Flooright: Kleben/Verlegen eines neuen Oberbelags auf einen vorhandenen Altbelag – Herausforderung und gängige Praxis
Die Verlegung eines neuen Oberbodenbelags auf einen vorhandenen Altbelag ist gängige Praxis, obwohl die DIN 18365 »Bodenbelagarbeiten« diese Verlegung nicht vorsieht und deshalb nicht DIN-gerecht ist. Trotzdem wird diese Art der Verlegung häufig von den Bauherrn/Planern gefordert und von Malern, Parkett- und Bodenlegern praktiziert. Rein technisch funktioniert in den meisten Fällen die direkte Klebung von neuen Bodenbelägen auf Altbeläge. Wechselwirkungen zwischen dem neuen und dem alten vorhandenen Belag können dabei nicht ausgeschlossen werden. So kann es beispielsweise einerseits durch die Art der Verlegung, aber auch durch Fehler bei der Verlegung zu Geruchsbelästigungen, Belagablösungen, Beulenbildung, offenen Nähten und farblichen Veränderungen kommen. Bei elastischen Belägen wird sich das Eindruckverhalten bzw. das Rückstellvermögen ändern. Deshalb sollte der Verarbeiter gegebenenfalls Bedenken anmelden oder einen Gewährleistungsausschluss vereinbaren.
Folgende Fehler werden von den Verarbeitern bei dieser Art der Verlegung am häufigsten gemacht:
• keine fachgerechte oder nicht ausreichende Grundreinigung, häufig wird auf eine Grundreinigung völlig verzichtet
• Verzicht auf eine Weichmachersperre
• Wahl des falschen Klebstoffs
Die folgenden Varianten werden am häufigsten praktiziert:
Verlegung eines neuen PVC/CV-Belags auf einen alten vorhandenen PVC/CV-Belag
Diese Verlegung kommt am häufigsten vor. Auch PVC-Designbeläge werden gern auf alte PVC-Beläge verlegt/geklebt. Hier ist allerdings das Risiko besonders groß.
Bei der Belegung eines neuen PVC/CV-Belags auf einen fest verklebten PVC/CV-Altbelag wird in der Regel wie folgt vorgegangen:
• Falls der PVC/CV-Altbelag nicht ausreichend fest liegt, muss er an den losen Stellen nachgeklebt werden
• Altbelag mit einem Grundreiniger intensiv grundreinigen, sodass die Fläche frei von störenden Pflegemitteln und Trennschichten ist (schwarze Padscheibe)
• Schmutzflotte absaugen
• Fläche mit klarem Wasser neutralisieren
• Absaugen, Trocknungszeit mindestens 24 Stunden
• Anschleifen, absaugen mit einem Industriesauger
• Spachteln einer Migrationssperre
• Kleben des neuen PVC/CV-Belags mit einem für diese Art der Verlegung geeigneten Dispersionskleber in der Haftklebephase.
Verlegung eines neuen Linoleumbelags auf einen vorhandenen fest verklebten Linoleum-Altbelag
Nach Auffassung der Linoleumhersteller sollten vorhandene Linoleumbeläge nach Möglichkeit nicht zugedeckt werden, sie lehnen deshalb diese Art der Verlegung ab. Falls es doch gemacht wird, sollte das in Eigenverantwortung des Auftraggebers geschehen.
Die Vorgehensweise ist hier wie oben beschrieben bei der Verlegung von neuen PVC/CV-Belägen auf alte PVC/CV-Beläge. Allerdings muss hier ein Spezialkleber zum Einsatz kommen, der mit dem Klebstoffhersteller abzustimmen ist.
Verlegung eines neuen Kautschukbelags in Bahnen auf einen vorhandenen fest verklebten elastischen Altbelag
Die Vorgehensweise ist hier wie oben beschrieben bei der Verlegung von neuen PVC/CV-Belägen auf alte PVC/CV-Beläge. Das Kleben des Kautschukbelags in Bahnen muss mit dem vom Klebstoffhersteller empfohlenen Spezialkleber im Kontaktverfahren erfolgen. Der Spezialkleber im Rollenauftrag oder mit fein gezahntem Spachtel (A5) auf die Belagsrückseite, mit der Zahnspachtel A4 auf den Untergrund auftragen. Nach vollständigem Ablüften – bei der Fingerprobe darf an den Fingern kein Klebstoff mehr haften bleiben – den Kautschukbelag ohne Lufteinschlüsse einlegen und anreiben/anwalzen. Die Ablüftezeit beträgt in der Regel ca. 1 bis 1,5 Stunden. Die fertig verlegten Beläge noch einmal gut anwalzen bzw. intensiv anreiben.
Verlegung eines neuen Nadelvliesbelags bzw. eines neuen Teppichbodens auf einen vorhandenen alten Nadelvliesbelag
Bei der Verlegung eines neuen Nadelvliesbelags bzw. neuen Teppichbodens auf einen alten, vorhandenen, fest mit dem Untergrund verklebten Nadelvliesbelag wird in der Regel wie folgt vorgegangen:
• Lose Bereiche des alten Nadelvliesbelags nachkleben, sodass der alte Nadelvliesbelag vollflächig fest mit dem Untergrund verbunden ist.
• Gründliches Reinigen und Absaugen des alten Nadelvliesbelags.
• Den alten Nadelvliesbelag vollflächig mit dem geeigneten Dispersions-Teppichkleber mit der Zahnung B1 oder B2 abziehen. Den Spezialkleber ca. 24 Stunden aushärten lassen.
• Auf den so vorbereiteten alten Nadelvliesbelag ist der neue Nadelvliesbelag bzw. neue Teppichboden ebenfalls mit diesem geeigneten Dispersions-Teppichkleber mit der Zahnung B1 oder B2 zu kleben.
Verlegung von textilen Bodenbelägen auf festliegende Teppichböden sowie von Tuftingbelägen auf festsitzende Nutzbeläge
Bei der Verlegung von textilen Bodenbelägen auf festliegende Teppichböden können selbstklebende Spezialvliese, auch Trockenklebstoffe genannt, eingesetzt werden. Diese Art der Verlegung ist auch für die schnelle Umrüstung im Objektbereich geeignet, wie beispielsweise für Büroräume, Ladenlokale und Hotels. Hier sind die Hinweise in den Technischen Merkblättern der Hersteller dieser Spezialvliese unbedingt zu beachten.
Bei der Wiederaufnahme-Verklebung dimensionsstabiler Tuftingbeläge kommen häufig beidseitig klebstoffbeschichtete Haftfolien zum Einsatz. Diese umweltfreundliche Verlegung wird vor allem im Wohnbereich praktiziert. Auch hier sind unbedingt die Hinweise in den Technischen Merkblättern der Hersteller der Haftfolien zu beachten.
Der Verarbeiter sollte auch die Hinweise aus dem TKB-Merkblatt »Kleben von Bodenbelägen mit Trockenklebstoffen« beachten, erstellt von der Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB) im Industrieverband Klebstoffe e.V., Düsseldorf. Mit Trockenklebstoffen lassen sich übrigens die verschiedensten Oberbeläge auf zahlreiche Untergründe dauerhaft kleben, sie werden aber auch für die Wiederaufnahmeverklebung angeboten. Trockenklebstoffe haben keine Ablüfte-, Abbinde- und Trocknungszeiten und werden deshalb aufgrund der Zeitersparnis in der Renovierung häufig eingesetzt.
Fazit
Die Verlegung von Belag auf Belag wird vor allem im Wohnbereich ausgeführt. Im Objektbereich wird diese Art der Verlegung in der Regel weniger häufig praktiziert. Die hier 'aufgezeigten Möglichkeiten der Verlegung von Belag auf Belag sind die Varianten, die am häufigsten ausgeführt werden. Neben diesen Varianten gibt es noch zahlreiche weitere Möglichkeiten.
Wolfram Steinhäuser

