Heimtex: 100 Jahre alt, aber stärker und moderner denn je
Der Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie (»Heimtex«) beging seinen 100. Geburtstag mit vielen Gästen im »Red Dot Design Museum« in Essen.
In Kriegszeiten gegründet, zwei Weltkriege überdauert, Herausforderungen angenommen und die Zukunft im Blick. Nicht viele Fachverbände schauen auf so viel Historie zurück. 100 Jahre Verbandsgeschichte und vor allem 100 Jahre Bestand – das darf auch mal gefeiert werden. Und so ließ es sich der Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie (»Heimtex«) mit Sitz in Wuppertal auch nicht nehmen, dieses besondere Jubiläum mit seinen Mitgliedern sowie Vertretern und Partnern aus dem Handel und der Zulieferer-Industrie zu feiern. Ebenso designorientiert wie Teppichböden und Heimtextilien war dann auch der feierliche Rahmen beziehungsweise Ort der Festlichkeit – mehr als 100 Gäste kamen zum Unesco-Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen. Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche befindet sich das »Red Dot Design Museum« – der perfekte Ort für die Feier zum 100-jährigen Bestehen. Nicht nur, dass hier Vergangenheit und Moderne aufeinandertreffen (wie bei einem 100-jährigen Geburtstag) – das Museum zeigt ausschließlich Produkte, die den »Red Dot Design Award« erhalten haben, ein Award, der auch regelmäßig an Unternehmen der Heimtextilien-Branche für innovatives und herausragendes Produktdesign verliehen wird.
Starke Gemeinschaft, starke Dienstleistungen
»Heimtex«-Verbandsvorsitzender Ottmar Ihling (Alfred Apelt GmbH) unterstrich in seiner Begrüßungsrede, dass für Fachverbände neben ihrem Einfluss auf die politische Willensbildung insbesondere die Unterstützung ihrer Mitgliedsunternehmen im Tagesgeschäft eine wichtige Rolle spielt. »Hier sehen wir die Hauptfunktion unseres Fachverbandes – den Unternehmen ihren Rücken freizuhalten, damit diese ihre Produkte entwickeln, produzieren und vertreiben können.«
Und so ist »Heimtex« auch mit so vielen Jahren »auf dem Buckel« eine starke Gemeinschaft, die ihre Mitglieder in vielfältiger Weise mit einer großen Anzahl von Dienstleistungen im Tagesgeschäft unterstützt. Der Verband ist Heimat für Unternehmen aus den Bereichen Bettwaren, Dekostoffe/Gardine, Möbelstoffe, textile Bodenbeläge, Spitzen und Stickereien sowie Badtextilien. Das Aufgabengebiet ist breit gefächert, die Themenstellungen umfassend: Außenhandel, Forschung, Auslandskontakte, Messeförderung, Normung, Recht, Rundschreiben, Statistik, Marktdaten, Technik, Umwelt, Arbeitssicherheit und Energie gehören zum Leistungsspektrum des Verbandes. Von der Schlagkräftigkeit des Verbandes und seiner diversen Dienstleistungen konnten sich auch Hersteller von innenliegendem Sonnenschutz überzeugen. In 2013 wurde die Geschäftsstelle des Verbandes innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) nach Wuppertal verlegt und dort administrativ in die Geschäftsstelle des »Heimtex«-Verbandes integriert. So hielt auch der ViS-Vorsitzende Ingo Fahl (Ifasol GmbH) eine Festrede, in welcher er die Zusammenarbeit und Synergien der Verbände lobte.
Gerade in den vergangenen Jahren hat sich der Verband von dem historischen Tätigkeitsfeld eines Wirtschaftsverbandes gelöst und zu einer effektiven Serviceorganisation weiterentwickelt, um sich für die Zukunft aufzustellen. Wichtige Ansatzpunkte geben dabei Mitgliederbefragungen als ein Teil der Zukunftsstrategie. Das Ergebnis der aktuellen umfassenden Befragung zeige anschaulich die Bedürfnisse und Anforderungen der Mitglieder auf und liefere gleichzeitig Lösungsansätze, an denen der Verband arbeite. »Auch künftig wird der Verband mit kurzen, gezielten Mitgliederbefragungen seine Arbeit überprüfen und sich neuen Herausforderungen stellen«, verspricht Verbandsgeschäftsführer Martin Auerbach, der den Festabend im »Red Dot Design Museum« souverän moderierte.
Gelungenes Rahmenprogramm
Dr. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes textil + mode, gab den Gästen einen kurzen Einblick in die Arbeit des Dachverbandes und die Zusammenarbeit mit »Heimtex«: »Wir als Gesamtverband sind für die Politik in Brüssel und Berlin zuständig, Sie als ›Heimtex‹-Verband sind für die Unternehmen vor Ort verantwortlich, um sie im Tagesgeschäft zu unterstützen.« Und genau diese Aufgabenteilung sei das Entscheidende in der Zusammenarbeit beider Verbände, wie Dr. Mazura deutlich machte. Als wichtige politische Herausforderung benannte er unter anderem das Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG), in dessen Folge auch die deutsche Heimtextilien-Industrie mit wachsenden Stromkosten zu kämpfen hat.
Kommunikationsdesignerin Dr. Josephine Prokop nahm die Teilnehmer mit auf eine Zeitreise zum Thema Design im Gründungsjahr 1916 und gab einen interessanten Überblick über die Design- und Architekturstile sowie die handelnden Personen und deren Einflüsse auf den jeweiligen Einrichtungsstil in dieser Epoche. »Überraschungsreferent« des Abends war Dr. Jens Wegmann alias Jan Ditgen, seines Zeichens Comedy-Redner und Schauspieler. Er arbeitete sozusagen »undercover«, sein Auftrag lautete: den Gästen das Thema »erfolgreiche Digitalisierung im Vertrieb« als seriöser Leiter eines Wirtschaftsinstituts näherzubringen. Doch schnell wurde klar, hier wurde keine trockene Information zu fortgeschrittener Stunde geboten und dieser Redner war nicht Dr. Jens Wegmann, sondern ein professioneller Kabarettist, der auf beste humoristische Weise das Publikum unterhielt.
Gefeiert und kommuniziert wurde bis in den späten Abend in entspannter Atmosphäre bei Live-Musik des Duos Benny & Joyce. Hauptgeschäftsführer Martin Auerbach resümierte: »Das war eine rundum gelungene Jubiläumsveranstaltung, unser Konzept ist zu 100 Prozent aufgegangen.«
Verbandswurzeln
In den Jahren 1915 und 1916 gründete der Möbelstoff-Produzent Alfred Hübsch zusammen mit Carl Herbst von der Rheinischen Möbelstoffweberei den Verband der deutschen Möbelstoff- und Mokettwebereien. In ähnlicher Form erfolgte im Januar 1916 die Gründung des Verbandes deutscher Teppichfabrikanten. Bei beiden Verbandsgründungen war August Mittelsten Scheid, alleiniger geschäftsführender Gesellschafter der 1883 in Wuppertal gegründeten Teppichfabrik Vorwerk & Co., die treibende Kraft. Das erklärte Ziel beider Verbände war es, den damals bestehenden Missständen im Bereich der Verkaufs- und Zahlungsbedingungen entgegenzuwirken. Während der Kriegszeit agierten die Verbände zwar noch getrennt voneinander, verfolgten aber beide in der Hauptsache das Ziel, verspinnbares Material auf Rohstoffseite zu beschaffen. So gelang es, die schwierige Lage der Rohstoffbeschaffung für die deutschen Teppich- und Möbelstoff-Fabrikanten zu mindern.
1920 erfolgte der Zusammenschluss beider Verbände zum Verband deutscher Teppich- und Möbelstoff-Fabrikanten e.V.
Thomas Ottaviano

