Mapei: Instandsetzung und Renovierung im Fokus
Ende Oktober lud der Bauchemiehersteller Mapei zum Pressetreff ein, um über das vergangene und laufende Geschäftsjahr zu informieren und um Neuheiten und Projekte vorzustellen. Für jede Presseveranstaltung wird eine andere Stadt ausgewählt, in der Objekte aus den Bereichen Fußbodentechnik und Parkett sowie Keramik und Naturstein besucht werden, bei denen Mapei-Verlegewerkstoffe zum Einsatz kamen. Dieses Jahr hat Frankfurt das Rennen gemacht, unter anderem mit dem Design- und Lifestyle-Hotel nhow (siehe Seite 84), dem JOKA-City-Store und dem Frankfurter Flughafen.
Wie auch in den zurückliegenden Jahren informierten die Mapei-Verantwortlichen wieder über das abgelaufene sowie das laufende Geschäftsjahr. Mapei-Deutschland-Geschäftsführer Dr. Uwe Gruber eröffnete die Pressekonferenz und gab unter anderem einen Einblick in die Unternehmenszahlen.
So konnte die weltweit agierende Mapei-Gruppe auch im Jahr 2021 die Aufwärtsentwicklung fortsetzen und das Geschäftsjahr mit einem Gruppenumsatz von 3,3 Milliarden Euro abschließen, was ein Umsatzplus von 17,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Auch 2022 rechnet der Mapei-Konzern weltweit mit einem zweistelligen Wachstum. Dieses gute Ergebnis sei ausschließlich über ein rein organisches Wachstum erzielt worden und nicht über Firmenkäufe, wie beispielsweise zuletzt der Zukauf der Profilpas-Gruppe (OBJEKT 11/22, Seite 9). Bei der Umsatzaufteilung 2021 nach Regionen hat Nordamerika mit 28,0 Prozent die Nase vorn, gefolgt von Westeuropa mit 25,6 Prozent und Italien mit 23,3 Prozent. Erwähnenswert bleibt noch Osteuropa mit 11,1 Prozent, während sich alle anderen Länderregionen die restlichen rund 12 Prozent teilen.
Die Unternehmensgruppe hat mittlerweile, Stand Oktober 2022, 86 Werke auf fünf Kontinenten und 100 Landesgesellschaften inklusive der italienischen Muttergesellschaft. Beschäftigt werden rund 11000 Mitarbeiter, die mehr als 6000 Produkte für die Bauindustrie herstellen.
Erfolgreiches Geschäftsjahr 2022 für Mapei Deutschland
Zu den Umsatzzahlen für 2021 wollte sich Gruber nicht konkret äußern. Für das laufende Geschäftsjahr wird, nach einer vorsichtigen Hochrechnung, jedoch ein Umsatzvolumen von 110 Mio. Euro erreicht werden, da man zurzeit noch über 10 Prozent zum Vorjahr liege. Im Segment der »Fliese« konnte bisher ein Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich, im Segment »Fußboden« ein knapp zweistelliger Zuwachs erzielt werden, »aber wir wissen nicht, wie das letzte Quartal verläuft«, erklärt Gruber mit Blick auf die Auswirkungen der Energiekrise, des Ukraine-Krieges und die daraus resultierenden Preissteigerungen am Bau.
Zudem sendet der Gesamtmarkt im Wohnungsbau Warnhinweise für die aktuell schwierige Lage. So sind laut einer im September durchgeführten Konjunkturumfrage vom ifo-Institut die Stornierungen im Wohnungsbau auf über 15 Prozent angestiegen.
»Die Unsicherheiten schlagen auch auf die Baubranche durch. Es sind verrückte Zeiten. Das habe ich in meiner 20-jährigen Tätigkeit noch nicht erlebt. Und wir sind noch nicht am Ende«, so Gruber. Dennoch blickt er positiv nach vorn. »Wir wollen die Kampagne ›Wir sanieren Deutschland‹ weiter ausbauen – mit klarem Fokus auf Instandsetzung und Renovierung. Diesbezüglich wollen wir klar herausstellen, dass wir zur Sanierung alles anbieten können und Mapei ein verlässlicher Partner ist. Wir sehen den Bereich in den nächsten Jahren als Wachstumstreiber.« Die Gründe hierfür lägen in einer geringeren Konjunkturanfälligkeit, die Umwidmung von Nichtwohnbauten in Wohnbauten oder auch die Verdichtung in Großstädten, die den Sanierungsbedarf vorantreiben.
Neben der oben genannten Kampagne liegen aber vor allem auch nachhaltige Systemlösungen, die Nachwuchsgewinnung und die Stärkung der Organisation im Fokus. Zudem deutete er an, dass die Kapazitäten im Werk Weferlingen erweitert werden. Genaueres würde aber zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.
Preiserhöhungen in 2022
Im laufenden Jahr kam auch Mapei um zwei Preiserhöhungen nicht herum. Auch wenn die Preissteigerungen größtenteils kompensiert wurden – einen Teil musste man jedoch an den Markt weitergeben, wenn die Margen nicht noch weiter einbrechen sollen. Eine weitere Preiserhöhung tritt ab dem 1. Januar 2023 in Kraft. »Damit decken wir nicht einmal alle Kosten ab, die jetzt schon angefallen sind. Wir laufen der Welle eigentlich immer hinterher. Wir geben auf unsere Produkte sechs Monate Preisstabilität, aber unsere Lieferanten erhöhen ihre Preise zum Teil monatlich – es ist keine einfache Lage für das nächste Jahr«, betont Gruber.
Nachhaltigkeit ein Schwerpunkt
In Vertretung für die erkrankte Marketingleiterin Anke Hattingh erläuterte Marcus Winkler, Leiter Anwendungstechnik im Bereich Keramik & Naturstein, die laufenden und zukünftigen Aktivitäten. Die vergangenen erfolgreichen Veranstaltungen »Autokino-Tour 2021« und »Sommertour 2022«, mit denen Mapei viele Kunden begeistern konnte, sollen in ähnlicher Form auch in 2023 fortgesetzt werden.
Unter dem Motto »Bauchemie ist Kunst« beleuchtet Mapei die Branche aus einem völlig neuen Blickwinkel. Beim mittlerweile erfolgreichen Konzept der »Sanierungsgalerie« werden Systemlösungen im Bereich Fußbodentechnik wie in einer Kunstgalerie präsentiert. Auch im Bereich Keramik und Baustoffe ermöglicht das Unternehmen künstlerische Lösungen: So lassen sich Fugenfarben je nach Objekt passend gestalten. Wie bei einem Kunstwerk soll damit zu einer Wertschöpfung beigetragen werden, die Lust darauf macht, in das jeweilige Thema einzusteigen und mehr zu erfahren, getreu dem Motto »Kunst macht neugierig und regt zur Konversation an«.
Mit diesem Ansatz soll darauf hingewiesen werden, dass die Arbeit in der Bauchemie zwar komplex, aber auch schön ist. Somit bewirbt Mapei nicht nur seine Produkte, sondern auch die damit zusammenhängende Arbeit, die Projekte und Endprodukte sowie die Berufe in der Branche. Auch dieses Konzept soll weiter fortgeführt werden.
Das Thema Nachhaltigkeit will Mapei im kommenden Jahr noch mehr in den Fokus rücken und hat hierzu eine Nachhaltigkeitsbroschüre aufgelegt. Sie umfasst eine Vielzahl an Aspekten in Bezug auf Lebenskomfort und Wohlbefinden. Es werden drei Eckpfeiler der Nachhaltigkeit aus Sicht des Unternehmens benannt: der Planet, die Projekte und die Menschen. Bei Mapei ist man der festen Überzeugung, dass der Profit eines Unternehmens im Einklang mit Ethik, Respekt für die Menschen und der Wertschöpfung für das Umfeld sein muss. Diese Grundsätze seien schon immer als Teil der Mapei-Strategie berücksichtigt worden.
Mit neuen Themen und Terminen setzt das Unternehmen auch sein interaktives Projekt der Live- und Online-Schulungen fort. Inhaltlich greifen Online- und Offline-Schulungen ineinander und bauen aufeinander auf. Damit werden die Teilnehmer zielgruppen- und praxisorientiert auf den neuesten Stand des Wissens gebracht. Bei den Messen positioniert sich Mapei Deutschland ganz klar: »An der Messe ›BAU‹ halten wir nach wie vor fest, da wir uns mit unserer ganzen Produktvielfalt darstellen können«, sagt Gruber. Allerdings müssten sich generell Investitionen, die für Präsenzmessen veranschlagt werden, auch lohnen. Die »Domotex« stehe daher zurzeit nicht im Mapei-Messekalender, da hier insgesamt ein Abwärtstrend zu beobachten gewesen sei.
»Energetische Bodensanierung« – ein zukunftsfähiges Aufgabenfeld
Die »energetische Bodensanierung« wurde von Mapei zu einem der Zukunftsthemen der Kampagne »Wir sanieren Deutschland« bestimmt. Wer bei der Fußbodensanierung nur an neue Oberbeläge denkt, verschenkt großes Potenzial. Die Möglichkeit, Gebäude dabei auch »energetisch fit zu machen«, bietet Bodenlegern, die im Bereich Sanierung und Modernisierung aktiv sind, ein zukunftsfähiges Aufgabenfeld. »Wenn saniert wird, dann wird die energetische Bodensanierung – neben der Badsanierung – in den nächsten Jahren sicherlich eines der Hauptthemen werden«, so Bernd Lesker, Leiter Anwendungstechnik und Produktmanagement für den Bereich Fußbodentechnik & Parkett. Beim aktuellen Energiethema geht es nicht nur darum, ein Haus vom Keller bis zum Dach warm »einzupacken«, sondern auch über ein energieeffizientes Heizsystem nachzudenken.
Konkret sind Energieeinsparungen im Sinne der EU nur mit Niedrigenergieheizungen zu erreichen, insbesondere mit Fußbodenheizungen in Kombination mit regenerativen Energiequellen/Wärmepumpen. Der Boden ist das ideale Medium, Wärme gleichmäßig über die Fläche abzugeben. Und je größer die »Wärmefläche«, desto niedriger kann die benötigte Vorlauftemperatur gefahren werden.
Im privaten Neubau ist der Einbau solcher energieeffizienter Heizsysteme inzwischen Standard und schon heute werden im Wohnungsbau nahezu alle Estriche mit Fußbodenheizung ausgeführt. Auch für viele Bestandsgebäude könnten die energieeffizienten Systeme eine zukunftsfähige Lösung sein, zum Beispiel indem Fußbodenheizungen nachträglich eingebaut werden.
Der Anschluss bzw. die Installation einer Fußbodenheizung wird in der Regel nicht durch den Bodenleger vorgenommen. Dieser kommt in der Regel dann zum Einsatz, wenn es um das »Einspachteln« der Fußbodenheizungssysteme geht. Das stellt ihn durchaus vor einige Fragen, auf die Mapei im Rahmen der Kampagne Antworten gibt:
■ Welche Spachtelmasse ist geeignet und wie dick muss gespachtelt werden?
■ Wie ist der Untergrund vorzubereiten und zu grundieren?
■ Wann kann aufgeheizt werden und wie lange?
■ Welche Temperaturen sind hier zulässig?
■ Welche Bodenbeläge sind geeignet?
Dabei geht es um unterschiedliche Ansätze bzw. Fußbodenheizungssyteme, die »eingespachtelt« werden sollen, beispielsweise warmwassergeführte Niedrigaufbauheizsysteme, Warmwasserfußbodenheizungen oder elektrische Fußbodenheizungen. Egal für welches System sich Bauherren entscheiden, Mapei hat für alle Anforderungen der nachträglich eingebauten Fußbodenheizungssysteme die passende Systemlösung parat. Sie seien allesamt in Kooperation mit den Herstellern der Heizungssysteme erarbeitet worden.
Alle Informationen, technischen Dokumentationen und praxisrelevanten Tipps sollen auf einer eigens eingerichteten Landing-Webpage effektiv kommuniziert werden sowie in einer eigenen, neuen Rubrik im Download-Bereich auf der Mapei-Website zur Verfügung stehen. Zudem will Mapei eine neue Renovierungsspachtelmasse auf den Markt bringen, die mit besonders guter Wärmeleitfähigkeit und optimiertem Fließverhalten speziell auf die Anforderungen beim Einspachteln von nachträglich eingebauten Fußbodenheizungen zugeschnitten ist. Zusätzlich sind umfassende Schulungsmaßnahmen der Mapei-Academy geplant, um Verarbeiter für das Thema mit Kompetenz und handwerklichem Know-how fit zu machen.
Gute Bodenbeschichtungen haben System
Aufgrund der zunehmenden Nachfrage nach trendigen Bodenbeschichtungen bietet Mapei eine Reihe an verschiedenen Systemlösungen für die Sanierung bzw. Modernisierung innerhalb der Bereiche Fußbodentechnik und Parkett, Keramik und Baustoffe an. Die eigens zum Thema erstellte Landingpage http://wsd.mapei.de bietet hierzu zahlreiche Tipps und Informationen.
Die zement- und kunstharzbasierten Oberflächensysteme wurden in vier Fokus-Systemen zusammengefasst. Handwerk, Architekten und Planer können damit nahezu unbegrenzt das gesamte Spektrum der nachfragestärksten Beschichtungslösungen abdecken – von leicht bis hoch belasteten Böden in Wohn-, Gewerbe- und Industriebereichen.
■ »Ultratop«, der stylische Industrieboden mit einer Kombination aus Ästhetik und Funktion für intensiv genutzte Gewerbebereiche wie tren- dige Retail-, Gastronomie- und Ausstellungsflächen
■ »Ultratop Loft«, der kreative Spachtelboden – passt perfekt für moderne Wohn- und Gewerbebereiche mit Designanspruch
■ »Mapecoat I 24«, der funktionale Anstrich für beanspruchte Keller- und Garagenböden in privat genutzten Gebäuden
■ »Mapefloor I 302 SL«, der leistungsstarke Industriefußboden für hoch beanspruchte Produktions-, Logistik- oder Gastronomiebereiche
Mit den vier Systemempfehlungen gibt Mapei Bodenprofis wie auch Architekten und Planern Produktsicherheit hinsichtlich Eignung, Anwendung und Aufbau der Oberflächensysteme, einschließlich der Systemkomponenten Grundierung, zement- oder kunstharzbasierte Spachtelmasse und abschließender Versiegelung. »Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass wir mit ›Ultratop‹ sehr gut im Markt aufgestellt sind und ein gutes Produkt im Sortiment haben«, so Bernd Lesker.
Bestes Anwendungsbeispiel für das Leistungsspektrum der bewährten, selbstnivellierenden Boden-Spachtelmasse »Ultratop« ist der im Jahr 2021 in Wiesbaden-Erbenheim eröffnete Rewe-Markt (OBJEKT 9/2022, Seite 66/67), ein Meilenstein in der Entwicklung »grüner« Supermärkte. Der nachhaltige Pilot-Supermarkt gilt als Green Building der neuesten Generation und ist der erste in Deutschland und europaweit, der in dieser ganzheitlichen Performance zum Thema Nachhaltigkeit gedacht und umgesetzt wurde. Im gesamten Markt unterstreicht auf rund 1500 m² Verkaufsfläche ein fugenloser »Ultratop«-Sichtspachtelboden die urbane Markthallen-Atmosphäre, trägt zum öko- logisch positiven Gesamteindruck bei und wird den extremen Anforderungen dieses Gewerbebereichs gerecht.
Zur Vorstellung der vier Fokus-Systeme hat Mapei ein Paket an Kommunikationsmaßnahmen vorgesehen. Sie reichen vom Systemflyer über Schulungsmaßnahmen und Videos bis hin zu aktualisierten technischen Dokumentationen wie Verarbeitungsanleitungen, Reinigungs- und Pflegeempfehlungen, Checklisten sowie Quick-Guides.
Sabine Langanke


