Holzring: Treffen der Holzwirtschaft mit Rekordbeteiligung
Rund 300 Fach- und Führungskräfte trafen sich Mitte Oktober in Bremen zum traditionellen Holzring-Forum, das in diesem Jahr unter dem Motto »Gute Zusammenarbeit besser machen« stand. Entsprechend traditionsreich war auch der Tagungsort – das Bremer Konzerthaus »Die Glocke«, das den perfekten Rahmen für den Gedankenaustausch und die Gespräche zwischen Industrie und Handel bot. Sowohl die Begrüßung der Teilnehmer durch Jörg L. Jordan, den Vorsitzenden des Holzring-Beirats, der Bericht von Olaf Rützel, Geschäftsführer der Holzring-Zentrale, als auch die beiden Gastvorträge zu »Unternehmensnachfolge« und »Nachhaltigkeit« boten interessante sowie inspirierende Informationen und damit reichlich Stoff für vertiefende Gespräche.
Fachkräftemangel, Marktentwicklung und die multiplen Krisen, die derzeit Europa erschüttern: In seiner Begrüßung ging der Beiratsvorsitzende Jörg L. Jordan zunächst auf all die drängenden Themen der Zeit ein, die auch die Holzwirtschaft belasten. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass die in Bremen vertretenen Unternehmen diese Krise ebenso wie die Krisen in der Vergangenheit mit Erfolg meistern werden. Zumal sich für die Holzwirtschaft auch besondere Chancen eröffnen, die es zu erkennen und zu nutzen gelte. Eine große Chance sieht Jordan, der auch Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg ist, in der energetischen Sanierung von Gebäuden im Bestand. Denn um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) bis spätestens 2050 rund drei Viertel der rund 22 Mio. Gebäude in Deutschland klimaneutral saniert werden. Das sind rund 2500 Gebäude jeden Tag. Davon ist Deutschland aber noch weit entfernt. Um den vorherrschenden Modernisierungs- und Sanierungsstau aufzulösen, hat die Politik entsprechende Förderprogramme aufgelegt, »von denen wir in großem Umfang profitieren werden«, so Jordan.
Rückblick auf 50 Jahre Holzring
Im vergangenen Jahr beging der Holzring sein 50-jähriges Bestehen. Da die Jubiläumsfeier wegen der Pandemie ausfallen musste, erinnerte Olaf Rützel an die vorausschauenden Persönlichkeiten aus dem Holzhandel, die sich unter der Devise »Kooperationen machen es möglich, freies Unternehmertum mit gemeinschaftlicher Stärke zu kombinieren« 1971 zu einer Holz- und Platteneinkaufsgesellschaft zusammengeschlossen und damit das Fundament für eine erfolgreiche Kooperation gelegt haben. Dabei galt stets und gilt nach wie vor die Maxime, die der Firmengründer der Carl Götz GmbH, Hans Zumsteg, einst formuliert hat: »Wir handeln verantwortlich wie ein Kaufmann, aber lassen dabei die Menschlichkeit nie außer Acht.« Besonders deutlich wird dieser menschliche Faktor auf dem Holzring-Forum, das stets von einem sehr partnerschaftlichen Miteinander geprägt ist.
Neues Kapitel in der Holzring-Geschichte
50 Mitgliedsunternehmen, 3,1 Mio. Betriebs- und Lagerflächen, 9300 Mitarbeiter und ein Umsatz von insgesamt 3,45 Milliarden Euro: Mit diesen Kennziffern stellte Rützel die Erfolgsgeschichte der Kooperation kurz und eindrucksvoll dar. Und diese Erfolgsgeschichte wird in diesem Jahr fortgeschrieben. Mit einem Plus von 4 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zentralregulierter Umsatz erwartet der Holzring für 2022 erneut ein Rekordergebnis, das den Anspruch der Kooperation, nämlich »erfolgreiche Unternehmer noch erfolgreicher zu machen«, überzeugend untermauert. Zugleich wurde die Holzring-Story in diesem Jahr um ein weiteres Kapitel ergänzt. Unter der Überschrift »Gute Zusammenarbeit besser machen« hat die Kooperation für ihre Lieferanten eigens eine Website eingerichtet. Unter www.holzring-lieferanten.de können sie sich beispielsweise über besondere Dienstleistungen oder über Termine und andere Holzring-Angebote informieren. Zudem können sie sich passwortgeschützt in einen internen Bereich einloggen. »Dieses digitale Portal für Lieferanten ist einmalig und ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Holzring-Kooperation«, unterstrich Rützel. »So behalten auch die Holzring-Lieferanten alle relevanten Informationen, individuelle Daten und Transaktionen tagesaktuell im Blick. Das Elektronische Produktdaten-Informationssystem (EPIS) ist ebenso integriert wie Funktionen für den cloudbasierten Dokumentenaustausch.«
Gütesiegel für nachhaltiges Handeln vorgestellt
Auf dem Holzring-Forum stellte Rützel auch das geplante RAL-Gütezeichen »Nachhaltiger Handel mit Holz- und Bauprodukten« vor, für das die 2007 auf Initiative des Holzrings gegründete »Gütegemeinschaft Holz- und Baustoffhandel e.V.« kürzlich das Anerkennungsverfahren auf den Weg gebracht hat. Nachhaltigkeit werde die Mitgliedsunternehmen in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen, weiß Rützel. Nicht nur, weil Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern sowie Umsatzerlösen über 40 Mio. Euro und einer Bilanzsumme von über 20 Mio. Euro ab 2024 sowie mittlere und kleinere Unternehmen ab 2026 einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen müssen, sondern auch, weil nachhaltig wirtschaften bedeutet, Unternehmen so zu führen, dass sie dauerhaft bestehen können. Dazu müssen soziale, ökologische und ökonomische Belange immer wieder neu gegeneinander abgewogen und in ein vernünftiges Verhältnis gebracht werden. »Das neue Gütezeichen wird die Unternehmen dabei unterstützen. Außerdem ist es ein weiteres wichtiges Alleinstellungsmerkmal, um sich vom Wettbewerb klar abzugrenzen«, bekräftigte Rützel, der damit rechnet, »dass das neue RAL-Gütezeichen ab 2023 verliehen werden kann«.
Erfolgsstory Nachhaltigkeit
Warum Nachhaltigkeit der Schlüssel für zukünftiges Wachstum und neue Kooperationsmodelle ist, erläuterte Philipp Utz, Mitglied des Vorstands der Uzin Utz AG, in seinem Gastvortrag. Das Unternehmen, das sich seit der Gründung im Jahr 1933 zu einem führenden Anbieter für Bodensysteme entwickelt hat, will bis 2025 Vorreiter bei ressourcenschonenden Verlegesystemen und klimaoptimierter Produktion sein. Die Strategie auf dem Weg dahin basiert auf vier Pfeilern der Nachhaltigkeit – »Profit«, »Products and Services«, »People« sowie »Planet«. In Zahlen ausgedrückt: »Planet« steht für 25 Prozent weniger klimaschädliche Emissionen, »Products and Services« für 5 Prozent mehr Umsatz durch neue Produkte, »People« für 90 Prozent Weiterempfehlungsrate und »Profit« für über 550 Mio. Euro Umsatz. Um diese ehrgeizigen Ziele zugunsten von Umwelt und nachhaltigem Wachstum zu erreichen, braucht es nach Worten von Philipp Utz »Unternehmer, die Umweltschutz ernst nehmen und dies im Unternehmen aktiv umsetzen, sowie Menschen, die Ideen kreieren und mit Eigenmotivation vorantreiben«.
Holzhandel muss »cooler« werden
Bauen mit Holz bedeutet aktiven Klimaschutz. Ein wichtiger Punkt, der gerade aus Sicht der nachfolgenden Generationen für den nachwachsenden Rohstoff spricht, von der Holzbranche aber noch zu wenig kommuniziert wird. Zudem tut sie sich mit der Digitalisierung immer noch sehr schwer. Das sind nur einige der Herausforderungen, die der Holzhandel meistern muss, um für die nächste Generation attraktiv zu sein. Wie aber bauen wir in den nächsten 20 Jahren ein zeitgerechtes und »cooles« (Holz-) Handelsunternehmen auf? Antwort auf diese Frage gaben Stefan Thalhofer, geschäftsführender Gesellschafter der Georg Thalhofer OHG, und sein Sohn Steffen Thalhofer, Geschäftsleitung der XCYDE GmbH, einem Tochterunternehmen der Thalhofer-Gruppe, in einem gemeinsamen Vortrag, der in seiner generationsübergreifenden Form ein Novum auf dem Holzring-Forum war. Stefan und Steffen Thalhofer repräsentieren die dritte und vierte Generation des bayerisch-schwäbischen Familienunternehmens, das mit 16 Standorten zu den Top-Adressen im Holzgroßhandel gehört und ein herausragendes Beispiel für eine gelungene Integration der zukünftigen Generation in eine zukunftsorientierte Unternehmensentwicklung darstellt.
Informativ und konstruktiv
Das Holzring-Forum hat auch 2022 die hohen Erwartungen und Ziele der Teilnehmer erfüllt, darin waren sich alle einig. Die Veranstaltung war perfekt organisiert und das Ambiente niveauvoll, die Vorträge waren sehr informativ und es wurden spannende und abwechslungsreiche Gespräche geführt. Und dass in den offiziellen Reden keine Krisensignale, sondern im Gegenteil ein gewisser Optimismus ausgesendet wurde, wurde von vielen »gerade in diesen Zeiten« als besonders positiv und wichtig bewertet.
Festlicher Ausklang
Zum Ausklang des Holzring-Forums trafen sich die Teilnehmer wieder zu einem festlichen Abendessen mit musikalischer Untermalung in der Oberen Halle des Bremer Rathauses. Der Ort wurde mit Bedacht ausgewählt, denn in diesem altehrwürdigen Festsaal findet seit 1952 auch die traditionelle Schaffermahlzeit statt. Dieses älteste Brudermahl der Welt dient wie das Holzring-Forum dazu, persönliche Kontakte zu knüpfen und zu stärken.
Sabine Langanke

