HDM: Alles wieder im »grünen Bereich«
Nach erfolgreicher Restrukturierung geht das Unternehmen aus Moers gestärkt aus der Krise hervor und blickt mit neuen Produkten und Strategien optimistisch in die Zukunft.
Hinter HDM liegt ein ereignisreiches Jahr 2016. Direkt zu Jahresbeginn – also vor genau einem Jahr – wurde beim zuständigen Amtsgericht Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung gestellt. Was war passiert? HDM bedient die Marktbereiche DIY, Fachhandel, Objekt- und Industriegeschäft im In- und Ausland. Maßgeblich und bis vor kurzem sozusagen machte allein der Baumarktbereich 80 Prozent des Umsatzes aus. Und der einstige Baumarkt-Riese Praktiker gehörte zu den größten HDM-Kunden. »Das hat uns nicht gut getan«, sagt HDM-Geschäftsführer Dirk Dammers. Alleine aus der Praktiker-Pleite resultierte ein Verlust im zweistelligen Millionen-Bereich. »Hinzugekommen ist, dass die Branche im Allgemeinen unter Druck steht. Entsprechend mussten wir eine Anpassung bei der Kosten- und Service-Struktur vornehmen«, so Dammers weiter. »Wir haben zur Restrukturierung die Instrumente angewendet, welche der Gesetzgeber seit 2012 den Unternehmen in Deutschland anbietet: ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.« In Deutschland wurden Rationalisierungsmaßnahmen in den Werken durchgeführt. So wurden Führungsstrukturen verschlankt, Servicebereiche ausgelagert und Kostensenkungsprogramme aufgelegt. Der Außendienst in Deutschland wurde von Handelsvertretungen auf werksreisende Mitarbeiter umgestellt. Und so kam es, dass das Verfahren in nur acht Monaten umgesetzt und erfolgreich abgeschlossen wurde.
Ein weiterer wichtiger Baustein in der neuen Strategie ist Vertriebsstruktur. »Über die letzten Jahre haben wir weitere Vertriebskanäle wie den Fachhandel und den Export aufgebaut – mit jeweils deutlich zweistelligen Wachstumsraten«, sagt Dammers. »Wir haben unser Unternehmen umgestellt und sind dabei, es neu auszurichten. Wir waren sehr Baumarkt-lastig. Nun wollen wir stärker den Export, Fachhandel und Online-Handel, den wir für unsere Kunden betreiben, bespielen. Wir haben eine vernünftige Basis geschaffen, auf die wir aufbauen können und von der aus wir wachsen werden. Zu keinem Zeitpunkt gab es einen Stillstand. Wir haben offen mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern gesprochen. Es gab keine Abteilungs- oder Werksschließungen oder Produkt-Verabschiedungen. Wir stehen solide da und sind wieder im grünen Bereich! Wir haben in 2016 sogar in Anlagentechnik und Produktentwicklung investiert.« Und dieser Null-Prozent-Stillstand lässt sich sehen. HDM bringt neue Produkte zur »Bau« nach München, die in dem gemeisterten Krisen-Jahr 2016 ertüftelt wurden.
Produkt-Neuheiten
Eines von vielen Schwerpunktthemen für 2017 wird bei HDM das Thema Paneele sein. »In diesem Bereich mussten wir uns wieder neu erfinden«, sagt Dammers. Und so zeigt das Unternehmen zur »Bau« das Paneel-Sortiment »Best of White«, dessen Name Programm ist. Alle Produkte sind in der Trendfarbe Weiß erhältlich. Wer’s aber bunt mag, kann »selbst Pinsel anlegen«, da die Oberfläche streichfähig ist. Das Sortiment besticht zudem mit neuen Abmessungen, Ausführungen und Formen. So gibt es etwa ein Breitpaneel (50 cm breit) in kurzer (1,30 m) oder in langer Ausführung (2,60 m). Hinzu gesellt sich ein vollummanteltes »Aqua«-Paneel mit feuchtehemmender Trägerplatte mit dem HDM-»fit fix«-Verlegesystem, bei welchem auch die Längsfuge versiegelt ist. Das neue Programm wartet darüber hinaus auch mit 3-D-Paneelen auf.
Bei HDM steht 2017 auch im Zeichen der Leisten. Und das quasi »back to the roots«: Die sogenannte Stecksockelleiste wurde ebenso wie die Technik zur Ummantelung von Leisten vor über 50 Jahren von Arnold Dammers erfunden. Aktuell stehen verschiedene Produkte für unterschiedliche Sortimente in der Einführungsphase. Im Bereich ummantelte Leisten (»UMA-Leisten«) sind es weitere Profile für das Sockelleisten-Sortiment – jetzt auch mit der Möglichkeit, die Leisten auf einen Clip zu stecken. Damit können Sockelleisten nicht nur geklebt oder mittels des bekannten Dübel-Systems montiert werden, sondern zusätzlich mittels Steck-Clip. Dirk Dammers: »Die Steck-Sockelleiste produzieren wir mit einem Plastik-Clip bereits seit den 1970er Jahren – das war eine Idee meines Vaters. Dann sind wir auf eine Dübel-Variante gewechselt. Jetzt haben wir die Steck-, Dübel- und Klebe-Variante – alles in einer Leiste, mehr geht nicht!«
Im Laminatbodenbereich wird es ebenfalls Neuerungen geben – im letzten Jahr wurde auf der »Domotex« eher leiser »Deep Emotions« als so eine Art Test-Ballon gezeigt. Nun wird’s aber ernst: Zur »Bau« hält ein spezieller 3-D-Digitaldruck Einzug, der für eine besonders tiefe Optik sorgt. Die Holz-Maserungen sind quasi »optisch fühlbar«, doch die Oberfläche ist absolut glatt. »Deep Emotions« lässt sich im Gegensatz zu einer strukturierten Oberfläche also besser reinigen.
»Deep Emotions« wird beispielsweise bei der Laminatboden-Reihe »Contour floor« Einzug halten. Bei der Oberfläche von »Contour floor« ist es gelungen, die erste direkt beschichtete Fase zu erzielen. Anders als bei einer klassischen V-Fuge, die gefräst und in einem separaten Arbeitsgang lackiert wird, zeigt die Fase ein harmonisch massives Design, ohne eine optische Unterbrechung hervorzuheben. Die Oberfläche der Fase ist extrem strapazierfähig – und der Boden insgesamt pflegeleicht und antistatisch, da dieser weniger Schmutz anzieht. Die Fase hebt jede einzelne Diele als eigenständiges Element hervor. Ein absoluter Vorteil der Entwicklung ist, dass durch die Beschichtung der Elemente und deren fließender Übergang ineinander definitiv keine Schmutzfuge entsteht.
Thomas Ottaviano

