Jansen: Kämpfe für das, was du liebst!
»Wir sind noch nicht fertig, aber wieder da!« Mit dieser Botschaft hat sich die Lackfabrik Jansen aus Ahrweiler nach der Flutkatastrophe vom Juli zurückgemeldet. In einer offenen wie auch bewegenden digitalen Pressekonferenz Ende Oktober stellte Peter Jansen, Geschäftsführer der Lackfabrik Jansen, die Situation vor Ort in Ahrweiler dar und bedankte sich in aller Form bei den Helfern.
An den Bauzäunen rund um das Firmengelände in Ahrweiler ist die Botschaft »Kämpfe für das, was du liebst!« zu lesen. Dass der nun startende Wiederaufbau der Produktion am Standort Ahrweiler selbstverständlich auch im Hinblick auf CO₂-Neutralität und der damit -verbundenen Klima- und Umweltfreundlichkeit einhergehen muss, steht dabei für den Geschäftsführer außer Frage.
»Bei allem, was im Ahrtal passiert, müssen wir jetzt auch an die Zukunft denken und Themen bewältigen, die die chemische Industrie und die Gesellschaft im Allgemeinen betreffen. Dabei denke ich an den Green Deal und welche enormen Aufgaben damit verbunden sind. Es geht hierbei um Klimaschutz, Chemikalien-Strategien, die Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit. Die Regeln hierfür stehen noch nicht fest, aber wir werden sie antizipieren, in unsere Überlegungen mit einbeziehen und den Aufbau der Produktion planen. Wir denken dabei auch an eine CO₂-neutrale Energieversorgung und natürlich den Hochwasserschutz. Wir könnten genauso weiterarbeiten wie bisher, wenn wir an unseren Gebäuden nichts verändern. Hierfür haben wir eine Betriebserlaubnis, die weiter aufrechterhalten werden kann. Aber wir fühlen uns verpflichtet, an einen Wiederaufbau zu denken, der die Flut und die
Nachhaltigkeitsthemen der Zukunft berücksichtigt«, so Jansen.
Das Unternehmen ist mittlerweile im Groß- und Fachhandel mit einer Plakataktion unter den Mottos »Aufzugeben war nie eine Option« und »Wir sind noch nicht fertig. Aber wieder da.« präsent. Mit der Aktion »Sonderschichtlacke« wolle man zeigen, dass man wieder da ist.
Marketing- und Vertriebsleiter Holger Twiehaus bedankte sich für die Unterstützung der letzten Wochen und Monate und sagte: »Aufzugeben war nie eine Option.« Er betonte, wie stark der Wille im gesamten Team zu spüren sei, sich mit jedem Tag ein Stück Zukunft aus der Flut zurückzuerkämpfen. Und das, obwohl die Belastungen der letzten Zeit deutliche Spuren hinterlassen hätten.
»Niemals schachmatt und seidenglänzend wieder aufzustehen – dieser Wille war so stark, dass wir dieses als Glanzgrade auf unseren neuen Produkten verwendet haben«, erklärte Twiehaus und präsentierte die ersten Highlight-Produkte im Sonderdesign in einer schwarzen Dose.
Schnelle Lieferfähigkeit herstellen
Nach der Entschlammung des Unternehmens hat man die Auslagerung der Produktion vorangetrieben, um schnellstmöglich die Lieferfähigkeit in den Kernbereichen wiederherzustellen. So sollen der »Feinspachtel Rapid«, der »ISO TLR Türenlack Rapid«, die »ISO HDF Holzdeckenfarbe« und »ISO WSF Wetterschutzfarbe« ebenso wie der »Aqua Wandfliesenlack« und der »ISO Maler Vorlack« nun mit dem schwarzen Sonderschichtlack-Etikett in den Markt gehen. »Die Zusammenarbeit zwischen den Partnerunternehmen und unserem Labor war vorbildlich und hat unglaublich schnell zu diesem Ergebnis geführt«, betont Twiehaus. Das Sortiment werde nun sukzessiv wachsen. Das gesamte »#Sonderschichtlack-Sortiment« wird auf der Unternehmens-Website www.jansen.de laufend ergänzt und aktualisiert. Für eine reibungslose Logistik zeichnen dabei Partner in Kerpen und Urmitz verantwortlich, die von der Etikettierung bis zur Auslieferung eine belastbare Prozesskette aufgesetzt haben. »Unser Fokus lag immer auf einer sauberen, fehlerfreien und
leistungsstarken Abwicklung. Damit das auch zukünftig so bleibt, freuen wir uns sehr, in diesem Bereich zuverlässige Partner gefunden zu haben. Die Etikettierung erfolgt dabei zurzeit von unseren Mitarbeitern in Urmitz. Auch wenn dafür gegenwärtig keine Maschinen mehr vorhanden sind, dann machen wir das eben solange mit der Hand. Von solchen Umständen lassen wir uns ganz sicher nicht aufhalten«, so Twiehaus.
Frank Jakobs, Leiter Produktmanagement bei Jansen, ergänzt: »Wir haben jetzt über 100 Produkte aus unserem Sortiment in verschiedenen Ausführungen und Farbtönen neu darzustellen. Da aber unsere EDV nicht funktionstüchtig war, mussten wir uns von Kunden unsere eigene Preisliste schicken lassen, damit wir überhaupt wussten, was für Artikel und Packungsgrößen wir in unserem Sortiment haben. Hier hat man erst einmal gemerkt, wie abhängig man von der digitalen Welt ist. Um produzieren zu können, mussten Rezepturen mit Partnerunternehmen ausgetauscht werden, was natürlich eine unheimliche Vertrauensbasis darstellt. Ich glaube, so etwas hat es vorher noch nie gegeben. Mittlerweile haben uns aber die ersten fremdgefertigten Produkte im Lager Kerpen erreicht und wir hoffen, dass wir bis zum Frühjahr 2022 das komplette Sortiment stehen haben.«
Besonderer Dank
Einen besonderen Dank richtete Peter Jansen an die Mitarbeiter, die in den letzten Monaten mit unermüdlichem Einsatz das Traditionsunternehmen von einer über 20 cm dicken Schlammschicht befreit haben. »Was in unzähligen Sonderschichten geleistet wurde, macht mich sprachlos und stolz. Und da spreche ich nicht nur aus meiner eigenen Sicht, sondern auch aus der des gesamten Teams – und schließe hier ebenso die Gesellschafter mit ein. Unsere Mitarbeiter haben hier im Unternehmen schier Unfassbares geleistet, trotz der eigenen Belastung und der persönlichen Schicksale. Viele haben ihre Häuser und Wohnungen verloren oder mussten sich um Familienmitglieder kümmern. Wir haben in den ersten Wochen überlegt, wie bekommen wir den Aufbau des Unternehmens bewerkstelligt. Dann rollte die Hilfe an. Die Tage wurden zu kurz und die Wochen hatten keine Wochenenden mehr. Der Einsatz der Mitarbeiter, der damit verbunden war, war unermüdlich und großartig. Mein Dank gilt aber auch den vielen Partnern, die uns sehr schnell Hilfsgüter zur Verfügung stellten. Wir haben eine Unterstützung erfahren, mit der wir niemals gerechnet hatten. Es zeigte sich hier, wie wichtig es ist, dass wir sehr gut vernetzt sind. Dabei denke ich an unsere Lieferanten und Wettbewerber, die uns sofort ihre Hilfe angeboten haben, damit wir weiterhin auf dem Markt bleiben können. Und natürlich auch an die Kunden und Verbände, die uns mit Spenden und anderen Dingen geholfen und unterstützt haben.«
Produktionsstart
Einen ganz besonderen Lichtblick stellte abschließend Peter Jansen in Form eines Ausblicks dar: »Nach allen Erkenntnissen, die wir bislang gewonnen haben – und ohne jetzt zu viel versprechen zu wollen –, planen wir, Anfang 2022 die eigene Produktion am Standwort Ahrweiler wieder in Betrieb zu nehmen. Und wie könnte es anders sein: Der gesamte Erfolg unseres Unternehmens hatte seine Wurzel in der Produktion des Spachtels, für den wir jahrzehntelang gewissermaßen synonym standen. Und auch der Neuanfang wird mit der Produktion des Spachtels hier in Ahrweiler wieder beginnen – das wird dann der modernste ›gute, alte‹ Spachtel, den wir je produziert haben.«
Geschehnisse der Flutnacht
Auf der Website www.sonderschichtlack.de werden nunmehr die Geschehnisse der Flutnacht aus der Sicht der Belegschaft dargestellt. »Wir wollen mit dieser Seite ein Verständnis dafür herstellen, was in dieser Nacht wirklich passiert ist und in welchem Ausmaß es die gesamte Region getroffen hat. Gleichzeitig wollen wir dem unbändigen Engagement aller Helfenden und Unterstützenden, der Solidarität und dem Zusammenhalt der Menschen untereinander den Respekt zollen, den sie verdient haben«, betont Jansen abschließend.
Sabine Langanke


