GEV: Geprüfte Baustoffe
Sind die eingesetzten Baustoffe wohngesund? Diese Frage treibt Hersteller genauso wie Bauherren und Renovierer um. Seit 1997 haben sich weltweit 155 Hersteller erfolgreich dem Prüfungsverfahren der GEV unterzogen.
Die Qualität der Innenraumluft gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sie hängt wesentlich von den Emissionen aus verarbeiteten Werkstoffen an Wand und Boden ab. Ziel der in Düsseldorf ansässigen Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte e.V. (GEV) ist es, Verbrauchern, Handwerkern und Architekten eine Orientierungshilfe zu geben. Über 7600 Produkte von 155 Herstellern weltweit tragen bereits das Emicode-Siegel. Das Prüfungsverfahren ist anspruchsvoll, aber es lohnt sich.
Der Weg zur Zertifizierung
In einem ersten Schritt müssen die Hersteller das jeweilige Prüfmaterial in den ersten acht Wochen nach dessen Produktion bei einem unabhängigen Prüflabor einreichen. Dieses wird anschließend in einer Prüfkammer bei 23 Grad Celsius und 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit unter den üblichen Lüftungsbedingungen (Luftdurchflussrate 1,25 m³) beobachtet. Nach drei Tagen finden Luftprobeentnahmen für die erste Prüfung der flüchtigen organischen Stoffe (VOCs) und Aldehyde statt. Eine zweite Entnahme folgt nach den ersten vier Wochen und liefert Ergebnisse zur Langzeitemission. Auf Basis der wissenschaftlich ermittelten Messdaten werden sie dann verschiedenen Emissionskategorien zugeordnet: »EC2« (emissionsarm), »EC1« (sehr emissionsarm) sowie »EC1 Plus«. Die Grenzwerte der Emissionsklassen sind so festgelegt, dass sie die unvermeidliche Unsicherheit von Messergebnissen berücksichtigen. Dadurch erlauben diese Klassen, sehr emissionsarme Produkte von weniger emissionsarmen Produkten sicher zu unterscheiden. Messdaten ohne Angabe von Fehlergrenzen oder sogar mit Angaben hinter dem Komma (zum Beispiel 85,34 µg/m³) seien dagegen »unseriös und gaukeln eine Genauigkeit vor, die es nicht gibt«, so die GEV. Zudem kann es zwischen einzelnen Laboren leicht unterschiedliche Ergebnisse geben, sodass die Bewerbung mit herausgegriffenen Einzeldaten willkürlich ist. Da von den Mitgliedern korrektes Verhalten verlangt wird, lehnt es die GEV ab, ein Produkt mit der Angabe von Emissionswerten zu einzelnen Stoffen zu bewerben.
Im Anschluss an das erfolgreiche Prüfverfahren erhält der Hersteller eine Lizenz und das Recht, sein Produkt mit dem markenrechtlich geschützten Emicode-Siegel zu kennzeichnen und zu bewerben. Hersteller, deren Erzeugnisse den Emicode tragen, verpflichten sich, diese Produkte qualitätsgesichert und kontrolliert zu produzieren, um jederzeit den Vorgaben zu entsprechen. Die regelmäßigen, unangemeldeten und von unabhängigen Fachlaboren durchgeführten Stichprobenkontrollen sichern langfristig die Qualität sowie die Glaubwürdigkeit der Emicode-Lizenzierung. Das Zertifizierungssystem der GEV ist somit als Wegweiser für emissionsarme Produkte sehr viel strenger als andere Systeme und erfüllt auch die höchsten Anforderungen an die Innenraumluft gemäß der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
Im Rahmen von Ringversuchen ermittelt die GEV Labore, die zuverlässig Emissionsmessungen gemäß der GEV-Prüfmethode liefern. Für den nächsten Ringversuch zum Jahresende haben sich bereits 46 Teilnehmer aus 15 Ländern angemeldet. So können sich die Mitglieder der GEV orientieren, wo sie Messungen in Auftrag geben können und verlässliche Prüfergebnisse erhalten.
Laut einer Marktforschung fand »Gütesiegel Monitor 2018« der Splendid Research GmbH heraus, dass mit Siegel die Kaufbereitschaft der Verbraucher um 5 Prozent steigt.
Durch die Neuaufnahme von Produkten wächst auch die Bedeutung des Emicode. Geplant ist, Innenraum-Putze in das Lizenzierungsverfahren mit einzubeziehen.


