerk selbst die eigene Zukunft einschätzt«, erklärte Hauptgeschäftsführer Mathias Bucksteeg. »Ein interessantes Ergebnis der Studie ist etwa, dass im Maler-Handwerk ein ziemlicher Zukunftsoptimismus herrscht und sich viele vor allem im Bereich Digitalisierung noch ganz viel vorstellen können.« Seit April können die Ergebnisse des Zukunfts-dialogs auf der Website des Bundesverbandes weiter diskutiert werden. Diese Diskussion sei unglaublich wichtig, führte Bucksteeg weiter aus. »Denn wenn wir es einfach so weiterlaufen lassen, dann läuft es irgendwann möglicherweise gegen uns.«
Die Jugend im Fokus
»100 Jahre – Innovation trifft Tradition«: Mit diesem Slogan feierte der Bundesverband Ausbau und Fassade sein rundes Jubiläum am Stand. Von altem Muff herrschte dort allerdings keine Spur. Vielmehr legte auch die Interessenvertretung der Stuckateure seinen Fokus auf die Jugend und richtete als viertägige Dauerattraktion den Ausscheidungswettkampf des Nationalteams der Stuckateure für die »WorldSkills 2024« in Lyon/Frankreich. Man wolle damit zeigen, was das Berufsfeld Stuckateur beinhaltet, Spaß daran wecken und natürlich präsentieren, was die jungen Leute so draufhaben, erläuterte Geschäftsführer Carsten Zocher. Weiterhin wurde der »Next Generation Day« veranstaltet, der ganz im Zeichen der Nachwuchsgewinnung und -förderung stand. Berufsschüler konnten sich über das Stuckateurhandwerk informieren lassen; junge Kollegen erzählten ihnen, warum das Handwerk sie fasziniert und welche Möglichkeiten sich bieten. Zudem fand eine Fragen-Rallye statt und Keynote Speaker Joey Kelly hielt einen Vortrag darüber, wie man seine Ziele mit Selbstdisziplin erreichen kann. Bei einer Podiumsdiskussion gingen schließlich Jung und Alt in den Austausch. Erörtert wurde, was aus Sicht der älteren Generation wichtig ist, aber auch, wo für die jüngere Generation der Fokus liegt. Zocher war sich sicher: »Es funktioniert nur zusammen und nicht gegeneinander!« Diese Losung schien jedenfalls auf der »FAF 2024« schon mal aufgegangen zu sein!

