Interface ist in Bewegung
Bei den Krefeldern hat sich einiges getan: neues Headquarter, strategische Großhandelspartnerschaften mit der Mega sowie neuerdings mit Jordan, und LVTs wurden ins Produktprogramm aufgenommen.
2017 hat sich bei Interface viel bewegt, nachdem sich Interface im September 2016 sozusagen »selbst bewegte« – nämlich in das neue Krefelder Headquarter im Mies-van-der-Rohe-Business-Park. Dort befinden sich die neuen, absolut sehenswerten Räumlichkeiten. Das Interior-Konzept für die rund 650 m² Büroräume folgt den Prinzipien des »Biophilic Designs«. Eine zeitgemäße Multi-Space-Lösung ermöglicht über Zonierungen gemeinsames Arbeiten ebenso wie Rückzug für mehr Ruhe und Konzentration. Eine Treppe im Zentrum des Büros verbindet in Zukunft das Erd- mit dem Untergeschoss.
So viel zur »Bewegung« in 2016. Was das laufende Jahr angeht, so war es aber alles andere als still um den Hersteller modularer Bodenbeläge. Allein auf Personalseite hat sich einiges getan: Alexander Friesen wurde zum Prokuristen und Vertriebsleiter Deutschland ernannt, mit Jan-Patrick Brödje wurde die Position eines Key-Account-Managers für den Großhandel geschaffen, Anne Salditt steuert nunmehr als Marketing Director die gesamte Region DACH und last, but not least ist Nils Rödenbeck zum Vice President & General Manager berufen worden. Rödenbeck ist in dieser Funktion in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die gesamtwirtschaftliche Geschäftsentwicklung des Unternehmens zuständig. Apropos DACH-Region. Diese wurde erst im April 2017 zusammengeführt, um die Synergien mit Österreich und der Schweiz voll auszuschöpfen. Doch der Strategie nicht genug. 2017 markiert für Interface auch deswegen ein besonderes Jahr, da strategische Großhandelspartnerschaften (mit Mega-Hausmesse-Einstand) geschlossen wurden und man jetzt durch die Aufnahme von LVTs nicht mehr ganz so »flauschig« ist. In diesem Zuge hat sich auch der Firmenzusatz geändert: Interface – modular flooring.
Über diese vielen Themen sprach OBJEKT in der neuen Firmenzentrale mit Anne Salditt und Nils Rödenbeck.
Redaktion: In puncto Teppichfliese ist viel Aufwind zu spüren. Hersteller von Bahnenware setzen vermehrt auf Modularität, und LVT-Hersteller nehmen ebenfalls diese Produktgattung in ihr Programm auf. Die Anbieterzahl wird also größer. Wie nimmt Interface diese Entwicklung wahr?
Nils Rödenbeck: Der Trend geht eindeutig hin zum Modularen und damit zur Teppichfliese. Schaut man sich die letzte »Orgatec« in 2016 an, so hat sich dies auch bestätigt. Die Teppichfliese ist im Office nicht »nur« angekommen, sie hat sich wirklich etabliert und in vielen Bereichen sogar durchgesetzt. Viele Marktbegleiter, die traditionell eher in der Bahnenware verortet sind, haben eher unfreiwillig die Teppichfliese aufgenommen, da sie vom Markt dazu gedrängt wurden.
Anne Salditt: Die »Orgatec 2016« zeigte eindringlich, wie sich der Markt verändert hat. In 2014 waren wir als Hersteller modularer Böden auf der »Orgatec« auf Ausstellerseite fast allein. Drehten sich damals die Gespräche mit den Kunden noch darum, was dies für ein Produkt ist und warum man es einsetzen sollte, geht es inzwischen darum, was man mit der Fliese alles machen kann und welche Designmöglichkeiten es gibt. Das zeigt auch die Akzeptanz im Markt.
Die Teppichfliese ist in den Köpfen implementiert
Rödenbeck: In Büroprojekten, bei welchen unser Fokus stark auf Architekt und Nutzer liegt, fangen wir gar nicht mehr mit der klassischen Aufklärungsarbeit pro Teppichfliese an, da das Thema bereits in den Köpfen implementiert ist. Das ist sicherlich dem Trend zu modularen Lösungen wie LVT zu verdanken, doch eben auch den weiteren Anbietern, welche die Teppichfliese ins Gespräch bringen. Je mehr Hersteller auf den Markt kommen und das Produkt Teppichfliese auch beherrschen, Marketingbudgets in die Hand nehmen und das Thema Modularität promoten, desto besser.
Natürlich verfolgen wir die Marktentwicklung genau. Wir haben aber keine Angst vor Wettbewerbsdruck. Eher freuen wir uns darüber.
Redaktion: Erfreulich war auch Ihr Geschäftsverlauf in 2016/2017? Wie entwickeln oder strukturieren sich die Umsätze?
Rödenbeck: In der Teppichfliese, so bestätigen die Gesamtmarktzahlen, sind wir in Deutschland Marktführer. Im vergangenen Jahr konnten wir zweistellig wachsen und in 2017 werden wir auch wieder zwischen 10 und 15 Prozent zulegen.
Salditt: Der größte Umsatzanteil liegt bei unserem Steckenpferd, das nach wie vor das Office-Segment ist. Auch erfreulich entwickelt sich der Großhandel, der seit diesem Jahr mit der Mega am Start ist.
Strategische Großhandelspartnerschaften mit Mega und Jordan
Redaktion: Seit diesem Jahr widmen Sie sich durch sogenannte strategische Partnerschaften explizit dem Großhandel. Was können Sie uns davon berichten?
Rödenbeck: Das Großhandelsgeschäft entwickelt sich sehr positiv und damit ist es sehr zukunftsträchtig. Für Interface Deutschland stellt der Großhandel eines der wichtigsten strategischen Wachstumsfelder dar. Wir werden den Vertriebszweig Großhandel in den kommenden Monaten weiter ausbauen. Natürlich haben wir auch schon vorher Umsätze mit dem Großhandel gemacht, aber eher spezifikationsgeschäftsgetriebene. Nun wollten wir aber diesen Vertriebskanal stärker aktivieren und strategischer bearbeiten. Extra hierfür haben wir die neue Position eines Key-Account-Managers geschaffen, die der Bedeutung dieses Kanals Rechnung trägt und welche die gezielte Unterstützung strategischer Großhandelspartner umfasst. Mit Jan-Patrick Brödje haben wir einen engagierten und erfahrenen Kollegen bekommen, der die Entwicklungen im Großhandel seit Jahren verfolgt und kennt.
Redaktion: Sie sind mit der Mega als erstem strategischem Partner gestartet. Werden weitere folgen und gibt es eine Grenze nach oben?
Rödenbeck: Seit September 2017 haben wir mit Jordan auch einen weiteren strategischen Großhandelspartner. Wir müssen die Dinge Schritt für Schritt machen und uns herantasten. Das Thema Großhandel war einige Jahre auf der Agenda. In dieser Zeit haben wir uns nur Fragen gestellt und Hausaufgaben gemacht, Großhändler besucht, aufgesaugt, gelernt und daraus unsere Schlüsse gezogen. Wenn wir über strategische Partnerschaften sprechen, müssen wir auch daran denken, dass wir nachhaltig und profitabel wachsen wollen. Wir sind mit unseren Kapazitäten und in unserer Größe auch irgendwo limitiert – wir werden jetzt nicht 25 Außendienst-Mitarbeiter einstellen, die sich um den Großhandel kümmern.
Redaktion: Was bedeutet eine strategische Partnerschaft?
Rödenbeck: Strategische Partner bekommen einen besonderen Fokus. Es ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe, wir haben uns sozusagen ganz offiziell verheiratet. Unsererseits bedeutet das Betreuung: die Großhandelsmitarbeiter schulen, vor Ort und Ansprechpartner für Kunden und Mitarbeiter der jeweiligen Niederlassung sein. Der Key-Account und Anwendungstechniker sind nur für den Partner da. Jan-Patrick Brödje »lebt« und »atmet« Mega.
Salditt: Für strategische Partner erfolgt auch ein Investment unsererseits: Marketingaktivitäten, Hausmessen, exklusive Produkte und so weiter. Den klassischen Weg der Kollektionierung machen wir natürlich seit Jahrzehnten und auch gern weiterhin. Nur weil wir strategische Partnerschaften unterhalten, heißt das nicht, dass wir mit dem Rest nicht zusammenarbeiten.
Rödenbeck: Nicht jeder Großhandel ist auch dazu bereit, eine strategische Allianz nach außen offen einzugehen. Wir investieren in unsere Partner nicht nur, sondern fordern auch von unseren Partnern entsprechende Aktivitäten.
Redaktion: Stocken Sie personell in puncto Großhandel auf?
Rödenbeck: Das haben wir vor. Wir investieren personell dann entsprechend in der Geschwindigkeit und in der Verträglichkeit mit unserer Kostenstruktur. Wir haben erst acht Monate Erfahrungswerte in dieser Konstellation gesammelt und müssen jetzt danach schauen, wie sich die Zusammenarbeit und die Umsätze entwickeln. Ob das zum Ende des Jahres ein neuer oder zwei neue Key-Accounter werden, hängt aber auch davon ab, wen wir bekommen. Es muss genau der Richtige sein, der zu uns passt.
Durch die strategischen Partnerschaften erzielen wir jedenfalls einen wunderbaren Hebeleffekt, erreichen wir doch Handwerker, für die wir als Interface allein kein adäquater Partner gewesen wären.
Zum Thema LVT: hart ergänzt soft
Redaktion: Seit kurzem haben Sie auch LVT ins Programm genommen. Warum?
Rödenbeck: Kunden fordern bei globalen Ausschreibungen zunehmend Systemanbieter und die Integration unterschiedlicher Bodentypen. Und wir konnten bis dato nur Textil bespielen. Durch die LVT-Kategorie haben wir die Chance, weiterhin zu wachsen.
Salditt: Wir glauben, dass wir durch den Einsatz von LVT eine ideale Ergänzung haben, allein was die Kombination mit der Teppichfliese angeht. Wir haben ein LVT-Produkt entwickelt, das format- und designtechnisch sowie in der Installation perfekt harmoniert. Natürlich bleiben wir unserer textilen Fliese treu, wir wollen uns aber als Partner für modulare Bodenlösungen weiterentwickeln. Wir werden und wollen einem LVT-Hersteller sicherlich nicht den Rang ablaufen – wir wollen das Produkt in Kombination mit Teppichfliese anbieten. In 15 000-m²-LVT-Objekten werden Sie uns nicht finden.
Redaktion: Was die Verlegung Ihrer LVTs anbelangt – Loose-Lay, Klick oder Dry-Back?
Rödenbeck: Ausschließlich Loose-Lay. Die Überschrift über allen unseren Entwicklungen ist das lose verlegbare System. So wie unsere Teppichfliesen performen, so sollen auch alle anderen Interface-Produkte diesem Maßstab folgen. Ebenso wie bei unseren Teppichfliesen sind die LVTs mit »TacTiles« verlegbar.
Salditt: Die erste LVT-Kollektion mit Namen »LevelSet« lässt sich nahtlos mit den Teppichfliesen verlegen und ist als Planke (25 x 100 cm) oder als Fliese (50 x 50 cm) erhältlich. Die Formate sind also deckungsgleich mit den Teppichfliesen.
Redaktion: Interface als langjähriger »Softie« wird jetzt also »härter«. War dies intern auch ein Umdenkprozess?
Rödenbeck: Wir sind noch voll in diesem Prozess. Es ist ein emotionales Thema. Es macht strategisch aber Sinn, darauf zu setzen. Es gibt Anwendungsbereiche, die »soft« bedürfen, und es gibt eben auch Anwendungsbereiche, die »hart« bedürfen. LVT hilft eben dabei, in andere Segmente hineinzukommen. Das macht es auch dem Außendienst einfacher. Unsere ersten Gehversuche haben wir mit sehr gutem Feedback gemeistert. Erste kleinere Projekte wurden schon realisiert. Wir haben sogar »Liebes-Emails« von einem Verleger erhalten aufgrund der Systemgleichheit und Verarbeitbarkeit. Wie gesagt, LVT wird für uns kein Mengen-Geschäft werden. Dennoch verspreche ich mir viel davon. Das Produkt hat auch intern die Akzeptanz erreicht. Die Kollegen sind enthusiastisch. Und unterm Strich bleiben wir dem Modularen treu!
Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!
Thomas Ottaviano

