Heimtex und Matratzenverband setzen auf Kooperation
Die gemeinsame Jahrestagung des Verbandes der deutschen Heimtextilien-Industrie (Heimtex) und des Fachverbandes Matratzen-Industrie in Hamburg hat erneut gezeigt, wie wichtig Zusammenarbeit in herausfordernden Zeiten ist. Was vor drei Jahren als pragmatische Idee begann, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Beide Verbände eint das Ziel, die deutsche Heimtextil- und Matratzenindustrie zukunftsfest zu machen – durch Vertrauen, Respekt und gemeinsame Projekte.
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war das 20-jährige Jubiläum des Matratzenverbandes. Geschäftsführer Martin Auerbach zeichnete die Entwicklung des Verbandes nach: Von neun Gründungsmitgliedern ist die Organisation auf heute 26 Hersteller und 14 assoziierte Mitglieder gewachsen, was einer Marktabdeckung von über 70 Prozent entspricht. Meilensteine wie die Kooperation mit Heimtex und dem Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) sowie die Gründung des Kompetenz-Zentrums Textil + Sonnenschutz haben die Schlagkraft der Branche deutlich erhöht.
Wirtschaftliche Lage: Ein schwieriges Umfeld
Die Stimmung in der Branche bleibt angespannt. Nach zwei Rezessionsjahren verzeichnet die deutsche Wirtschaft 2025 nur ein minimales Wachstum von 0,2 Prozent. Geopolitische Spannungen, schwache Binnennachfrage und eine protektionistische Handelspolitik belasten die Unternehmen. Hinzu kommen steigende Kosten, Fachkräftemangel und eine wachsende Bürokratie. Die Herbstumfrage der Verbände bestätigt: Zwei Drittel der Heimtex-Mitglieder bewerten ihre Perspektiven für das zweite Halbjahr als schlecht oder eher schlecht. Im Matratzenverband ist die Stimmung etwas besser.
Märkte unter Druck: Rückgänge bei Heimtextilien und Matratzen
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im ersten Halbjahr 2025 verzeichneten Heimtextilien bei Möbel-, Deko- und Gardinenstoffen ein Minus von 12,6 Prozent, Bettwaren lagen mit 3 Prozent im Minus.

Die Matratzenindustrie meldet ein Umsatzminus von 8,7 Prozent, trotz eines leichten Absatzplus von 2,4 Prozent. Besonders Latexprodukte sind mit –23,5 Prozent die Verlierer, während Schaumstoffe (+11,9 Prozent Absatz) und »Sonstige« (+23,6 Prozent Absatz) zulegen konnten.
Forderungen an die Politik: Bürokratieabbau und Kostenentlastung
Die Unternehmen sehen die größten Herausforderungen in Bürokratie, Preissteigerungen und verändertem Konsumverhalten. Entsprechend klar sind die Forderungen: weniger Vorschriften, niedrigere Kosten und Investitionen in Infrastruktur. Nur so könne die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland erhalten bleiben. Auch die Gefahr durch Billiganbieter aus Fernost wie Temu oder Shein wurde thematisiert – hier wünschen sich die Verbände einen entschlossenen politischen Handlungswillen.
Innovation als Ausweg: Kreislaufwirtschaft und KI
Trotz aller Schwierigkeiten gibt es Lichtblicke. Projekte wie ReNewTex und Circular.Office treiben die Transformation hin zu einer zirkulären Wirtschaftsweise voran. Erklärvideos und Leitfäden sollen Unternehmen und Verbraucher für nachhaltige Konzepte sensibilisieren. Zudem setzt die Geschäftsstelle der Verbände auf digitale Werkzeuge und KI, um Informationsflut und Fachkräftemangel zu begegnen. Auerbach appellierte an die Mitglieder, Technologien wie ChatGPT stärker zu nutzen – nicht als Ersatz, sondern als Impulsgeber für neue Ideen.
Ausblick: Netzwerke stärken, Chancen nutzen
Die nächste Jahrestagung des Matratzenverbandes findet im November 2026 beim Unternehmen Auping in Deventer/Niederlande statt, die nächste gemeinsame Jahrestagung mit dem Heimtex-Verband wird wieder im Jahr 2027 erfolgen. Bis dahin bleibt die zentrale Aufgabe, die Branche durch Innovation, Kooperation und politische Unterstützung »wetterfest« zu machen. Denn eines wurde in Hamburg deutlich: Wer zusammensteht, kann auch stürmische Zeiten überstehen.


