01.02.2020 | Messeartikel Seite 22-35 in Ausgabe 2/2020

»Heimtextil« setzt Impulse mit einem Content-getriebenen Programm

Auch die 50. Ausgabe der »Heimtextil« konnte den Abwärtstrend bei Besuchern und Ausstellern nicht aufhalten. Man merkt, dass die Branche vor immensen Herausforderungen steht, was auch einige Beteiligte auf der »Heimtextil« zu spüren bekamen.

Es wurde zwar die 50. Ausgabe der »Heimtextil« gefeiert, doch am Ende dürfte beim Veranstalter Messe Frankfurt der Katzenjammer überwogen haben. Grund ist ein neuerlicher Einbruch bei den Besucherzahlen. Laut offiziellem Bericht der Messegesellschaft kamen rund 63000 Besucher zur Messe (2019: 67500). Das sind 4500 Besucher weniger als im Vorjahr! Doch »gefühlt« waren es wesentlich weniger Messebesucher, die den Weg in die Frankfurter Messehallen fanden. Von der Messe heißt es hierzu: »Wie erwartet sorgte insbesondere der einmalige frühe Termin für eine Delle bei den Besucherzahlen.«
2019 waren es die erschwerten Anreisebedingungen aufgrund der schwierigen Wetterverhältnisse und der streikbedingten Flugausfälle in Deutschland. 2017 gab es die Wetter-Kapriolen am ersten und letzten Messetag als Begründung.
Aber erklärt das auch den Rückgang bei den Ausstellern? Besucher konnten sich in diesem Jahr bei 2952 Unternehmen (2019: 3025) aus 65 Ländern informieren.
Die Aussteller selbst zeigten sich – zumindest in Halle 3.1 in puncto Tapete und in Halle 8.0 mit dem Sonnenschutz –, vorsichtig formuliert, recht erstaunt über die doch äußerst spärlich besuchten Stände. Hier darf, nein muss die Frage gestellt werden, ob eine jährliche Auflage der »Heimtextil« noch zeitgemäß ist. Denn solch ein Messeauftritt bedeutet für die Aussteller einen erheblichen, nicht nur finanziellen Aufwand. Lohnt sich da eine jährliche Auflage wirklich? Im Sonnenschutz eher nicht, zumal dort eigentlich nur noch zwei Aussteller aus dem Kreis der bekannten Hersteller antreten. Dass die Entscheidung der Zusammenführung von Heimtextilien und Sonnenschutz richtig war, bestätigten Aussteller im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch auch hier kann man nicht von einer »Besucherflut« sprechen.
In der Tapetenhalle 3.1 geriet man ohne große Mühe, ohne Stop-and-go direkt an die gewünschte Stelle. Und hätte man doch Müdigkeitserscheinungen gehabt, so ermöglichten diverse Sitz- und Freiflächen in der Halle eine Verschnaufpause. Und auch die Ansprechpartner hatten diesmal genug Zeit für längere Gespräche.

Reichhaltiges Event-Programm
Auch wenn man aufgrund der Besucher- und Ausstellerzahlen nicht in Euphorie verfallen kann, so bot die Jubiläumsausgabe der »Heimtextil« das reichhaltigste Event-Programm ihrer Geschichte. Über 150 Vorträge und Diskussionsrunden, 30 geführte Messerundgänge und zahlreiche weitere Programmpunkte lieferten Inspirationen zu den Produktneuheiten und forcierten den Austausch zwischen Vertretern aus Industrie und Handel, Design, Innenarchitektur und Hospitality. Allen voran der gut frequentierte »Trend Space« mit seiner einzigartigen Inszenierung lieferte wichtige Branchen-Informationen am Puls der Zeit.
»Wissbegierige Händler, die am Markt etwas bewegen und mit der Zeit gehen, holen hier in Frankfurt ihren Schwung für die neue Saison. Die ›Heimtextil‹ hat als weltgrößte Messe existenzielle Bedeutung für unsere Branche. Es gibt auf keiner Messe eine größere Informationsdichte«, sagte Ottmar Ihling, Sprecher des Deco-Teams, und zog ein positives Fazit für die Interessengemeinschaft deutscher Heimtextilanbieter in der Halle 8.0.

Nachhaltigkeit eines der Top-Themen
Ob Start-up oder Traditionsunternehmen – an umweltschonenden Materialien und Produktionsverfahren kommt 2020 kein Hersteller vorbei. Auch große Namen legen Wert auf Textilien aus zertifizierten Materialien und vermeiden Plastikverpackungen. Zu den Vorreitern in puncto Kreislaufwirtschaft zählt das Krefelder Unternehmen Deco Design Fürus mit der Marke »Ocean-Safe«. »Die ›Heimtextil 2020‹ war für uns eine außerordentlich erfolgreiche Messe. In den vielen Gesprächen, die wir hier führen konnten, hat sich ganz klar gezeigt: Unsere Kunden können inzwischen sehr gut zwischen Greenwashing und Cradle-to-Cradle-Kreislaufwirtschaft unterscheiden«, bilanzierte Manuel Schweizer, CEO von Deco Design Fürus.
Die nächste »Heimtextil« findet vom 12. bis 15. Januar 2021 statt.

Sabine Langanke

 

 

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