25.02.2015 | Allgemein Seite 48-49 in Ausgabe 3/2015

Keimfarben: Die richtige Mischung macht’s

Von Anfang an stand die Forschung und das Handwerk im Mittelpunkt des traditionellen Familienunternehmens.

Der Handwerker und Forscher A.W. Keim erfand schon zu Zeiten von Johann Wolfgang von Goethe und König Ludwig I. die »Keim’sche« Mineralfarbe. Die Grundlage seiner 1878 patentierten Silikatfarben beruht auf der richtigen Mischung von flüssigem Kaliumsilikat (Wasserglas: das Bindemittel der Silikatfarbe) und anorganischen Farbpigmenten. Das Ergebnis war eine Farbe von hoher Qualität, extremer Dauerhaftigkeit, Schutz vor Wettereinflüssen und langjähriger Lichtechtheit. Noch heute sind Originalanstriche aus dem vergangenen Jahrhundert zu bestaunen. Damit hatte A.W. Keim den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte gelegt. Der Klassiker »Keim’sche« ­Mineralfarbe konnte in der Fassaden­gestaltung durch konsequente Weiterentwicklung der positiven Produkt­eigen­schaften und gezielte Anpassung an die verschiedenartigen Untergründe seine Stellung als führende Mineral­farbe festigen und ausbauen. Die Keimfarben GmbH ist heute ein führender Spezialist im mineralischen Bautenschutz, der sich weltweit durch nachhaltige Problemlösungen auszeichnet. Wie in einer Manufaktur können Kundenwunschfarben per Hand als Kleinstmengen angemischt, aber auch große Auftragsmengen vollautomatisch hergestellt werden. Das Spe­zial­gebiet des Unternehmens ist mineralisch-silikatischer Bautenschutz und ausgereifte, komplette Systemlösung für Fassade und Innenraum. Produziert wird an zwei Standorten mit einem Produk­tionsvolumen von 24 000 Tonnen pro Jahr an Farben und Putze. Im brandenburgischen Werk in Alteno werden die trockenen Produkte, wie Putze, Kleber und Armierungsmassen für Wärmedämmverbundsysteme, hergestellt und als Distributionsstandort für Norddeutschland und für den Versand nach ganz Nordeuropa genutzt.

Tradition und Innovation: Bei Keimfarben steht das Handwerk im Mittelpunkt.Der zweite Standort ist im bayerischen Diedorf, wo 220 Mitarbeiter die Produkte für die Farbsysteme herstellen. Die Silikatfarben werden hier mit über 300 Keim-Palettenfarben und als kundespezifische Sondermischtöne für den weltweiten Vertrieb produziert. Das Rohmaterial bzw. der Füllstoff wie Marmor, Quarz und Feldspat kommen aus der näheren Umgebung. Die Pigmente sind überwiegend aus anorganischem Eisenoxid und werden mittlerweile industriell hergestellt. Entscheidend ist, auf welche Weise, wie lange und bei welcher Temperatur gebrannt wird, dementsprechend entstehen die Farbtöne. Keimfarben setzt keine organischen und synthetischen Farbtöne ein. »Die Farbtonqualität und -beständigkeit geht uns über die Farbvielfalt«, so Rüdiger Lugert, Geschäftsführer Geschäftsführer Rüdiger LugertKeimfarben GmbH. In der Produktion laufen die Prozesse fast ausschließlich computergesteuert. Die Farben werden auf Knopfdruck gemischt, abgefüllt, verpackt bzw. verschweißt und im Hochregallager – mit einer Fläche von 640 m², das sind 3300 Palettenstellplätze – eingelagert. Ein eigenes Labor für Qualitätssicherung prüft nicht nur nach EU-Richtlinien und -Vorgaben, sondern erfasst auch systematisch den hohen Keim-Qualitätsstandard bei Rohstoffwareneingang und dem Fertigprodukt.

Forschung und Kompetenz wird stetig ausgebaut. Der neue Gebäudebereich »Forschung und Entwicklung« ist bereits in der Fertigstellungsphase. Hier sind die drei Schwerpunkte Grund­lagenforschung in der Silikattechnik, Labor für Baustoffanalytik und die praktische Anwendung für Farbe und Putz angesiedelt. Das hauseigene Schulungszentrum erfreut sich regen Interesses, in diesem Jahr gab es bereits erste Kapazitätsengpässe. Bis zu 2000 Besucher pro Jahr können von November bis April (Ausnahme Januar für interne Schulungen) das Schulungsangebot von Keimfarben nutzen. Ziel ist es, die Teilnehmerzahl zu verdoppeln. Nach dem Motto »Aus dem Handwerk für das Handwerk« möchte Keimfarben diese Zunft verstärkt er­reichen.

PR-Leiter Kurt VölkerNicht nur bei Schulungsteilnehmern, auch bei seinen Mitarbeitern erfreut sich Keimfarben großer Beliebtheit. Der für den Großraum Diedorf wich­tige Arbeitgeber legt Wert auf flache Hierarchien und Transparenz. »Man darf hier auch mal Fehler machen, Keimfarben ist ein toleranter und beliebter Arbeitgeber, das bestätigen uns oft auch Kunden nach einem Firmenrundgang. Ich bin seit 18 Jahren dabei und es gibt sogar Mitarbeiter, die bereits in zweiter Generation bei Keimfarben arbeiten«, so Kurt Völker, Leiter Werbung/PR.

Bekannt, kompetent und weltweit vertreten
Einen hohen Anspruch stellt Keimfarben auch an seine Berater und den Vertrieb. Die Mitarbeiter sind in der Regel Handwerksmeister, Bauinge­nieure oder Architekten. Rund 50 Fachberater und Techniker stehen bundesweit allen am Bau Beteiligten mit Kompetenz und Engagement zur Seite, wenn es darum geht, Gebäude zu sanieren, zu beschichten oder zu dämmen. Der vertriebliche Ansatz des Unternehmens bedient die ganze Wertschöpfungskette: Angefangen vom Vorverkauf des Produkts beim Architekten – durch Unterstützung in der Planungsleistung – über Beratung des Verarbeiters bis hin zum Großhandel, der durch Fachberater unterstützt oder dessen Außendienst bei Keim geschult werden. Von Europa bis Übersee ist Keimfarben vertreten. Elf Auslandstochtergesellschaften und an die 40 Händler vertreiben die Produkte weltweit. Den Vertriebsgesellschaften sind vor Ort kleine Produktionen angeschlossen, die Keimfarben mit Halb­fertigerzeugnissen per Container beliefert. Die Produkte werden dann lokal fertiggestellt und an den Kunden ausgeliefert. Das mittelständische Unternehmen Keimfarben ist auf dem Markt längst etabliert und gut bekannt. So stellte Keimfarben auf der »Bau« in München – zusammen mit den Netzwerkpartnern von »Le Corbusier« – seine neue Farbserie »polyChro« vor. Die 63 meisterhaften Farbtöne wurden in qualitativ hochwertiger Farbrezeptur mit samtmatter Oberflächenwirkung und intensiver Farbtiefe umgesetzt. Ziel ist es, mit dem neuen Kompetenzprodukt Neukunden, wie junge Architekten, zu begeistern.

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