Holzring: Impulse für eine nachhaltige Zukunft der Holzwirtschaft
Das 20. Holzring-Forum im Oktober stand diesmal ganz im Zeichen von »Innovation und Nachhaltigkeit in der Holzwirtschaft«. »Und das mit Fug und Recht«, wie Holzring-Geschäftsführer Olaf Rützel den Teilnehmern bei seiner Begrüßungsrede in der »Alten Werft« in Bremen erklärte. »Denn schließlich spielt Holz beim Thema Nachhaltigkeit eine Schlüsselrolle und wir können davon ausgehen, dass wir auf der guten Seite stehen werden, wenn die Konjunktur wieder an Fahrt aufnimmt. Wir arbeiten mit einem Werkstoff, der zukunftssicher und zukunftsweisend ist. […] Wenn also in den nächsten Jahren die Lücke von rund 600 000 Wohnungen ausgeglichen werden muss, dann wird hoffentlich mit Holz gebaut.« Auch bei den darauffolgenden Expertenvorträgen, Diskussionsrunden und Netzwerkgesprächen lag das Augenmerk wie angekündigt vor allem auf den Herausforderungen und Chancen, die die europäische Nachhaltigkeitspolitik und insbesondere der »Green Deal« für die Holzbranche mit sich bringen – und bei denen Holz als nachwachsender und CO₂-bindender Rohstoff schon jetzt im Zentrum vieler Maßnahmen steht.
Als Plattform für Austausch und Inspiration in der Holzbranche zog die Veranstaltung auch diesmal wieder zahlreiche Gesellschafter, Lieferanten und Branchenexperten an. Diese wurden vom Vorsitzenden des Holzring-Beirats, Jörg Ludwig Jordan, mit einer motivierenden Eröffnungsrede begrüßt, in der er die Bedeutung von Innovation und gemeinschaftlichem, preis- und wertebewusstem Handeln in der Holzbranche betonte. »Wir haben diesmal eine andere Location wählen müssen als sonst – aber vielleicht passt das auch sehr gut, denn der Zustand dieses Gebäudes erinnert ein bisschen an den Zustand unserer Branche zurzeit – im positiven Sinne«, fand Jordan und appellierte: »Wir sind hier in einer alten Werft, in der gewerkelt und gearbeitet wurde – und ich glaube, das ist es, worauf wir uns in Deutschland wieder besinnen müssen: die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken […] und so die Probleme, die wir in diesem Land haben, besser und erfolgreicher angehen zu können.« Weiter lautete sein Rat, kostendeckend zu arbeiten und auskömmliche Margen zu erzielen, denn: »Es hat noch nie einer Branche geholfen, die Preise ständig zu senken. Das ist schädlich und am Ende steht als Dank dann auf dem Grabstein: ›Er war immer der Billigste‹.«
Zukunftsweisende Schlüsselthemen
Rützel bot indessen einen Überblick über die Historie des Holzhandels in Bremen und die Entwicklung der Holzring-Kooperation, wobei er bei Letzterem den Fokus auf die Schlüsselthemen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und die aktuelle Marktsituation legte. Um seinen Mitgliedern hierbei auch in Zukunft wichtigen Mehrwert bieten zu können, fokussiert sich das Netzwerk/der Verbund aktuell darauf, zum einen die Digitalisierung und die sozialen Medien strategisch weiter auszubauen und Wertschöpfungspartnerschaften mit den Mitgliedern durch neue Dienstleistungen auf der Website weiter zu vertiefen. Zum anderen ist Holzring eine Kooperation mit der Dualen Hochschule DHBW Mosbach eingegangen, um so die Nachwuchsförderung weiter zu bedienen. Auch das Thema Nachhaltigkeit steht natürlich auf der aktuellen Agenda. »Vor zwei Jahren hatten wir mit dem RAL-Gütezeichen ›Nachhaltiger Handel Holz- und Bauprodukte‹ die richtige Idee zur richtigen Zeit«, freute sich Rützel: »Unser Ziel ist es nun, beim RAL-Gütezeichen die Güte- und Prüfbestimmungen neu zu formulieren, die die Anforderungen der EUDR abbilden. Damit möchten wir bis Mitte nächsten Jahres eine moderierte, begleitete und zertifizierte Methode anbieten, um sich mit dem extrem komplexen Thema EUDR auseinanderzusetzen.«
Herausforderung und Chance
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Podiumsdiskussion unter dem Thema »Der Europäische Green Deal – Risiko oder Chance?«. Diese brachte führende Branchenvertreter zusammen, die den »Green Deal« und seine Auswirkungen auf die Holz- und Bauwirtschaft aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten. Rützel eröffnete die Diskussion mit einer Erläuterung und Analyse der Chancen und Risiken des Europäischen »Green Deals« für die Holzwirtschaft. Olaf Demuth, Vorstand der Zech Group, beleuchtete seine Auswirkungen auf die Bauindustrie und die Nachfrage nach nachhaltigen Baustoffen. Xaver A. Haas, geschäftsführender Gesellschafter der Haas Group, fokussierte sich indes auf die Herausforderungen der Rohstoffverfügbarkeit und die Bedeutung von Innovationen. Claudius Moor, Mitglied der Arbonia-Konzernleitung, erörterte die Einflüsse des »Green Deals« auf Investitionen und Produktionsprozesse, während Jörg Ludwig Jordan, geschäftsführender Gesellschafter bei W. & L. Jordan, dessen Anforderungen an den Holzhandel analysierte. Dr. Katharina Gamillscheg, Hauptgeschäftsführerin Tischler Schreiner Deutschland, vertrat die Perspektive des Holzhandwerks und diskutierte die Herausforderungen und Chancen für die Tischler und Schreiner. Timo Lemcke, Prokurist bei Enno Roggemann, und Steffen Thalhofer, Geschäftsleitung bei Porter, stellten die Fragen und brachten den Blickwinkel der jungen Generation in die Diskussion ein. Ein zentraler Konsens war, dass die Transformation zur Nachhaltigkeit auch eine Chance für die Branche darstellt, Innovationen voranzutreiben und neue Marktchancen zu erschließen.

