19.02.2023 | Boden / Zubehör Seite 60-61 in Ausgabe 2/2023

Moso: Wie »grün« ist Bambus eigentlich?

Bambus gilt mit einem Wachstum von einem Meter pro Tag als Rennwagen unter den Pflanzen. Seine enorme Wachstumsrate führt zu einer bis zu viermal höheren CO₂- Bindung als beispielsweise bei europäischen Baum­arten. Gleichzeitig setzt Bambus rund 35 Prozent mehr Sauerstoff frei als andere Pflanzen vergleichbarer Größe und ist bereits nach fünf Jahren erntereif. Er ist um ein Vielfaches wider­stands­fähiger als Eiche oder die meisten Tropenhölzer. Durch seine technischen Eigenschaften hat sich Bambus in den letzten Jahren zu einem gefragten Industrieerzeugnis entwickelt. Heute werden Parkett­böden, Treppenstufen, Wand- und Deckenverkleidungen, Türpaneele, Möbel und seit der Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) auch Konstruktions­balken hergestellt.

Das Rohmaterial wächst in China, wird dort zu Parkett, Terrassendielen oder Balken verarbeitet und danach rund 19000 Kilometer auf dem Seeweg bis in die Niederlande transportiert. Dennoch verfügen Moso-Bambus-Produkte sogar über eine negative Netto-CO₂-Bilanz während der gesamten Lebensdauer des Produkts. Grund dafür ist, dass Bambus während seiner Wachstumsphase eine große Menge CO₂ absorbiert – mehr als die Produktion der meisten Moso-Bambus-Produkte freisetzt. Mehrere Stu­dien zur Ökobilanz sowie die Umweltproduktdeklaration (EPD) untersuchten entscheidende Faktoren und ihre Auswirkungen auf die Umwelt wie beispielsweise Toxizität, Ressourcenschonung und Treibhausgas-Emissionen. Damit ist Moso einer der wenigen Hersteller von Bambus-Produkten, der den exakten ökologischen Fußabdruck seiner Produkte entsprechend inter­nationaler Umweltstandards bewertet. Konkrete Zahlen zeigen die aus der Atmosphäre gebundenen (CSC: Con­struction Stored Carbon) sowie frei­gesetzten CO₂-Werte während der Wachstumsphase von Bambus, der Herstellung und Nutzung der Produkte bis hin zur Abfallphase auf. Die nach EN 15804 erstellten Typ-III-Bambus-Umweltproduktdeklarationen sind wiederum ein wichtiger Bestandteil zur Einhaltung international anerkannter Zertifizierungen für ökologisches ­Bauen wie beispielsweise LEED oder BREEAM. 

Ertragreich, schnell nachwachsend, nachhaltig aufgeforstet
Der Abbau von Bambusholz erfolgt dank einer nachhaltigen Forstwirtschaft über eine selektive Abholzung von jährlich rund 25 Prozent der Stämme, was dazu führt, dass der Wald nicht gefährdet wird. Zudem wächst der Bambuswald jedes Jahr um 5,5 Prozent, was eine enorme Extra-­Menge CO₂ im Wald speichert. Heu­tige Metho­den zur Untersuchung der Ökobilanz von Bambus beziehen die erheblichen Aufforstungs- und Wiederaufforstungspotenziale und deren Auswirkung sowie das jährliche Wachstum des Waldes nicht mit in die Berechnungen ein. Dabei trägt die nachhaltige Forstwirtschaft maßgeblich zur CO₂-Bilanz der Moso-Bambus-Pro­dukte bei, denn: mehr Bambus-Wälder speichern mehr Kohlenstoff und produzieren mehr Sauerstoff.
Auch Bambus-Produkte von Moso wandern am sogenannten Lebens­zyklus­ende in die Verbrennungsanlage. Das liegt an der gängigen Abfallwirtschaft, die bisher wenige standardisierte Recycling-Alternativen für die Produkte vorsieht. Untersuchungen mit einem großen niederländischen Abfallunternehmen zeigen auf, dass bei der Verbrennung von Moso-Bambus-Produkten – überwiegend natür­liche Bambusfaserprodukte mit Klebstoffen – keine schädlichen Stoffe freigesetzt werden. Jedoch wird bei diesem Vorgang gebundenes CO₂ an die Umwelt abgegeben und die Produkte verlieren einzig in dieser Phase ihre negative CO₂-Bilanz. Entsprechend setzt sich Moso für die alter­native Nutzung seiner Produkte in der Kreislaufwirtschaft ein und forscht an Möglichkeiten für eine Wiederverwendung und Recycling.

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