Katja Krater: Bewusstes Handeln
Bleibe freundlich und wehre dich im Notfall.
Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Das haben Sie bestimmt in den vergangenen Wochen vermehrt gehört.
Dennoch fordert diese Redewendung den Zuhörer zum Mut und zum Wagnis ins Unbekannte auf. Eine Konsequenz aus der aktuellen Krise scheint die Bewusstwerdung zu sein, dass wir nicht nur Einzelwesen mit Einzelschicksalen sind, sondern auch Gruppenwesen, die sich dem Diktat der Gruppe unterwerfen müssen.
Aus diesem Grund möchte ich mit Ihnen ausgewählte Erkenntnisse der Spieltheorie teilen, denn sie belegen, unter welchen Maßgaben sich ein Kollektiv kooperativ verhält.
Die Spieltheorie ist eine mathematische Theorie, in der fiktive Beteiligte in einer Entscheidungssituation modelliert werden. Dabei versucht die Spieltheorie unter anderem, das rationale Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen abzuleiten. So ist die Spieltheorie ein Teilgebiet der Mathematik und bedient sich vielfältiger Anwendungsfelder.
In der Spieltheorie bezeichnet »Tit for Tat« die Strategie eines Spielers, der in einem fortgesetzten Spiel im ersten Zug kooperiert (sich »freundlich« verhält) und danach genauso handelt wie der Gegenspieler in der vorausgehenden Spielrunde. Hat der Gegenspieler zuvor kooperiert, so kooperiert auch der »Tit for Tat«Spieler. Hat der Gegenspieler in der Vorrunde hingegen »unfreundlich« reagiert, so antwortet der »Tit for Tat«Spieler (zur Vergeltung) ebenfalls mit einer unfreundlichen Aktion. Diese Strategie beinhaltet nicht nur das gerade dargestellte Prinzip der Gegenseitigkeit beziehungsweise des Talions »Auge um Auge, Zahn um Zahn: Tue anderen so, wie sie dir getan haben«, sondern auch der beschränkten Vergeltung, um Strafen gering und Belohnungen hoch zu halten. Dies gilt unabhängig davon, wie sich das Gegenüber verhält. Diese Strategie hat außerdem die Regel, zu Beginn einer Interaktion auf jeden Fall kooperativ zu handeln. »Tit for Tat« ist daher eine freundliche Strategie. Wenn zwei gut gesinnte Spieler aufeinandertreffen, kooperieren sie immer.
Und was hat die Spieltheorie mit dem aktuellen Corona-Ausnahmezustand mit allen gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen zu tun?
Wie wir auf Druck reagieren, liegt zuerst einmal in unserer Hand. Allzu oft vergessen wir, dass es unserem Gegenüber in Krisenzeiten wahrscheinlich auch nicht gut geht. Gerade in diesen Zeiten können bewusstes Handeln und Fairness im Business neue Akzente setzen. Halten wir uns innerlich an die oben beschriebene Verhaltenstheorie, zeigen wir eine positive Haltung und gestalten somit unsere Umwelt aktiv mit. Die oben beschriebene Strategie ist sehr einfach, da sie nur aus zwei Regeln besteht: bleibe freundlich und wehre dich im Notfall. Das nutzt der Gruppe insgesamt und bringt auch für Sie persönlich eine klare Haltung. Diese brauchen wir alle in diesen Tagen.
Ich hoffe, Sie können die Zeit konstruktiv für sich nutzen und etwas Positives für sich daraus mitnehmen. Bitte bleiben Sie gesund!
Ihre Katja Krater

