Parador: »So eigenständig wie noch nie!«
Nach der Übernahme durch die Nord Holding Unternehmensbeteiligungsgesellschaft sieht es für Parador gut aus: die Standorte sind gesichert und weitere Investitionen werden frei gemacht. Das Wachstum geht weiter.
Seit dem 1. Oktober 2016 steht Parador, einst Teil der Hüls-Unternehmensgruppe, mit neuem Eigentümer da. Die Nord Holding Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH erwarb das Coesfelder Unternehmen sozusagen mit »Mann und Maus«, inklusive der Produktionsstandorte Coesfeld und Güssing (Österreich).
Doch was bedeutet diese Übernahme? Kam da eine sogenannte »Heuschrecke« des Weges und hat sich Parador einverleibt? Nein, denn besser hätte es für Parador nicht laufen können, so die Aussage der Unternehmensverantwortlichen um Lubert Winnecken, Vorsitzender der Geschäftsführung. »Wir sind so eigenständig wie noch nie«, so Winnecken. Eher sieht man die Übernahme als eine Art Befreiungsschlag, von einer Aufbruchsstimmung mit neuen Möglichkeiten ist sogar die Rede.
Und das stimmt auch: Parador, bis vor kurzem Teil der Hüls-Unternehmensgruppe, war schon fast »Exot« unter den zur Gruppe gehörenden Kastenmöbelmarken. Und einigen von denen ging es in letzter Zeit – gelinde gesagt – schlecht. Geld wurde benötigt, um zu sanieren und restrukturieren. Und unter diesen Gesichtspunkten in der Gruppe als Exot zu gelten, bedeutet auch, weniger nah an weiteren Investitionen dran zu sein als andere (zum Teil auch »angeschlagene« Marken).
Parador hat in den letzten zwei Jahren einen hervorragenden Weg nach vorne beschritten, und nun wurden für das weitere Vorankommen Investitionen möglich, die eben in der Hüls-Konstellation nicht möglich gemacht werden konnten. »Parador ist im starken Wachstum befindlich«, sagt Lubert Winnecken. »Wir konnten zwar Investitionen tätigen, aber die Investitionen, die wir seit nunmehr einem Jahr brauchten, waren mit der bisherigen Unternehmensgruppe nicht durchführbar.«
Zur Jahreswende 2015/16 erfolgte zunächst eine Bestandsaufnahme der Parador-Daten und -Zahlen. Die Ansprache potenzieller Investoren startete im Frühjahr. So gab es wohl strategische Investoren aus der Branche, durchaus aber auch »klassische« Finanzinvestoren, die den Mehrwert aus einem Unternehmen schnell herausholen, um dann weiterzuverkaufen, und die Nord Holding, der Favorit des Parador-Managements. Die Nord Holding Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH aus Hannover zählt zu den ältesten Beteiligungsgesellschaften Deutschlands und investiert langfristig in mittelständische Wachstumsunternehmen. »Das ist auch ein klares Signal in die Branche«, unterstreicht Lubert Winnecken. »Die Voraussetzung für einen Unternehmensverkauf ist, dass ein Unternehmen gut dasteht. Wir waren für die Nord Holding interessant, da wir wachsen, eine bestehende Infrastruktur und Vertriebsstruktur aufweisen und über eine bekannte Marke verfügen. Die Nord Holding ist an nachhaltiger Wertsteigerung an Unternehmen interessiert und ist vor allem ein Investor, der nur bei Unternehmen einsteigt, die in ihrer jeweiligen Branche als führend gelten.« Und auch für Hüls bedeutet die Herauslösung eine Win-win-Situation, bedeutet der Erlös von Parador gleichsam die Mittel für eine kraftvolle Sanierung für den Kastenmöbelbereich.
Winnecken: »Wir haben unsere Standorte gesichert und gestärkt, und nach vorne hin werden Investitionen möglich gemacht – wir sind in einer tollen Lage!«
Parador wächst im zweistelligen Bereich, Investitionen werden getätigt
Der eingeschlagene Wachstumskurs wird weiter fortgesetzt: Parador wird zum Ende des Jahres 2016 voraussichtlich einen Umsatz deutlich oberhalb von 140 Mio. Euro generieren. Das Unternehmen wächst seit zwei Jahren wieder erfolgreich und erreicht im Jahr 2016 eine Umsatzsteigerung im knapp zweistelligen Prozentbereich. Die internationalen Zahlen weisen einen Anteil von über 50 Prozent vom Gesamtumsatz aus. Produktseitig sind die Vinylböden die Wachstumstreiber, aber auch modulare Böden wie »Eco Balance Pur«. Stabil zeigen sich darüber hinaus auch Laminat und Parkett. Um weiter wachsen zu können, werden die Produktionsstandorte mit weiteren Investitionen im zweistelligen Millionenbereich in den kommenden Jahren bedacht. In puncto Vinylboden-Produktion wird zum Beispiel in Coesfeld viel investiert im Bereich der Beschichtung, der sogenannten Kaschier-Technologie. Auch wird der Mitarbeiter-Stamm aufgestockt, was die Bereiche Einkauf, IT, Vertrieb und Finanzen anbelangt.
Weg von Lizenz-Marken, Weiterentwicklung des indirekten Online-Geschäfts
Eine weitere strategische Neuerung ist auch, die Lizenz-Marke »Schöner Wohnen« zurückzufahren bzw. schrittweise auslaufen zu lassen, um sich voll und ganz auf die Marke Parador zu konzentrieren. »Die Bündelung finanzieller und ideeller Ressourcen auf einen Punkt, die Marke Parador, sichert die für den Handel erforderliche Ertragskraft und Flächenproduktivität«, unterstreicht Dirk Nowak, Geschäftsleitung Produkt/Marke. Eine weitere wichtige strategische Säule des Unternehmens ist das klare Bekenntnis zum Handel und der Unterstützung des damit verbundenen stationären Geschäfts. Die weitere Entwicklung im Bereich des indirekten Online-Geschäfts ist heute schon Wachstumstreiber des Unternehmens. Deswegen werden auch künftig weitere Services schrittweise ergänzt, die das E-Commerce-Umfeld zukunftsweisend unterstützen. Parador baut den Bereich Supply Chain Management weiter aus. Organisatorisch werden in diesem Bereich alle Prozesse gestaltet, die dafür sorgen, dass die Kunden bestens mit Produkten und Services versorgt werden. Das Unternehmen investiert deswegen in die weitere Automatisierung der Produktion, zeitgemäße IT-Infrastruktur und die Qualifizierung von Personal. Parador setzt darüber hinaus weiter stark auf das Thema Nachhaltigkeit. »Wir haben die EMAS-Zertifizierung als freiwilliges Instrument der Europäischen Union gewählt, weil es weltweit als das anspruchsvollste System für nachhaltiges Umweltmanagement anerkannt ist. Wir verpflichten uns damit, permanent unsere Umweltleistungen zu verbessern«, so Hendrik Voß, Geschäftsführer Technik/Supply Chain Management.
2017 begeht Parador 40-jähriges Bestehen und geht auf Tour
In 2017 feiert Parador sein 40-jähriges Bestehen. Das Jubiläum begeht das Unternehmen ganzjährig mit seinen Kunden und lanciert zahlreiche begleitende Aktionen. Unter dem Motto »40 Jahre/40 Projekte« startet das Jubiläumsjahr im März mit einer groß angelegten Kampagne in ganz Deutschland und zahlreichen europäischen Ländern. Die europaweite Promotion richtet sich gleichermaßen an Handelspartner und Endkunden. An diese Auftakt-Kampagne wird sich eine mehrmonatige Veranstaltungsreihe »Parador on Tour« anschließen. Zum Anfassen nah wird sich Parador auf den Weg zu seinen Kunden machen und an ausgesuchten Standorten in Deutschland und Europa mit seinen Kunden das Jubiläum feiern. Das heißt aber auch, dass für 2017 keine Messe-Teilnahmen und nach jetzigem Wissensstand auch keine Hausmesse oder Handelstage in Coesfeld geplant sind.
Nichtsdestotrotz verspricht Parador für 2018 neue Produkte, auf die man gespannt sein darf.
Thomas Ottaviano

