FHR: Akustikoptimierung im Bildungszentrum
In Zeiten von Hybridarbeit, Online-Meetings und wachsender digitaler Vernetzung rückt die akustische Qualität von Innenräumen zunehmend in den Fokus – nicht nur in Büros, sondern auch in Bildungseinrichtungen. Ein Unternehmen für Umschulung, Fort- und Weiterbildung stellte sich dieser Herausforderung und entschloss sich zu einer umfassenden Modernisierung und akustischen Optimierung mehrerer zentraler Räumlichkeiten. Mit seinem Anliegen wandte es sich an das Unternehmen Heimdecor Wiesenbart aus Altötting, das neben einer ansprechenden Raumgestaltung vor allem für die Verbesserung der Sprachverständlichkeit und Aufenthaltsqualität sorgte.
Im Rahmen einer umfassenden Modernisierung plante das Bildungszentrum die Neugestaltung seiner Besprechungsräume, Aufenthaltsbereiche, Schulungsräume sowie Durchgangsflächen, die gleichzeitig als Pausenbereiche genutzt werden. Das Ziel war klar: akustische Rahmenbedingungen schaffen, die Ruhe, Konzentration und Kommunikation gleichermaßen fördern – kombiniert mit einer modernen und einladenden Gestaltung.
Von der Idee zum Konzept
Im Beratungsgespräch wurden zunächst die gestalterischen Vorstellungen des Kunden definiert. Dieser hatte bereits konkrete Ideen für die Raumaufteilung sowie die Materialwahl der Böden, Möblierung und Vorhänge; außerdem zeigte er sich offen für akustisch wirksame Ergänzungen. Gemeinsam mit Wiesenbart wurde ein abgestimmtes Konzept entwickelt, das sowohl technische als auch ästhetische Anforderungen berücksichtigte – einschließlich einer Farbgebung, die sich am Firmenlogo orientierte. Erste favorisierte Maßnahmen waren Schiebewände mit integrierter akustischer Wirkung für die Raumaufteilung, Wand- und Deckenabsorber sowie mobile Absorber für den gezielten Einsatz.
Messung und Analyse
Für eine fundierte Einschätzung der Ausgangssituation erfolgte eine ausführliche raumakustische Messung vor Ort. Dabei kam eine hochwertige Messausrüstung – bestehend aus Mikrofon, Schallquelle und Akulap-Messsystem – zum Einsatz, die im Rahmen der Kooperation Wiesenbarts mit dem FHR bezogen wurde. Die Messergebnisse wurden anschließend in den FHR-Raumakustikplaner übertragen, um dort mit einer ganzheitlichen und kundenorientierten Planung zu starten. Zusätzlich wurden die Räumlichkeiten mit einem Lasermessgerät präzise vermessen. Der Besprechungsraum wurde im Rohzustand analysiert und nach Einbau der geplanten Modernisierungen – Böden, Möblierung, Raumtrenner – erneut überprüft.
Das Ergebnis: Überwiegend harte, schallreflektierende Oberflächen wie Fliesen, Betonwände und Glasflächen führten zu Nachhallzeiten deutlich über 1,2 Sekunden. Insbesondere in den Schulungsräumen wirkte sich dies negativ auf die Sprachverständlichkeit aus. In den Durchgangsbereichen verstärkten Flatterechos die Geräuschkulisse zusätzlich.
Technische Grundlagen und Regelwerke
Nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik sind Grenzwerte für Lärmpegel, Nachhallzeiten und Pegelabfälle einzuhalten – abhängig von Raumgeometrie und Nutzungsart. Maßgeblich sind:
- DIN 18041 (03-2016) »Hörsamkeit in Räumen« – Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise für die Planung
- ASR A3.7 »Lärm« (03-2021) – konkretisiert die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung zur Reduzierung von Schalldruckpegeln
- VDI 2569 (10-2019) »Schallschutz und akustische Gestaltung in Büros«
Werden diese Vorgaben nicht erfüllt, liegt ein Planungsfehler vor, der Handlungsbedarf begründet. Besonders wirtschaftlich und ästhetisch lassen sich die Anforderungen umsetzen, wenn sie bereits frühzeitig in die Entwurfsplanung einfließen. Gute Raumakustik ist damit kein Luxus, sondern ein grundlegender Bestandteil qualitätsvoller Architektur.
Planung zahlt sich aus
Die Erfahrung zeigt: Je früher akustische Aspekte berücksichtigt werden, desto kostengünstiger ist ihre Umsetzung. Die DIN 18041 betont, dass raumakustische Belange bereits in die Grundlagenermittlung und Entwurfsplanung einfließen sollen. Auf diese Weise können konkurrierende Anforderungen – etwa aus Klima- oder Haustechnik – bestmöglich abgestimmt werden.
Auch die Zonierung von Flächen spielt eine wichtige Rolle. Die VDI 2569 empfiehlt, unterschiedliche Nutzungen in Mehrpersonenbüros akustisch zu trennen. So lassen sich kleinere Raumeinheiten bilden, die gezielt auf die jeweilige Nutzung eingestellt werden können. So können Mindestanforderungen für einen gesunden Arbeitsplatz (abgeleitet aus der ASR A3.7 »Lärm«) eingehalten werden.
Umsetzung und Ergebnis
Auf Grundlage der Analyse entstand ein vollständiges Akustikkonzept. Dieses ermöglichte eine präzise Berechnung des notwendigen Absorptionsgrades – abhängig von Raumvolumen, Nutzungszweck und den gewünschten Zielwerten nach DIN 18041. Gemeinsam mit dem Kunden wurden Akustikelemente ausgewählt, die sowohl funktional als auch optisch überzeugten. Die Installation erfolgte innerhalb weniger Tage durch das spezialisierte Montageteam von Wiesenbart, wobei eine schnelle, staubarme Umsetzung im laufenden Betrieb gewährleistet wurde.
Das Ergebnis: Die Nachhallzeit konnte im Durchschnitt halbiert werden, im Besprechungsraum sank diese sogar auf 0,5 Sekunden. Die deutlich verbesserte Sprachverständlichkeit und das ruhigere Klangbild führten zu durchweg positiven Rückmeldungen seitens der Teilnehmer und Dozenten. Auch die Erwartungen des Auftraggebers wurden voll erfüllt. Die neu gewonnene Ruhe und Klarheit im akustischen Umfeld fördern nun Konzentration und Lernbereitschaft maßgeblich. Aufgrund des Erfolgs wurde die Maßnahme bereits auf weitere Räumlichkeiten ausgeweitet – ein klares Zeichen dafür, welchen Wert gute Raumakustik hat, wenn sie von Beginn an in die Planung integriert wird.




