GEV: 25 Jahre im Zeichen der Nachhaltigkeit
Am 1. und 2. Juni 2022 feierte die Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe (GEV) im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung das 25-jährige Bestehen des von ihr initiierten »Emicode«. »Emicode« ist heute das führende Umweltzeichen zur Produktklassifizierung für emissionsarme Verlegewerkstoffe und Bauprodukte. Grund genug, auf die Historie der GEV kurz zurückzublicken.
Bis 1997 kannte der Markt für Verlegewerkstoffe keine einheitlichen Prüf- und Messverfahren für die Emissionen von Baustoffen. Hersteller präsentierten ihre eigenen, nach unterschiedlichsten Kriterien ermittelten Werte. Verbraucher und Verarbeiter hatten kaum eine Möglichkeit, die Produkte zu vergleichen oder zu bewerten. Um hier eine verlässliche Orientierung zu schaffen, gründete sich am 24. Februar 1997 in Frankfurt am Main die Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, kurz GEV. In einem ersten Schritt entwarfen die neun Gründungsunternehmen Henkel, Ardex, Bostik, Forbo, Kiesel, Schönox, Uzin, Wakol und Ato Findley die Idee eines wettbewerbsneutralen Prüf- und Kennzeichnungssystems für ihre Produkte. Der »Emicode« war geboren. Ein Jahr später hatten sich fünf weitere Unternehmen der Initiative angeschlossen. Sechs Unternehmen förderten die GEV.
Erste Erfolge
Schon 1999 zeigten sich erste Erfolge. Lag der Gesamtanteil an Emissionen aus marktüblichen Dispersionsklebstoffen vor 1997 bei rund 10 000 µg/m³ (10-Tage-Wert), dürfen ab diesem Zeitpunkt TVOC-Emissionen von zertifizierten Klebstoffen nach »Emicode EC1« (sehr emissionsarm) 500 µg/m³ nicht überschreiten.
So verzeichneten Handel und Industrie nach Einführung der »Emicode«-Kriterien einen deutlichen Rückgang an Reklamationen. Dies führte zu Beginn der 2000er Jahre zu neuen Produktentwicklungen.
»Emicode EC1«-geprüfte SMP-Klebstoffe dominieren bis heute den Markt.
Im Jahr 2002 erkannte das Umweltbundesamt die wissenschaftliche Relevanz der Arbeit der GEV und förderte die Einrichtung einer Produktdatenbank, die in den heutigen »Produktfinder« mündete. Dort sind mittlerweile 11000 Produkte gelistet, die das Umweltsiegel tragen. Schon 2004 repräsentierten die zertifizierten Produkte – von Klebstoffen über Vorstriche und Spachtelmassen bis hin zu Verlegeunterlagen – bereits 90 Prozent des Marktes.
Einschneidende Veränderungen
Mit dem zehnjährigen Bestehen der GEV gingen einschneidende Veränderungen einher. Um den Forderungen des Marktes gerecht zu werden, benannte sich die Gemeinschaft 2007 um. Der Name wurde um die Produktgruppen Klebstoffe und Bauprodukte erweitert. Mittlerweile beteiligten sich 28 deutsche und 13 internationale Hersteller an der GEV. Dieses Jubiläum war auch geprägt durch den Erfolg des Umweltzeichens im europäischen Ausland. Nach rund zehn Jahren Arbeit besaßen mehr als 95 Prozent aller Teppichklebstoffe das »EC1«-Siegel.
Das Bemühen um umweltfreundliche Stoffe im Baubereich ging auch in den kommenden Jahren unvermindert weiter. 2009 konnten sich Parkettlacke mit maximal 8 Prozent Lösemittel für den »Emicode« qualifizieren. Lacke mit höchstens 5 Prozent Lösemittel erhielten ab 2011 das ein Jahr zuvor neu eingeführte Siegel »EC1 Plus«. In 2011 zählte die GEV 45 nationale und 33 internationale Unternehmen zu ihren Mitgliedern. Mittlerweile waren über 3000 Produkte zertifiziert. Zwischen 2007 und 2016 stieg die Zahl der Unternehmen, die den »Emicode« einsetzen, auf nahezu das Dreifache. Diese sehr gute Entwicklung feierte die GEV zu ihrem 20-jährigen Bestehen im Rahmen einer internationalen Konferenz in Düsseldorf.
Stetig steigende Neuanträge für Produktlizenzierungen
Einen weiteren Erfolg meldete die GEV im Jahr 2020. Waren in Deutschland im Jahr 2000 noch 25 Prozent aller Bauklebstoffe lösemittelhaltig, sind es 2020 nur noch 0,4 Prozent. Allein in Deutschland wurden von 1997 bis 2020 etwa 475 Mio. m² textile und elastische Bodenbeläge mit »EC1«-zertifizierten Grundierungen, Spachtelmassen und Klebstoffen verlegt. Kein Wunder daher, dass die Neuanträge für Produktlizenzierungen stetig gestiegen sind. In 2021 verzeichnete die Gemeinschaft mit 1547 Anträgen einen neuen Höchststand.
2022 feiert die GEV nun ihr 25-jähriges Bestehen. Das zentrale Thema der Festveranstaltung hieß Nachhaltigkeit. Dazu Stefan Neuberger, Vorstandsvorsitzender der GEV: »Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der in puncto Emissionen von ›Emicode‹-Produkten schon lange abgedeckt wird. Die Herausforderung besteht heute darin, zu unterscheiden, was auf der Ebene der Produktverbesserung Weiteres geleistet werden kann. Die meisten Aspekte der Nachhaltigkeit können jedoch erst auf Gebäudeebene bewertet werden. Ein Bauprodukt, das wenig Energie und wenig Rohstoffe verbraucht, dafür aber schon nach kurzem ersetzt werden muss, ist wenig nachhaltig.«
Klaus Winkels, Geschäftsführer der GEV, ergänzt: »Es ist immer wieder eine Herausforderung, bei neuen Produkten zu eruieren, welche Anforderungen gestellt werden können, ohne dass die Qualität oder Funktionalität leidet. Die Emissionsanforderungen der GEV gehen weit über das gesetzlich Geforderte hinaus. Dabei ist immer zu bedenken, dass keine Anforderungen gestellt werden, die ein Produkt in der Anwendung zur schlechteren Alternative machen, denn das wäre alles andere als nachhaltig.«
Ein Resümee der Vorträge und Workshops
In unterschiedlichsten Vorträgen und Workshops nahmen namhafte Referenten im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung Bezug auf das Thema »Nachhaltigkeit« und skizzierten die Herausforderungen der kommenden Jahre. Neben nachhaltigem Bauen, der EU-Bauproduktenverordnung und der Gebäudezertifizierung nach LEED standen auch Themen wie Kreislaufwirtschaft und Produktkennzeichnung auf dem Programm.
Wohin geht die Fahrt?
Die Themen Gesundheitsschutz und Emissionen sind unverändert relevant, doch wohin geht die Fahrt für die GEV in den nächsten zehn Jahren? Kaum eine Veranstaltung, kaum ein Gesetz kommt ohne den Begriff »Nachhaltigkeit« aus und die EU-Kommission hat die Agenda des »Green Deal« vorgegeben. Gibt es also wieder ein Übermaß an bürokratischen Vorgaben und eine Flut von werblichen Darstellungen?
Mit der Veranstaltung zum 25-jährigen Jubiläum hat die GEV zunächst einmal eine Übersicht gegeben, welche Initiativen und Anforderungen sowie verschiedenen Bewertungsstandards es gibt. Insbesondere die neue Bauproduktenverordnung verspricht eine große Herausforderung zu werden und wird die Unternehmen sowie Verbände viele Jahre beschäftigen. Daneben gibt es mit DGNB, LEED und BREEAM Bewertungssysteme für Gebäude, die heute schon den »Emicode« fordern und darüber hinaus besondere Anforderungen an ein nachhaltiges Gebäude stellen. Mit dem Institut für Bauen und Umwelt (IBU) werden Bauprodukte im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit bewertet, sodass mithilfe sogenannter EPDs (Umweltproduktdeklarationen) Berechnungen der Nachhaltigkeit von Gebäuden gemacht werden können. Insofern greifen schon heute Systeme ineinander.
Die Nachhaltigkeit eines Bauprodukts ist daher im Wesentlichen erst in seiner Funktion für das Gebäude bewertbar. Viele Qualitäts- und Funktionsfaktoren eines Produkts erweisen sich also erst am Gebäude, etwa wenn es um die Langlebigkeit eines Fußbodens geht. Doch beim Thema Recycling kann ein Produkt auch zeigen, dass es die Verwertung nicht behindert. Ebenso können Materialien aus dem Recycling verwendet werden, etwa für Verpackungen.
Die Frage bleibt, was die Verbände tun können, um hier schon auf Produktebene eine Orientierung zu geben und ob der »Emicode« zumindest bei bestimmten Nachhaltigkeitsaspekten Vorbild für eine Bewertung sein kann. Wäre das eine Perspektive für die GEV?
Hierüber diskutierten rund 80 Konferenzteilnehmer aus der Mitgliedschaft der GEV nach einigen Fachvorträgen in vier Workshops. Es gibt Orientierungsbedarf und den Wunsch nach einem einfachen Ampelsystem für eine Nachhaltigkeitsbewertung, doch die Sache ist komplex. Ein Produkt mit einem kleinen CO₂-Fußabdruck und einem verhältnismäßig geringen Einsatz an wertvollen Rohstoffen könnte ein grünes Ampelsignal bekommen, wäre in puncto Haltbarkeit aber eher eine schlechte Wahl und würde daher in der Gesamtbetrachtung auf Gebäudeebene eher ein Rot verdienen.
In den Workshops trugen die Mitglieder zum Thema Recycling, zum Labeling, zur Erwartung des Handwerks und zur Arbeit der Verbände bei. Ob und was aus der Veranstaltung entstehen soll, ist offen und wird in den Gremien der GEV und auch im Austausch mit anderen Verbänden diskutiert. Denn nur wenn ein erkennbarer Bedarf an Orientierung gesehen wird, der durch ein allgemeines Label sinnvoll abgedeckt werden kann, ist ein Engagement der GEV sinnvoll. Alles andere wäre Aktionismus. In jedem Fall gibt es einiges zu tun, um alleine den gesetzlichen Anforderungen nachzukommen. Zudem ist der Weg in die Kreislaufwirtschaft vorgegeben, zu viele Bauabfälle zehren an den Ressourcen. Deshalb ist sicher, dass Kriterien erarbeitet werden, wonach Verlegewerkstoffe den Recyclingprozess nicht behindern dürfen.
So geht die Arbeit weiter – mit oder ohne Logo.
Die Veranstaltung der GEV war ein wichtiges Branchentreffen nach langer Zeit der coronabedingten Abstinenz. Die Diskussion über die vielen Dimensionen der Nachhaltigkeit hat ein Gefühl dafür vermittelt, in welche Richtung sich die Branche bewegt. Ob es bei den schon bestehenden Regelungen und Instrumenten eines weiteren Labels bedarf, ist offen.


