Katja Krater: Durchhalten in unsicheren Zeiten
Empathie bzw. aktives Mitgefühl ist eine Schlüsseleigenschaft in der neuen Führungskultur.
Auch wenn, strenggenommen, die Zukunft immer ungewiss ist, so stehen wir doch Ende 2020 vor einer Jahrhundert-Herausforderung. Angela Merkel hat diesen Begriff in der Öffentlichkeit geäußert und damit einen Bezug zu anderen Herausforderungen hergestellt.
Doch wie gehen wir in unserem Arbeitsumfeld gut und bedacht mit dieser Herausforderung um? Neben individuellen Befindlichkeiten eint die Menschen aktuell ein diffuses Gefühl von Unsicherheit. Die Arbeitsrealität verändert sich dramatisch. Es müssen neue Wege der Kommunikation und Begegnung gefunden werden. Die Anforderungen an diese neue Arbeitsumgebung sind noch unklar.
Dieser Druck wird von den Menschen sowohl bewusst als auch unbewusst erlebt. Der unbewusste Anteil ist hierbei größer, da Menschen die Tendenz besitzen, unangenehme Gefühle zu verdrängen. Es entsteht ein ungerichtetes Gefühl von Bedrohung. In diesem Stadium büßt der Mensch seine Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit ein. Er ist innerlich blockiert und kann schwerer zu neuen Lösungen gelangen. Vera Birkenbihl, eine 2011 verstorbene bekannte deutsche Management-Trainerin, sprach vom Zustand des Menschen mit Reptiliengehirn. Dieser Mensch kann nur noch blind reagieren und verliert seine Fähigkeit, über den Tellerrand zu blicken.
Um im oben skizzierten Fall eine Brücke bauen zu können, kommt die Empathie ins Spiel, da sie eine mögliche Negativspirale verhindern kann.
Die Fähigkeit und Bereitschaft, Emotionen, Gedanken, Motive und Empfindungen einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden, wird als Empathie oder allgemeinsprachlich Einfühlungsvermögen bezeichnet. Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung – je offener eine Person für ihre eigenen Emotionen ist, desto besser kann sie auch die Gefühle anderer deuten.
Nach Paul Ekman (US-amerikanischer Anthropologe und Psychologe, der besonders für seine Forschungen zur nonverbalen Kommunikation bekannt wurde) handelt es sich bei der Empathie nicht um Emotionen, sondern um eine Reaktion auf die Emotion eines anderen Menschen. »Empathie ist eher wie eine Resonanzfähigkeit – man teilt ein Gefühl mit einem anderen Menschen.« Bei einer zu großen Empathie ist der Mensch der Gefahr ausgesetzt, überwältigt zu werden und in empathischen Stress zu geraten. Daher ist ein Zuviel an Empathie nicht zielführend. Es gilt eher das Einfühlungsvermögen im Sinne des Mitgefühls zu entwickeln. Dies hat eine andere Qualität und ist verbunden mit positiven, beruhigenden und liebevollen Gefühlen für das Gegenüber, ohne sich selbst in diesem Prozess aufzureiben.
Es wundert nicht, dass die Empathie oder besser ein aktives Mitgefühl als eine Schlüsseleigenschaft in der neuen Führungskultur beschrieben wird. Vorgesetzte müssen noch mehr als früher eine persönliche Beziehung zu ihren Mitarbeitern aufbauen. Im Idealfall treffen zwei Menschen mit diesen erweiterten Kommunikationseigenschaften aufeinander. Dann ist eine gute Voraussetzung dafür geschaffen, neue Lösungen und Perspektiven für die aktuelle Krise entwickeln zu können.
Kommen Sie gesund durch den Winter und passen Sie gut aufeinander auf!
Katja Krater

