18.12.2022 | Allgemein Seite 46-48 in Ausgabe 12/2022-1/2023

Loba: Das »Team Orange« eröffnet ein neues Kapitel

Loba, der Premiumhersteller von Veredelungs­systemen aus Ditzingen, weitet seine Produktion aus, zudem ist ein neues Forschungszentrum geplant. Der geschäftsführende Gesellschafter und Gründersohn Michael Fischer, der vor dem Ruhestand steht, hat die Weichen für eine weitere erfolgreiche Zukunft des Unternehmens gestellt. Er wird den Staffelstab im kommenden Jahr an die beiden Geschäftsführer Alfred Melka und Mario Probst übergeben.
Mit der Gründung der »Ver­einigte Wachswarenfabriken AG Hornung und Dr. Fischer« am 13. April 1922 fing alles an. Zur Produkt­palette gehörten Fußbodenbeizen, Bohnerwachs, Schuhwachs und Haushaltskerzen. Als passionierter Skispringer erfand Dr. Max Fischer ein Erfolgsprodukt, von dem Skisportler auf der ganzen Welt profitieren: das erste industrielle Skiwachs, das bis heute unter der Marke »Holmenkol« vertrieben wird. Dann brachte der Zweite Weltkrieg einen herben Einbruch. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg baute Dr. Max Fischer das Unternehmen neu auf und untergliederte es ab den 1950er Jahren in drei Geschäftsbereiche: Holmenkol, den Bautenschutz und Loba mit Ölen und Wachsen für Fußböden. Michael Fischer, der 1991 die Geschäftsführung von Loba übernahm, sagt heute: »Die Geschichte der Loba ist geprägt von Innovation, von mittelständischem Unternehmertum, von Mut und von Exportstrategien.« Als er die Firmenleitung übernahm, trennte er sich von weniger rentablen Geschäftsbereichen und konzentrierte sich auf die Veredelung von Fußböden.

Unternehmensausrichtung, Produktfokus und Kundenorientierung
Im Sommer des vergangenen Jahres traten Alfred Melka und Mario Probst, zuvor Bereichsleiter Technik bzw. Vertrieb & Marketing, in die Geschäfts­führung ein. Das dreiköpfige Management-Team entschied sich für eine klare Gliederung der Geschäftsaktivitäten: die industrielle Beschichtung, die manuelle Veredelung und Renovierung sowie die Reinigungs- und Pflegelinie für Endkunden. Diese drei Geschäftsfelder begleiten und verlängern den Lebenszyklus von Böden – von der Veredelung eines neu verlegten Parketts oder elastischen Bodenbelags über die werterhaltende Reinigung und Pflege bis hin zur Renovierung. Im industriellen Segment konzentrieren sich die Akti­vi­tä­ten in nächster Zeit auf die Nieder­las­sung in China, die Joint-Ventures in Polen und Nordamerika sowie die Vertriebspartnerschaften in den DACH-Ländern, den Niederlanden und Italien. Im Geschäftsfeld »Home« werden derzeit die gesamte Produktlinie und ihr Auftritt überarbeitet.
Loba will sich künftig noch stärker als bisher an den Kundenwünschen orientieren. Die Anforderungen der Geschäftspartner, die im engen Austausch eruiert werden, zu verstehen und in maßgeschneiderte Lösungen umzusetzen, wird künftig die höchste Priorität in der Produktentwicklung haben. »Innovative Technologien und nachhaltige Lösungen, einschließlich der Verwendung erneuerbarer Rohstoffe, werden in Zukunft eine immer größere Rolle für Loba spielen«, betont Melka. Sämtliche Neuentwicklungen sollen im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen: Ganz im Sinne der Firmentradition gehe es darum, moderne, einfach und sicher anzuwendende Produkte zu konzipieren, die den Lebenszyklus eines Fußbodens verlängern, im System anwendbar sind und deren Rezepturen gleichzeitig der Verantwortung des Unternehmens gegenüber Mensch und Umwelt gerecht werden.
Auch die Optimierung des Kunden­service stehe weiterhin ganz oben auf der Agenda. In diesem Jahr wurde ­bereits die Website neu gelauncht: ­Neben einem Verbrauchsrechner und Produktfilter erwarten Kunden zahl­reiche digitale Angebote wie beispielsweise ein umfangreicher Download­bereich sowie Marketing-Tools für Parkett- oder Bodenlegebetriebe. Ebenso haben die Produkte einen neuen Look erhalten: Die Gebinde-Etiketten wurden übersichtlicher strukturiert, um die Produktwahl zu erleichtern. Zusätzlich zu den bisherigen Informationen sind auch die Beanspruchungsklassen sowie Einsatzbereiche ausgewiesen.

Gutes Geschäftsjahr 2022 erwartet
»Das Zusammenspiel dieser ganzen Veränderungen führte zum gewünschten Erfolg: Loba konnte in den letzten fünf Jahren eine kontinuierliche Steigerung des Jahresumsatzes verzeichnen«, betont Fischer. Im Jahr 2021 erwirtschaftete das Unternehmen, das sein komplettes Sortiment an Lacken, Ölen, Wachsen sowie Reinigungs- und Pflegemitteln ausschließlich im Ditzinger Werk produziert, einen Umsatz von rund 30 Mio. Euro. Der konsolidierte weltweite Umsatz belief sich auf über 40 Mio Euro. Für das laufende Jahr wird ein Umsatz von 35 Mio. Euro angestrebt, denn seit fünf Jahren verzeichnet Loba eine kontinuierliche Steigerung des Umsatzes, teilweise im zweistelligen Bereich.
Der Umsatz von Loba in den ersten neun Monaten dieses Jahres ist um 23 Prozent auf 28,1 Mio. Euro gestiegen. 13 Prozent davon seien Mengensteigerungen und 10 Prozent durch Preis­erhöhungen entstanden. »Wir wissen aber auch, dass es so nicht weiter­gehen wird«, betont Fischer. Das Geschäft werde auch für Loba angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage erst einmal schwieriger. Das grundsätzliche Ziel sei es dennoch, den Umsatz im Schnitt um 5 Prozent jährlich zu steigern und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 10 Prozent zu erwirtschaften.
Für Melka erklärt sich der Erfolg der Marke »Loba« auch so: »Im Kern ist immer die Leidenschaft, die Emotion, aber auch das rationale Denken. Deshalb ist unser Anspruch: Top in die ­Gedanken und Herzen unserer Kunden.« Und Fischer ergänzt: »Wir wollen jeden Einzelnen mit den drei C’s erreichen: Care, Competence und Commitment. Wir haben es in den letzten Jahren geschafft, eine Marke mit einer Strahlkraft zu erzeugen. Orange ist unser tägliches Handeln und unsere Leidenschaft, und wir haben da draußen nicht nur Kunden, sondern echte Fans.«
Weiterhin visiert Loba das Ziel eines gesunden, organischen Wachstums, insbesondere in Europa, Nordamerika, Südamerika und China, an, um weitere Marktanteile in seinem Kerngeschäft zu gewinnen. Darüber hinaus möchte das Unternehmen aber auch Renovierungs- und Versiegelungssysteme für elastische und mineralische Oberflächen anbieten sowie neue Kunden­segmente erschließen. Durch eigene Niederlassungen sowie Joint-Ventures mit Wakol setzt Loba in diesen Regionen Schwerpunkte, um die Internationalisierung des Unternehmens voranzutreiben, das mittlerweile in über 60 Länder weltweit exportiert.

Zukunftsaussichten und die Übergabe des Staffelstabes
Auf die Übergabe des Staffelstabes bereitet sich Michael Fischer bereits seit vier Jahren aktiv vor: Im Jahr 2018 stockte der langjährige Partner Wakol seine Unternehmensanteile an Loba auf und wurde damit Mehrheitsgesellschafter – Loba gehört seitdem zur inter­natio­nalen Ardex-Gruppe. Diese Konstellation bietet dem Unternehmen als auch den Mitarbeitern sichere Zukunftsaussichten. Auch die Nach­folge­regelung im Unternehmen selbst hat Fischer bereits im vergangenen Jahr mit Melka und Probst eingeleitet. Um aber auch in Zukunft der weltweit steigenden Nachfrage gerecht zu werden, tätigt Loba am Firmensitz derzeit umfangreiche Investitionen: Der Bauantrag des neuen Zentrums für Forschung und Entwicklung ist genehmigt, Ausschreibungen für die bauliche Umsetzung laufen. Auf einer Fläche von insgesamt rund 3500 m² wird das dreigeschossige Gebäude, das ab 2023 im Westen des Firmengeländes entsteht, die Produktentwicklung, die Anwendungs­technik mit Testflächen im Innen- und Außenbereich, die Produktions­logistik sowie groß­zügige Lagerräume beherbergen. Mit einem Volu­men von rund 8,5 Mio. Euro stellt das Bauvorhaben die größte Einzel­investi­tion in der Unternehmensgeschichte dar. Auch hier ist Nach­haltig­keit ein großes Thema: Mit dem Gebäudekomplex aus nachhaltigen Baumaterialien strebt Loba eine DGNB-Zertifizierung in Gold an.
Auch in der Produktion gibt es Ver­ände­rungen: Mit dem Ziel der Kapazitätssteigerung und Modernisierung wurde dieser Bereich innerhalb des bestehenden Technikgebäudes umstrukturiert und bietet nun Platz für zusätzliche Abfüllanlagen. Parallel da­zu leitete Loba die Digitalisierung der Produktion ein, um die Pro­duk­tions­planung, Auftragsbearbeitung und Qualitätssicherung zu optimieren und zukunftsfähig zu gestalten.

Sabine Langanke

Meilensteine von Loba
■ 1922: Gründung der »Ver­einigte Wachswarenfabriken AG Hornung und Dr. Fischer«
■ 1952: Gliederung der Geschäftsbereiche: Loba Bautenschutzsysteme, Holmenkol und Loba Farben
■ 1959: Loba launcht das weltweit erste Wärmedämmverbundsystem unter der Marke »Dryvit« – ein bedeutender Beitrag zur Energieeinsparung
■ 1991: Michael Fischer, Sohn des Firmengründers, übernimmt die Geschäftsführung
■ 1995: Einführung des weltweit ersten wasserbasierten 2-K-Systems zur Parkettverlegung
■ 1998: Gründung der ersten Auslandsgesellschaft als Joint-Venture mit Wakol in Polen
■ 2002: Ausgliederung des Geschäftsbereichs Holmenkol
■ 2006: Wakol wird Minderheitsgesellschafter bei Loba
■ 2015: Eröffnung des neuen Logistik- und Schulungszentrums am Standort in Ditzingen
■ 2018: Loba wird Teil der Ardex-Gruppe
■ 2021: Alfred Melka und Mario Probst treten in die Geschäftsführung ein
■ 2022: Loba feiert sein 100-jähriges Firmenjubiläum

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