Flooright: Farbveränderungen/Fleckenbildungen an Laminatböden im Wohnbereich
In einem größeren Wohnbauvorhaben – bezogen auf die Renovierung / den Umbau von mehreren Wohneinheiten bzw. Häusern/Wohnbauten – wurden Laminatböden schwimmend (lose) auf einer Unterlage verlegt. Im Rahmen der Nutzung kam es in unterschiedlichen, jedoch mehreren Wohneinheiten zu Farbveränderungen/Fleckenbildungen der Laminatböden. Die Anzahl der betroffenen Flächen/Wohneinheiten war nicht unerheblich und es kamen regelmäßig neue Schadensmeldungen hinzu. Angabegemäß konnten Lage und Größe der Flecken keiner konkreten Ursache (Feuchtigkeitseinwirkung, UV-Licht-Einwirkung, Frequentierung etc.) zugeordnet werden.
Aus diesem Grund wurde das iff – Institut für Fußbodenbau beauftragt, die Laminatböden bezogen auf die Farbverände rungen/Fleckenbildungen zu überprüfen und über die hierbei festgestellten Sachverhalte eine gutachterliche Stellungnahme zu erstatten.
Feststellungen in einer überprüften Wohneinheit
In dieser leerstehenden Wohneinheit wurde der Laminatboden angabegemäß seit etwa dreieinhalb Jahren benutzt. Es wurde, wie in allen anderen Wohnungen/Wohnbauten, das gleiche Dessin des Laminatbodens verlegt/eingebaut. Bezogen auf das gesamte Wohnbauprojekt wurden jedoch unterschiedliche Chargen/Anfertigungen verwendet.
Der Laminatboden in dieser leerstehenden Wohneinheit zeigte auffällige Farbveränderungen/Fleckenbildungen, welche rein optisch und entsprechend der Lage sowie Größe keiner konkreten Ursache zugeordnet werden konnten.
Die Bilder 1 und 2 zeigen diese auffälligen und großformatigen Farbveränderungen/Fleckenbildungen ähnlich einer »milchigen« Oberfläche im Durchgang zum Wohnraum vor der Küchenzeile. Die Bilder 3 und 4 zeigen vergleichbare, aber kleinerformatige Flecken vor den Wänden/Sockelleisten. Eine Überprüfung der verwendeten Unterlage im Bereich der Verfärbungen zeigte keinerlei Hinweise auf Migrationen aus dem Untergrund (vergleiche Bilder 5 bis 8).
Die Unterlage zeigt in den Wandbereichen mit deutlichen Verfärbungen/Fleckenbildungen des Laminatbodens keinerlei Beeinträchtigungen oder Hinweise auf Verfärbungen aus dem Untergrund, wie ergänzend die Bilder 9 und 10 belegen.
In der gesamten Wohnung waren Fleckenbildungen/Farbveränderungen in variierender Größe und Intensität feststellbar, sowohl in den Wand-/Randbereichen als auch in der Fläche (siehe beispielhaft Bilder 11 bis 18).
In den unteren Wandbereichen waren keine Hinweise für ein erhöhtes Feuchtigkeitspotenzial oder eine Feuchtigkeitseinwirkung feststellbar (siehe beispielhaft abschließendes Bild 19).
Ergänzende labortechnische Prüfmaßnahmen
Dem iff – Institut für Fußbodenbau wurden verschiedene Materialproben des Laminatbodens mit Verfärbungen/Flecken aus variierenden Flächenbereichen/Wohnungen für weitere, labortechnische Prüfmaßnahmen übergeben. Alle Proben waren rückseitig beschriftet und konnten entsprechend zugeordnet werden. Außerdem wurde eine »unverlegte« Materialprobe übergeben, offensichtlich aus einer Nachlieferung.
Drei der aus unterschiedlichen Wohnungen entnommenen und mit Flecken behafteten Proben sowie die unverlegte Materialprobe wurden ergänzenden labortechnischen Prüfmaßnahmen unterzogen.
Folgende Prüfungen wurden durchgeführt:
• Makroskopische und mikroskopische Untersuchungen
• Gitterschnittversuche
• Test zum Einfluss von hoher Temperatur und Feuchtigkeit
• Chemische Versuche, Spektralanalyse und Bestimmung des Phthalatgehalts
Prüfergebnisse
Es handelt sich offensichtlich um Ablösungen der oberen Lackschicht von der ebenfalls festgestellten unteren Lackschicht, also um Arretierungsprobleme der Schichten innerhalb der Elemente bzw. der Konstruktion. In beiden Schichten waren mikroskopisch Risse und Ablösungen feststellbar.
Es haben Migrationen aus der unteren in die obere Lackschicht stattgefunden und zu den Ablösungen/Verbundstörungen geführt.
Weitergehend vorgefundene ölige Verbindungen der unteren Lackschicht lassen auf ein Aushärteproblem oder vergleichbar schließen und führten letztendlich zu einer Beeinträchtigung der Verbindung der Schichten zueinander.
Zusammenfassung/Fazit
Es waren vor Ort keine äußeren Einflüsse feststellbar, zum Beispiel Feuchtigkeits, Temperatur- oder UV-Licht-Einwirkung, welche als Ursache für alle Schäden in Form von Farbveränderungen/Fleckenbildungen infrage kommen.
Lage, Verteilung, Größe und Form der Flecken lassen keine Fremdeinwirkung vor Ort als Ursache erkennen oder auch nur vermuten. Vielmehr haben die labortechnischen Untersuchungen gezeigt, dass ein Arretierungsproblem der Lackschichten im Produkt zueinander durch eine mangelnde Aushärtung einhergehend mit hieraus resultierenden inneren Rissbildungen zu Ablösungen und Hohllagen der oberen Lackschicht des Laminatbodens geführt haben.
Es handelt sich offensichtlich um eine herstellungsbedingte Problemstellung des Produkts und somit um einen Herstellungs-/Materialfehler des Laminatbodens.
Torsten Grotjohann (öffentlich bestellter und vereidigter Berufssachverständiger), iff – Institut für Fußbodenbau

