Tarkett: Der Weg zur echten Kreislaufwirtschaft
Als ein Schwerpunkt seiner »Circular Economy Initiative« bietet Tarkett mit »ReStart« die Möglichkeit, recycelbare Bodenbeläge zur Herstellung neuer Böden an das Unternehmen zurückzugeben.
Tarkett verkauft täglich 1,3 Mio. m² Bodenbelag. Das ist viel Material, was Tarkett als großen Player am Markt verpflichtet. Zu seinen zentralen Zukunftsaufgaben zählen für den Bodenbelagshersteller die Ressourcenwende und damit die Unterstützung des Klimaschutzes. Hierfür befasst sich Tarkett seit mehreren Jahren mit Maßnahmen zur Reduktion des Verbrauchs von neuen Rohstoffen, beispielsweise durch die Wiederverwertung von gebrauchten Inhaltsstoffen. Swantje Kühn, Sustainability Manager DACH bei Tarkett, beantwortet, was das im Detail bedeutet.
Frau Kühn, was tut Tarkett im Bereich Recycling?
Swantje Kühn: Gebrauchte SIM-Karten von Mobiltelefonen, aus Trinkwasser gewonnener Kalk, PVB-Folien aus alten Auto-Windschutzscheiben – das mag nach einer seltsamen Müllsammlung klingen, aber die Gegenstände haben alle eines gemeinsam: wertvolle Inhaltsstoffe, die wiederverwertet werden können. Genau das macht Tarkett und arbeitet dabei mit Partnern zusammen, um schadstoffarme Materialien aus gebrauchten Produkten zu gewinnen. Wir nutzen das Recyclingmaterial sicher und sinnvoll in unserer Lieferkette – bestenfalls immer wieder.
Um Inhaltsstoffe wiederverwerten zu können, hat Tarkett das Rücknahmeprogramm »ReStart« ins Leben gerufen. Welche Rolle spielt das Programm hinsichtlich des Nachhaltigkeitsgedankens von Tarkett?
Für uns bedeutet das, dass wir »vor der eigenen Türe kehren« und bei den Böden beginnen, die Tarkett herstellt. Um eine hochwertige Wiederverwertung sicherzustellen und um den Anteil an Recyclingmaterial in unserem Bodenbelag langfristig zu steigern, nehmen wir diesen durch das »ReStart«-Programm zurück. Hier können Verlegebetriebe in ganz Deutschland teilnehmen, den Verschnitt von Linoleum, homogenen sowie heterogenen elastischen Tarkett-Böden in bereitgestellten Big-Bags sammeln und diese dann von uns abholen lassen.
Wie geht es dann mit den zurückgegebenen Böden weiter?
Der Verschnitt wird falls nötig sortiert, in unsere Recyclingzentren gebracht und wieder zu neuem Tarkett-Bodenbelag verarbeitet. Es handelt sich dabei um einen Materialkreislauf für sogenannten »post installation waste«. In unserem Fall Verschnitt, der normalerweise in den Müll wandern würde, aber noch nicht als verlegter Boden gebraucht wurde. Das sind durchschnittlich 10 Prozent der benötigten Menge und bedeutet besonders bei Großprojekten einen lohnenden Aufwand. Je nach Projekt und Region kann die Teilnahme am »ReStart«-Programm auch deutliche finanzielle Vorteile für den Verleger bzw. den Bauherrn haben. Die Kosten für eine Rücknahme mit »ReStart« sind für sie häufig günstiger als die Entsorgung in Containern für Baumischabfall. Der organisatorische Mehraufwand muss sich lohnen – für ein gutes Gewissen, aber möglichst auch für den Geldbeutel. Tarkett möchte »ReStart« für alle Partner attraktiv gestalten.
Ist das auch mit verlegten Böden, also »post consumer waste«, möglich?
Auf lange Sicht ist das auf jeden Fall wünschenswert. Daher wurde von Tarkett eine Pilotanlage entwickelt, in welcher elastischer Boden von Rückständen wie Klebstoff oder Unterboden gereinigt wird. Anschließend erfolgt eine sortenreine Wiederverwertung des Bodenbelags.
Bei den »Desso«-Teppichfliesen ist es etwas einfacher. Diese werden normalerweise nicht verklebt, sondern fixiert und können daher einfacher nach ihrer Verlegung und dem Gebrauch recycelt werden. Für das »ReStart«-Programm werden die benutzten Teppichfliesen schon heute vom Verlegebetrieb auf Paletten gestapelt und Tarkett holt sie ab. Je nach Zusammensetzung können das Garn und die Rückenbeschichtung ohne Qualitätsverlust zu neuen Teppichfliesen wiederverwertet werden.
Wie reagieren Kunden auf das nachhaltige Engagement von Tarkett?
Unterschiedlich – die meisten sind interessiert. Besonders wenn es um gesunde Inhaltsstoffe von Böden geht. Hier möchte jeder auf der sicheren Seite sein und informiert sich verstärkt, beispielsweise zu niedrigen VOC-Emissionen. Wo es um einen Mehraufwand auf der Baustelle oder zusätzliche Kosten geht, sind viele verständlicherweise skeptisch. Tarkett bietet gesunde Inhaltsstoffe und niedrige VOC-Emissionen für die meisten seiner Böden quasi »inklusive«. Das kommt sehr gut an.
Die eben bereits genannte Pilotanlage zur Reinigung wurde neben elastischem Bodenbelag auch schon mit gebrauchten homogenen Böden aus Deutschland »gefüttert«. Denn wir haben ein paar große Unternehmen als Kunden, die die Rücknahme und garantierte Wiederverwertung zur Kaufbedingung für Neuware im Bereich homogener Bodenbeläge machen. Hier zahlen sich die Investitionen und bereits gemachten Erfahrungen von Tarkett aus.
Welchen Herausforderungen muss sich Tarkett kurz-, mittel- und langfristig – bezogen auf das Thema Nachhaltigkeit – stellen?
Herausforderungen, denen sich die meisten Hersteller – zumindest in der Bauindustrie – stellen müssen: Reduzierung von CO₂-Emissionen, Abfallmengen und Ressourcenverbrauch. Zusätzlich ist ein stärkeres Ecodesign von Produkten, die für die Wiederverwertung entwickelt sind, wichtig. Hier spielt insbesondere der Blick auf den ganzen Lebenszyklus und die langfristigen Umweltauswirkungen eine entscheidende Rolle. Tarkett beachtet bereits viele dieser Aspekte. Wir hoffen natürlich, dass unsere Aktionen durch die Entscheidungen für Tarkett-Böden vom Markt unterstützt und damit langfristig vorangetrieben werden können.

