Kompetenz-Zentrum Textil + Sonnenschutz: Wirtschaftlicher Jahresrückblick 2025
Das Kompetenz‑Zentrum Textil + Sonnenschutz hat für das Geschäftsjahr 2025 aktuelle Branchenzahlen veröffentlicht. Sie weisen erneut Verluste und eine insgesamt weiter angespannte wirtschaftliche Lage aus. Vor diesem Hintergrund fordern die Branchen ein umfassendes Reformpaket zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandorts Deutschland.
Das Geschäftsjahr 2025 stand für die Unternehmen der deutschen Textil- und Matratzenindustrie einmal mehr unter dem Zeichen der anhaltenden wirtschaftlichen Krise. Die Geschäftslage hat sich gegenüber dem Vorjahr nochmal deutlich verschlechtert und die Unternehmen in eine prekäre Lage gebracht. Parallel dazu verzeichnet die deutsche Wirtschaft die längste Phase negativer Unternehmenserwartungen seit zwei Jahrzehnten. Seit 2005 gab es keine vergleichbar lange Zeit ohne erkennbaren Stimmungsumschwung oder konjunkturelle Trendwende.
Fehlende Investitionsbelebung
Eine nachhaltige Belebung der Investitionstätigkeit in Deutschland ist trotz staatlicher Maßnahmen wie dem »Investitionsbooster« bislang ausgeblieben. Auch jüngste wirtschaftspolitische Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung greifen nach Einschätzung vieler Unternehmen entweder zu kurz oder sind falsch adressiert. So verfehlt etwa die steuerfreie »1000-Euro-Prämie« für Beschäftigte die betriebliche Realität. Gerade wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen seien nicht in der Lage, diese freiwillige Leistung zu finanzieren. Und auch der von der Bundesregierung nachjustierte Auszahlungszeitraum über 2026 hinaus bis Juni 2027 sei keine Garantie, dass den Beschäftigten diese Prämie gewährt werden kann, da sich hierfür die wirtschaftliche Lage zeitnah deutlich erholen müsste.
Strukturelle Standortprobleme
Strukturelle Standortprobleme bleiben weiterhin ungelöst. Allein die Bürokratie verursacht in Deutschland laut ifo-Institut jährliche volkswirtschaftliche Kosten von rund 150 Milliarden Euro. Gleichzeitig fehlt es an einer konsistenten, aufeinander abgestimmten wirtschaftspolitischen Gesamtagenda. Einzelmaßnahmen wie der angekündigte »Bauturbo« setzen laut Kompetenz‑Zentrum zwar an den richtigen Stellen an – etwa bei der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren –, zeigen bislang jedoch kaum Wirkung und greifen inhaltlich zu kurz. Ohne ergänzende Anreize wie verbesserte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für private Investoren würden wichtige Impulse verpuffen. Zudem wird aufgrund langer Zeiträume zwischen Genehmigung und Fertigstellung selbst bei einer Beschleunigung frühestens ab 2027 mit spürbaren Effekten zu rechnen sein. Dabei erreicht der Wohnraummangel 2026 mit rund 1,4 Mio. fehlenden Wohnungen einen neuen Höchststand – während zugleich zahlreiche leerstehende Gewerbeflächen ungenutzt bleiben.
Steigender Importdruck und Reformbedarf
Hinzu kommt, dass der Importdruck durch chinesische Anbieter steigt, die zunehmend und mit aggressiver Preispolitik auf den deutschen Markt drängen. Vor diesem Hintergrund wächst der Handlungsbedarf erheblich. Notwendig sei ein umfassendes Reformpaket mit einem deutlichen Abbau von Regulierung, einer spürbaren Senkung der Steuer- und Abgabenlast für Unternehmen und Beschäftigte sowie dauerhaft wettbewerbsfähigen Energiepreisen. Nur mit einer wirtschaftspolitisch stringenten und konsequent umgesetzten Gesamtstrategie ließe sich die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland wieder nachhaltig stärken, so das Kompetenz-Zentrum weiter.
Geschäftszahlen 2025 in den einzelnen Branchen
Beim maßgefertigten innenliegenden Sicht- und Sonnenschutz wurde das Geschäftsjahr 2025 mit einem Umsatzverlust von 1,9 Prozent abgeschlossen. Raff-/Faltrollo (+8,8 Prozent), Rollo (+6,9 Prozent) und Wabenplissee (+5,8 Prozent) konnten jeweils ein Umsatzplus erzielen. Die dominierende Produktgruppe Plissee (–1,1 Prozent) hat einen leichten Umsatzverlust zu beklagen, Doppelrollo (–12,7 Prozent) war größter Verlierer. Der Objektbereich verbucht mit den Produktgruppen Flächenvorhang (–11,7 Prozent) und Lamelle (–6,9 Prozent) ebenfalls Umsatzeinbrüche.
Die Hersteller von Heimtextilien verzeichneten für das Geschäftsjahr 2025 einen Rückgang bei Umsatz und Absatz in den Sparten Bettwaren sowie Möbelbezugs-, Deko- und Gardinenstoffe. Bei Bettwaren liegt das Minus bei Umsatz und Absatz jeweils bei 6,3 Prozent. Möbelbezugs-, Deko- und Gardinenstoffe vermelden ein Umsatzminus von 12,4 Prozent bei nur leicht rückläufiger Nachfrage (–0,3 Prozent).
Die Matratzenhersteller haben im vergangenen Geschäftsjahr schließlich einen Umsatzverlust von 5,1 Prozent zu beklagen, der sich über die Warengruppen und nahezu alle Technologien erstreckt. Nischenprodukt Bonnell ist dabei größter Verlierer. Lediglich Schaum (+1,1 Prozent) und Sonstige (+5,6 Prozent) lagen über dem Vorjahr.

