25.02.2015 | Verbände / Institute / Organisationen Seite 40-41 in Ausgabe 3/2015

GHF: »Großhandel sollte kompletten Bedarf des Malers ­abdecken«

Der Malergroßhandel bleibt für den Maler durch Sortiments­anpassung und Präsenz vor Ort nach wie vor attraktiv.Zunehmende Konkurrenz stellt der ­Baustoff-Fachhandel dar.

Anlässlich des Maler-Schwerpunkts in dieser Ausgabe von OBJEKT stellte die Redaktion ein paar Fragen an Jürgen Wagner, ­Geschäftsführer des Bundesverbandes Großhandel Heim & Farbe e.V. (GHF). Themen waren unter anderem das (Umsatz-)Reizthema WDVS, die Präsenz des Malergroßhandels und der bodenlegende Maler.

Redaktion: Herr Wagner, in Sachen Tapete konnte der Großhandel im letzten Jahr wieder zulegen (+3,5 Prozent). Wird also wieder mehr tapeziert – liegt das Produkt wieder im Trend?

Jürgen Wagner: Schon seit einigen Jahren können wir erfreulicherweise eine stetige Wiederbelebung der Ta­pete im Großhandel verzeichnen. Nun wäre es übertrieben, hier von einem stark wachsenden Markt zu sprechen, ganz sicher aber von einem stabilen Markt mit einem erkennbaren Trend zu höherwertigen Materialien. Nahezu alle Hersteller bieten dem Kunden sehr ausgefallene, designorientierte Kollektionen an, die zudem mit klangvollen Namen in Verbindung gebracht werden. Dass dies nicht im Niedrigpreissegment zu haben ist, versteht sich von selbst und wird auch vom Kunden akzep­tiert.

Die Räume erhalten vermehrt, zumindest an einer Wand, eine sehr indivi­duelle Note, die dem allgemeinen Trend zu höherwertiger Wohneinrichtung Rechnung trägt. Ein kleiner Wermutstropfen bei dieser Entwicklung hin zu mehr Hochwertigkeit ist leider manchmal die unzureichende Fertigkeit von Malerfachbetrieben, diese Produkte auch ordentlich an die Wand zu bringen.

Hier haben wir noch die Folge einer Entwicklung, bei der über viele Jahre die geprägte Tapete eine sehr unter­geordnete Rolle gespielt hat.

Für die Tapetenindustrie sind der Großhandel und der dort getätigte Umsatz eine »feste Bank«, die man im Hinblick auf die zum Teil völlig zu­sammengebrochenen Exportmärkte zu schätzen weiß.

Redaktion: Das Feld der Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) entwickelte sich vom Shooting-Star zum Sorgenkind? Was hat Ihrer Meinung nach zu dieser Entwicklung geführt?

Wagner: Die Kurzform Ihrer Beschreibung trifft den Nagel leider auf den Kopf. Hatte die gesamte Branche, und selbstverständlich auch der Großhandel, über Jahre ein oft zweistelliges Wachstum, so musste man sich ab 2013 sehr abrupt mit einem deutlich veränderten Nachfrageverhalten auseinandersetzen. Einzelne Großobjekte waren damals durch Fassadenbrände in die Diskussion geraten und hatten einen Stein ins Rollen gebracht.

Es ist heute müßig, daran zu erinnern, dass die Brandfassaden nur einen verschwindend geringen Anteil an den gesamten WDVS-Fassaden ausmachen und dass dort in aller Regel auch bautechnische Fehler vorlagen. Die Lawine war erst einmal losgetreten und nahm immer mehr an Fahrt auf. Die Not­wendigkeit und technische Beschaffenheit von Brandriegeln wurde dis­kutiert, Spechtlöcher, die zu optischen Mängeln führten, kamen hinzu, und vermehrt ausgestrahlte Fernseh­sendungen und Presseartikel taten ihr Übriges. Im Ergebnis brachte diese neue Situation für den Großhandel im Jahre 2013 einen Umsatzrückgang in Höhe von 4,3 Prozent.

Und auch in 2014 war dieser Negativtrend ungebrochen. Bei aller Sorge, die eine solche Entwicklung mit sich bringt, und aller Verärgerung über eine häufig als tendenziell erfundene Bericht­erstattung darf man bei nüchterner Betrachtung die wesentlichen, berechtigten Kritikpunkte nicht außer Acht lassen. Polystyrol als Dämmkern gilt bei uns als schwer entflammbar, in euro­päischen Nachbarländern als brennbar. Bei der Amortisation wurden häufig optimistische Rechnungen veröffentlicht, die einer kritischen Kontrolle in keiner Weise standhielten.

Die heutigen Umsatzrückgänge sind daher eine klare Reaktion des Marktes. Der Großhandel hat diese Situa­tion in seine Planung mit aufgenommen. Die immer wieder diskutierten und häufig im Labormaßstab nachvollzogenen technischen Probleme können wir nicht bewerten. Hundertausende bisher erstellte Fassaden sind bei fachgerechter Ausführung bislang absolut problemlos und werden auch zukünftig für eine gewisse Sogwirkung sorgen.

Die von der Industrie häufig zu optimistisch berechneten Amortisationswerte sind mittlerweile am Markt korrigiert und der Effekt einer Fassadenverschönerung gewinnt deutlich mehr an Kraft wie die ausschließliche Energieeinsparung. Darüber hinaus sind, wie für Großobjekte per se vorgeschrieben, andere Dämmkerne im Markt zu etablieren. Auch hier ist der Großhandel bestrebt, gemeinsam mit der Industrie Alternativen, die zuge­gebenermaßen auch eine Verteuerung mit sich bringen, im Markt zu platzieren.
Leider absehbar ist ein weiterer Preisverfall der alten Systeme. Und das ist eine Entwicklung, die alle Marktteilnehmer trifft.

Redaktion: Thema Boden: Auffällig ist, dass sich viele Maler regelmäßig mit Bodenbelägen beschäftigen. Ist dies ein lukratives Feld für den Maler geworden?

Wagner: Die Kombination »Boden­beläge« und »Maler« ist ja nun wirklich nicht neu. Viele Maler haben sich auch in früheren Zeiten diesen zuge­gebenermaßen etwas anders gearteten älteren Bodenbelägen zugewandt. Was neu ist, ist die Intensität, in der auch Maler das Arbeitsfeld Boden für sich entdecken. Und das ist ganz wesentlich darauf zurückzuführen, dass es der Maler immer verstanden hat, nicht nur an alten Arbeitsfeldern festzuhalten, sondern auch neue Chancen zu erkennen und aktiv zu ergreifen. Veränderungen in der Gewerkeordnung lassen dies auch zu. Tendenziell entwickelt sich der Maler zum »Allround-Handwerker«, zumindest was den dekorativen Teil angeht. Aber auch hier ist wieder Augenmaß angesagt. Objekte und sogenannte Großbaustellen sind nicht das klassische Arbeitsfeld des Malers und werden es auch vermutlich zukünftig nicht sein. Hier ist der versierte Bodenleger un­angefochten der gefragte Handwerker. Im privaten Umfeld sieht das aber deutlich anders aus.

Redaktion: Mit welchen Böden beschäftigt sich der Maler vornehmlich?

Wagner: Das Wohnzimmer, das Schlafzimmer oder auch die Küche werden heute vom Maler gern mit Bodenbelägen versehen, die im »Klickverfahren« verlegt werden. Feste Verklebungen spielen eine absolut untergeordnete Rolle. Das Verlegen eines textilen Bodens, dem hoffentlich durch die ak­tuelle Aktion »Teppich & du« wieder mehr Leben eingehaucht wird, gehört für viele Malerbetriebe seit Jahren zum Leistungsangebot.

Redaktion: Ungeschlagen bleibt der Malergroßhandel als der Ort, wo der Maler seine Materialien bezieht. Auffällig ist aber, dass andere Vertriebs­kanäle wie etwa der Baustoffhandel zugelegt haben. Warum ist dies Ihrer Meinung nach so?

Wagner: Der Malergroßhandel hat es in den letzten Jahren sehr gut verstanden, durch Anpassung der Sortimente und durch Niederlassungspräsenz vor Ort für den Maler attraktiv zu bleiben. Alleine im Zeitraum 2006 bis 2014 sind über 200 neue Niederlassungen eröffnet worden, um für den Maler die schnelle Erreichbarkeit sicherzustellen.

So weit, so gut. Sortimentsschwachstellen zeigen sich aber bei vielen Großhandlungen im Bereich des trockenen Innenausbaus. Was im Hessischen noch möglich und auch Realität ist, nämlich die Einlagerung von Gipskarton und weiteren trockenen Innenausbauprodukten, ist für den Rest der Repu­blik bisher leider noch oft ein offenes Arbeitsfeld. Der Maler, regional allerdings mit etwas unterschiedlichen Schwerpunkten, beschäftigt sich aber nun einmal mit dem trockenen Innenausbau und braucht auch diese Produkte. Liefern wir sie nicht, wird er sich beim Baustoff-Fachhandel bedienen.

Erschreckenderweise wird er von »seinem Großhandel« sogar oftmals dorthin geschickt. Dass im Baustoffhandel auch die oben erwähnten Wärmedämmverbundsysteme angeboten werden, Ausgleichsmassen für den Boden, Bodenbeläge unterschiedlichster Art und eine Vielzahl anderer Produkte inklusiv Farbsortimente namhafter Hersteller, sollte man nicht zu leicht nehmen. Natürlich ist die Aufnahme von Produkten des Sortiments »trockener Innenausbau« eine enorm schwere Aufgabe, vielleicht für einen einzelnen Händler auch gar nicht oder nur schwer zu lösen, aber nach meiner Auffassung ein strategisch wichtiges Arbeitsfeld.

Redaktion: Wie könnte sich der Malergroßhandel noch besser positionieren?

Wagner: Vielleicht ist es machbar, dass sich mehrere Händler zumindest bei solchen Sortimenten wie »trockener Innenausbau« zusammentun?

Die Aufgabe unseres Großhandels ­sollte es sein, den kompletten Mate­rial­bedarf des Malers abzudecken. So sehr wir die berufliche Flexibilität des Malers schätzen, hier bereitet sie uns allerdings etwas Sorge. Den Baustoff-Fachhandel ins Boot zu holen, halte ich für sehr gefährlich.

Redaktion: Danke für das Gespräch!

Die Fragen stellte Thomas Ottaviano

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