15.08.2025 | Verlegewerkstoffe / Estrich / Technik Seite 106-108 in Ausgabe 5/2025

Heidelberg Materials: Ressourcen clever genutzt

Beim Berliner Neubauprojekt »Maison Westend« zeigt Heidelberg Materials, wie nachhaltiges Bauen aus einer Hand gelingen kann: vom Rückbau und Recycling über die Lieferung von CO₂-reduziertem Recyclingbeton und Betonfertigteilen bis hin zur (digitalen) Betonüberwachung – ressourcenschonend, effizient und innovativ.

Im Berliner Ortsteil Westend, im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, entsteht derzeit das neue Wohnquartier »Maison Westend«. Auf einem 11 000 m² großen Grundstück sind 13 sechs- bis siebengeschossige Wohngebäude geplant, die sich um einen ruhigen, grünen Wohnhof gruppieren. Insgesamt werden somit 256 größtenteils barrierefreie Wohneinheiten mit unterschiedlichen Größen von 35 bis 101 m² entstehen.

Aus alt wird neu
Auf dem Grundstück wurden Mitte der 1960er Jahre zwei Wohnhochhäuser in Stahlbetonplattenbauweise errichtet. Diese erwiesen sich 2019 als nicht mehr sanier- oder instandsetzbar und wurden bis Anfang 2023 abgerissen. Der Abbruch der Wohntürme und die Wiederaufbereitung des dadurch gewonnenen Altbetons übernahm ein Tochterunternehmen von Heidelberg Materials Mineralik, die Berliner RWG-Gruppe. Das Betonabbruchmaterial der Wohntürme wurde als hochwertige, zertifizierte rezyklierte Gesteinskörnung wiederaufbereitet und anschließend dem Beton des Neubauvorhabens wieder zugefügt. »Recycelter Betonabbruch bietet zwei große Vorteile«, erklärt Oliver Schumacher, Geschäftsführer der RWG. »Zum einen sparen wir damit Primärrohstoffe wie Sand und Kies ein, die als Gesteinskörnungen bei der Betonherstellung eingesetzt werden. Zum anderen lassen sich die beim Recycling anfallenden Feinmaterialien als Brechsande abtrennen und anschließend als alternatives zementhaltiges Roh- oder Füllmaterial wieder der Zementproduktion zuführen.« Langfristiges Ziel sei es, eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren und damit bei der Herstellung der Produkte dem Einsatz von rezyklierten Gesteinskörnungen Vorrang gegenüber Primärrohstoffen zu geben.

Halbfertigteile machen Tempo
Anfänglich war der Wohnkomplex »Maison Westend« in Ortbeton geplant. Aus Zeitgründen mussten jedoch bis zu 80 Prozent der Bauteile als Fertig- oder Halbfertigteile aus Beton realisiert werden. »Hier konnten wir die Betonfertigteilsparte der Heidelberg Materials einbinden, die sämtliche Decken und Wände als Halbfertigteile sowie Treppen und Balkone produziert und liefert«, erklärt Lars Löwigt, Außendienstmitarbeiter bei Heidelberg Materials Beton. Die Elementdecken und Doppelwände wurden anschließend mit einem um 30 Prozent CO₂-reduzierten Beton »evoBuild« inklusive einem 30-prozentigen Anteil rezyklierter Gesteinskörnung verfüllt. Die Verfüllung der Halbfertigteile mit insgesamt rund 3500 m³ Transportbeton erfolgte über Betonpumpen sowie mit Kran und Kübeln. Die Betonüberwachung übernimmt das Heidelberg-Materials-Tochter-unternehmen BetoTech Baustofflabor.

Digitale Betonsensoren
Von entscheidender Bedeutung bei Bauprojekten ist die Überwachung der Betontemperatur, da sie sich direkt auf Qualität, Festigkeit und Dauerhaftigkeit des fertigen Bauwerks auswirkt. Die Aufrechterhaltung der richtigen Temperatur während des gesamten Aushärtungsprozesses ist für die ordnungsgemäße Hydratation des Betons und die Gewährleistung einer optimalen Festigkeitsentwicklung unerlässlich. Inzwischen kann die Überwachung der Temperatur des verbauten Betons auf der Baustelle auch über digitale Sensoren erfolgen. Beim »Maison Westend« wurden Betonsensoren direkt in die Ortbetonteile bzw. in die mit Ortbeton zu verfüllenden Betonhalbfertigteile fest verbaut. Die Sensoren mit zwei Temperaturmesspunkten werden an ausgewählten Bewehrungsstäben der zu verfüllenden Bauteile befestigt. Anschließend werden sie per Smartphone aktiviert und einbetoniert. Nach erfolgter Betonage messen die Sensoren alle 15 Minuten die Wärme im Betonbauteil und berechnen mithilfe eines Reifegradmodells die Druckfestigkeit des Betons. Im Radius von etwa 12 Metern um das entsprechende Bauteil können die Daten mittels Smartphones und inkludierter App nach Bedarf abgerufen werden. Über einen zusätzlichen Smart-Hub als zentrale Schaltstelle besteht die Möglichkeit zur automatisierten Auslesung der Daten. Die Vorteile dieser Datenerfassung bestehen insbesondere darin, dass die Druckfestigkeit des Betons jederzeit exakt erfasst und auch via Fernüberwachung rund um die Uhr abgelesen werden kann. Damit kann der perfekte Zeitpunkt zum Ausschalen oder Glätten von Oberflächen bestimmt werden. Die drahtlosen Sensoren bieten somit Zeit- und Kostenersparnisse beim Betonbau und verbessern zusätzlich die Qualität und Dauerhaftigkeit von Betonstrukturen.
Darüber hinaus können durch eine reduzierte Anzahl an Probekörpern, die von Mitarbeitern auf der Baustelle gefertigt werden müssen, Kosten eingespart werden. Oftmals werden aber noch Erhärtungswürfel hergestellt. Hierbei wird jedoch nicht die Temperatur überwacht, sondern die Festigkeit geprüft. Die Sensorik bietet hingegen die Chance, auf diese Erhärtungswürfel zu verzichten und – mithilfe einer Temperaturmessung – live ins Bauteil »zu schauen«. Die Temperatur wiederum gibt Rückschlüsse auf die Reife des entsprechenden Betons. Dieses ist auch normativ abgedeckt. Nicht verzichtet werden kann hingegen auf die 28-Tage-Würfel, die im Rahmen der ÜK2-Überwachung hergestellt werden müssen. »Nach unserer Erfahrung bewähren sich diese Sensoren insbesondere beim Einsatz innovativer Betone«, berichtet Löwigt. »Wir arbeiten hier mit klinkeroptimierten und damit CO₂-reduzierten Zementen, haben die Betonrezepturen optimiert und betonieren teilweise bei nicht unbedingt optimalem Wetter. Auch unter diesen Bedingungen erzielen wir, nachdem wir die Sensoren zuvor in unserem Labor kalibriert haben, optimale Ergebnisse und können so die Ausschalungszeiten – und damit die gesamte Bauzeit – bestmöglich verkürzen.«

Nachhaltiges Bauen
Gebaut wird das »Maison Westend« entsprechend den aktuellen Anforderungen an nachhaltiges Bauen. Die ersten drei Gebäude werden nach dem von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) entwickelten Standard KfW 55 für energieeffiziente Gebäude errichtet. Diese benötigen lediglich 55 Prozent der Energie eines konventionellen Neubaus und gelten somit als besonders umweltfreundlich. Für diese Gebäude wurde auf eine Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) verzichtet. Mit dem KfW-55-Standard könnten die Gebäude, so die Bauphysiker, das DGNB-Zertifikat Silber erreichen. Die in den späteren Bauabschnitten geplanten acht weiteren Wohngebäude sollen hingegen das DGNB-Zertifikat Gold erhalten.

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