Keimfarben: Von der Ruine zum Museum
Mit der Instandsetzung des Weisbachschen Hauses ist in Plauen nicht nur ein Museum der Textilkultur entstanden, sondern durch die behutsame Wiederherstellung der Fassade auch ein Stück beeindruckende Barockarchitektur zurückgekehrt. Dabei spielte eine mineralische Fassadenfarbe von Keimfarben eine große Rolle.
Nachdem es 1945 dem Bombenhagel zum Opfer fiel, war das Weisbachsche Haus, welches etwa zwischen 1775 und 1778 im Stil des fränkischen Spätbarocks als Kattundruckerei in Plauen errichtet worden war und sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Weisbach befand, eine Ruine: Große Teile des Gebäudes inklusive der Dachlandschaft waren eingestürzt und trotz erster Sicherungsmaßnahmen 1952 in Form von Brettverschalungen verfiel es bis 1990 aufgrund von Materialmangel immer mehr. Mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurden die beiden Flügel aus dem 18. Jahrhundert wieder aufgebaut und die drei Brüder Weisbach ließen den Dachstuhl mit den historischen Schiefereindeckungen instandsetzen. 2015 ging das Gebäude nach einer Schenkung der Familie Weisbach unter Auflage einer kulturellen Weiternutzung in den Besitz der Stadt Plauen über. Diese entschied, das seit 1935 unter Denkmalschutz stehende Manufakturgebäude von Grund auf zu sanieren und zum Museum umzubauen.
Barocke Fassade wiederhergestellt
Der ehemalige Zustand der Fassade war marode; die Ziegel waren sichtbar und Putz bröckelte überall ab. Entsprechend galt es zunächst, die Gebäudesubstanz zu sichern, den Schwammbefall zu entfernen und die Gebäudestruktur von außen wiederherzustellen. Eine der Auflagen des Denkmalamtes beinhaltete die Rekonstruktion der spätbarocken Putzfassade mit ihrer gelb-ockrigen Farbigkeit nach alten Dokumenten und Gemälden aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit diesen Hilfsmitteln formte ein Plauener Stuckateur viele Stuckelemente nach; außerdem gab es unter den Fenstern zugemauerte Blindfenster, die farbig so imitiert wurden, dass sie wie echte Fenster aussehen. Auch dieses Detail wurde mit Strichzieharbeiten sowie Licht- und Schattenimitation neu gestaltet.
Mineralisch gestrichen und gebürstet
Nach Wiederherstellung der äußeren Gebäudestruktur folgte der Auftrag eines Kalkputzes auf 1500 m² Fassadenfläche. Da Neuputz eine gewisse Alkalität besitzt, die zunächst neutralisiert werden muss, wurde auf den Putz eine Ätze der Firma Keimfarben aufgetragen. Diese entfernte die Sinterschicht, die beim Verreiben bzw. Verfilzen des Putzes entsteht, sodass eine Verbindung zwischen Putz und Farbe ent-stehen konnte. Es folgte ein doppelter Anstrich mit »Keim Soldalit« in verschiedenen Gelb- und Ockertönen. Die silikatische Fassadenfarbe auf Bindemittelbasis Sol-Silikat ist wasserabweisend, hoch diffusionsfähig, lichtecht, UV-stabil und sehr witterungsbeständig. Lisenen, Rücksprünge, Simse und Gewände wurden in einem helleren Ockerton abgesetzt; für die zurückliegenden Flächen wurde ein dunklerer Ockerton genutzt. Außerdem wurde der letzte Anstrich der Farbe wie im 18. Jahrhundert mit einer Bürste aufgetragen, um eine gewisse Struktur zu erhalten.
Plauens großer Stolz
Die verwendeten Keim-Farben überzeugen mit ihrer Resistenz gegen Algen, ihrer Farbtonstabilität und durch schnelle Rücktrocknung. Da sich außerdem an der Nordseite des Gebäudes ein Mühlgraben mit Fischen und Enten befindet, war eine der Auflagen, Auswaschungen chemischer Bestandteile aus der Fassade zu vermeiden. Dies war ebenfalls einer der ausschlaggebenden Punkte, um Silikatfarben zu benutzen.
Nach Abschluss der vierjährigen Bauphase wurde der sanierte Teil des Weisbachschen Hauses im November 2023 schließlich als Museum »Fabrik der Fäden« eröffnet. Auf über 1200 m² Ausstellungsfläche können Besucher nun in den denkmalgeschützten Gemäuern und im Neubau die Welt aus Spitze und Technologie entdecken.


