Katja Krater: Die Zustimmungsfalle
Auch Barnum- oder Forer-Effekt genannt
Angenommen, Sie werden von Ihrem Unternehmen aufgefordert, einen Persönlichkeitstest im Rahmen einer Schulung oder eines Arbeitsplatzwechsels zu beantworten und halten später das Ergebnis in den Händen. Was ist die übliche Reaktion dazu? Die Menschen neigen dazu, sich als objektiv einzuschätzen und meinen, einen Widerspruch im Ergebnis sofort erkennen zu können. Denn schließlich kennt niemand Sie besser als Sie sich selbst!
Leider ist das Gegenteil der Fall. Diese Zustimmungsfalle nennt sich Barnum-Effekt oder auch Forer-Effekt. Aus den immer wieder replizierbaren Versuchen konnte nachgewiesen werden, dass ein einheitlich an unterschiedliche Testpersonen herausgegebenes fiktives Ergebnisprofil von den Testpersonen einen sehr hohen Zustimmungswert (80 Prozent und mehr) erhielten. Doch woran liegt das?
Der Barnum-Effekt beschreibt die Neigung des Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person so zu interpretieren, dass sie als zutreffende Beschreibung empfunden werden. Dieses psychologische Phänomen wird auch als Forer-Effekt oder Täuschung durch persönliche Validierung bezeichnet. Der Begriff ist nach dem Zirkusgründer Phineas Taylor Barnum benannt. Dieser unterhielt ein großes Kuriositätenkabinett (American Museum), das »jedem Geschmack« etwas bieten sollte (»a little something for everybody«). Der US-amerikanische Psychologe Bertram R. Forer beschreibt das erstmals 1948 durchgeführte Experiment im oben aufgeführten Sinn.
Typische Barnum-Aussagen entstehen unter anderem durch folgende Aussagen, die von vielen Menschen geteilt werden. So werden Grundängste als individuell empfunden, sind jedoch eher allgemein existent. Beispiel: »Für den Schutz Ihrer Kinder würden Sie alles tun.« Genauso allgemeingültige Wünsche, beispielsweise nach einer sicheren Arbeitsstelle, einer gesunden Umwelt oder einem guten Beziehungsleben.
Ein weiteres Beispiel: »Sie handeln oft entschlossen, sind aber auch häufig unsicher, wie Sie sich verhalten sollen.« Die meisten Menschen kennen beides und empfinden daher die Aussage, die keine klare Gewichtung vornimmt, als auf sie zutreffend. Unscharfe Formulierungen wie »Sie neigen zur Faulheit« finden eher Zustimmung als konkrete wie »Sie haben heute noch nichts geschafft«.
Da der Barnum-Effekt sehr weit verbreitet ist und nicht zum gewünschten Erkenntnisgewinn beiträgt, möchte ich Ihnen gern ein paar Tipps zur Handhabung geben:
■ Jedes Ergebnis eines Persönlichkeitstests sollte mit einem Profi nachbesprochen werden. Profis sind an dieser Stelle Psychologen oder hochwertig ausgebildete Kräfte aus dem Personalbereich. Vergessen Sie bitte nicht die Relevanz dieser Daten. Diese entscheiden über ihren weiteren Berufsweg mit. Ihre Blutwerte lassen Sie auch vom Arzt auswerten.
■ Hinterfragen Sie die Ergebnisse konkret im Gespräch. Was bedeutet der Wert bezogen auf mich und meine Berufsrealität? Befinden wir uns bei oberflächlichen Instrumenten (erkennbar an Farbtafeln oder Buchstabenkürzeln, die »Typen« beschreiben), können diese detaillierten Informationen nicht ausreichend gegeben werden.
Leider sagt die Zustimmung zu einem Persönlichkeitsinstrument wenig über die Güte des Instruments aus. Allerdings sollten Sie die Chance, ein qualifiziertes persönliches Feedback zu bekommen, in jedem Fall nutzen.
Katja Krater

