10.10.2024 | Verbände / Institute / Organisationen Seite 16-17 in Ausgabe 6/2024

Kompetenz-Zentrum: Textil + Sonnenschutz Rückblick aufs 1. Halbjahr 2024

Das Kompetenz-Zentrum Textil + Sonnenschutz hat für seine drei Verbände, den Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie (Heimtex), den Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) und den Fachverband Matratzen-Industrie, die Zahlen für das 1. Halbjahr 2024 bekanntgegeben.

Wie das Kompetenz-Zentrum mitteilt, erhole sich die Weltwirtschaft nach der Coronapandemie zwar schrittweise, jedoch auf niedrigem Niveau. In Deutschland sei hingegen kein wirtschaftlicher Aufschwung in Sicht, es fehlen Perspektiven und Belebung am Markt. Stillstand herrscht vor, der sich durch ausbleibende Investitionen und Projektvorhaben sowie gestrichene Subventionen äußere – eine weiterhin schwierige und herausfordernde Situation für die deutsche Textil- und Matratzen-Industrie. Die Branchen leiden unter der extrem reduzierten Nachfrage und einem Konsumverhalten, das auf niedrigem Niveau lediglich die Grundbedürfnisse abzudecken scheint. Verbraucher geben ihr Geld in diesem Jahr nicht mehr zur Verschönerung ihres Heims, sondern für Urlaubsreisen aus, um ein paar Tage rauszukommen und der belastenden Situation zumindest kurzzeitig zu entkommen.
Ferner versuchten die Unternehmen, die reduzierte Nachfrage durch interne Kostensenkung zu kompensieren, um wirtschaftlich besser dazustehen. Kollektionen würden verkleinert, eine Konzentration des Portfolios auf das Wesentliche fände statt. Im stationären Handel sei eine zunehmende Konsolidierung erkennbar, aber auch der Onlinehandel sei betroffen. Bei den Matratzenherstellern wirken sich die gestiegenen China-Importe negativ auf den Umsatz im Onlinegeschäft aus.
Der Objektbereich leide unter der fehlenden Planbarkeit. Es würden nur die notwendigen Projekte und Bauvorhaben durchgeführt, auch öffentlich geförderte Projekte wie beispielsweise der Ausbau von Schulen gerate ins Stocken bzw. werden auf »on hold« gesetzt. Insgesamt fehle es an positiven Botschaften und Perspektiven, die zum Konsumieren und längerfristigen Investieren anregen.

Umsatzeinbußen bei Heimtextilien über alle Produktgruppen hinweg
Die Hersteller von Heimtextilien haben für das 1. Halbjahr 2024 einen Umsatzrückgang von 3,1 Prozent zu beklagen. Alle Sparten vermelden Einbußen beim Umsatz, allen voran Deko- und Gardinenstoffe mit –14,9 Prozent, die zudem einen Rückgang der Nachfrage um rund 20 Prozent zu beklagen haben. Bei Möbelbezugsstoffen (–4,1 Prozent), textilen Bodenbelägen (–3,2 Prozent) und Bettwaren (–1,3 Prozent) fällt der Umsatzrückgang moderater aus und die Nachfrage ist nahezu auf Vorjahresniveau geblieben (textile Bodenbeläge +0,3 Prozent, Möbelbezugsstoffe –0,7 Prozent). Bettwaren (+16,7 %) wurden zwar verstärkt nachgefragt, die Durchschnittspreise sanken dort jedoch massiv.

Leichtes Umsatz- und Absatzminus bei Matratzenherstellern
Die Matratzenhersteller konnten das 1. Halbjahr 2024 mit einem Umsatzverlust von 1,5 Prozent und einem Absatzrückgang von 2,3 Prozent abschließen. Dabei ist für das 2. Quartal eine leichte Belebung der Nachfrage spürbar. Dennoch ist die Kaufzurückhaltung bei fast allen Technologien und Warengruppen erkennbar. Einzig TFK (+17,0 Prozent Absatz, +4,0 Prozent Umsatz), Sonstige (+17,1 Prozent Absatz, –2,3 Prozent Umsatz) und Unterfederung (+5,4 Prozent Absatz, +3,6 Prozent Umsatz) konnten zulegen. Schaum verzeichnet einen Rückgang der Nachfrage (–2,6 Prozent Absatz) bei leichtem Umsatzgewinn (+4,5 Prozent), bei Latex waren Nachfrage und Umsatz rückläufig (–4,0 Prozent Absatz, –6,5 Prozent Umsatz). Größter Verlierer bei den Warengruppen sind Topper (–20,0 Prozent Absatz, –17,0 Prozent Umsatz), Boxspring knapp dahinter (–17,2 Prozent Absatz, –11,2 Prozent Umsatz).

Umsatz beim maßgefertigten innenliegenden Sicht- und Sonnenschutz auf Vorjahresniveau
Beim maßgefertigten innenliegenden Sicht- und Sonnenschutz wurde im 1. Halbjahr 2024 ein Umsatzergebnis von ±0 erzielt, was maßgeblich mit dem deutlichen Umsatzplus um rund ein Viertel beim Saisonartikel Insektenschutz zusammenhängt. Größter Verlierer im Objektbereich ist die Produktgruppe Flächenvorhang (–43,9 Prozent). Bei den hauptsächlich von Verbrauchern genutzten Produktgruppen mussten Raff-/Faltrollo (–14,1 Prozent) und Doppelrollo (–12,5 Prozent) deutliche Verluste hinnehmen. Auch bei der am stärksten vertretenen Produktgruppe Plissee war der Umsatz rückläufig (–5,6 Prozent), beim Wabenplissee hingegen wurde ein Umsatzplus von 2,9 Prozent erzielt.
Der Anfang des Jahres nach den Leitmessen »Heimtextil«, »imm cologne« und »R+T« spürbare Optimismus sei einer Lethargie gewichen, die bestenfalls in die Parole »Weitermachen, durchhalten, irgendwann geht es wieder bergauf!« mündet. Aber wie lange warten?
Es käme jetzt auf eine zeitnahe und verlässliche Wirtschaftspolitik mit einem eindeutigen Bekenntnis zur Sicherung des Standorts Deutschland an. Die Industrie bräuchte klare Perspektiven, zum Beispiel was den Ausbau der E-Mobilität angeht, damit sie planen und ihre Produktion darauf ausrichten könne. Dazu wären Investitionen vonseiten der Regierung notwendig, damit die Unternehmen wiederum motiviert würden, in den Standort Deutschland zu investieren und nicht ihre Produktion ins günstigere Ausland zu verlagern. Weiterhin gälte es, die Hürden der Bürokratie abzubauen, um hier wichtige Ressourcen zu schonen.

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