01.06.2022 | Boden / Zubehör Seite 29-31 in Ausgabe 6-7/2022

ter Hürne: Im neuen Kommunikationszentrum »Hywood« live erleben

Das Wort Krise wurde vom lateinischen Begriff »Crisis« ins Deutsche übernommen und bezeichnete ursprünglich den Höhepunkt bzw. Wendepunkt einer Krankheit, der über Leben oder Tod eines Patienten entscheidet. Auch heute noch steht Krise für ein zugespitztes Ereignis, das zu einer dringenden Notwendigkeit von Handlungsentscheidungen führt – hierbei fällt manch einer hinten runter, andere gehen gesund oder sogar gestärkt aus einer Krise hervor. Was aber tun, wenn der Krisenmodus gefühlt zu einem Dauerzustand wird?

ter-Hürne-Geschäftsführer Bernhard ter Hürne sieht das im Gespräch mit der Redaktion OBJEKT so: »Meine Beobachtung ist, dass die Menschen seit Corona viel mehr auf der Suche und offen für Neues sind. Sie wurden in den letzten zwei Jahren aus ihrem alten Trott gerissen und mussten sich oft neu orientieren bzw. verändern. Auch wenn Veränderungen immer erst einmal anstrengend sind, unternehmerisch betrachtet werden die Karten dadurch neu gemischt und das birgt immer auch eine immense Chance.«
Den Münsterländern jedenfalls scheint die Anpassung an die Corona- und die Ukraine-Krise bisher gut zu gelingen: So ist das Unternehmen trotz allem im letzten Jahr um über 25 Prozent und seit Anfang des Jahres insgesamt um 40 Prozent gewachsen (Export etwas stärker als im Inland), was teilweise durch Preiseffekte bedingt ist, nach wie vor aber auch vom Mengenwachstum herrührt. ter Hürne wagt den Blick in die Glaskugel: »Unser Unternehmen ist zwar bei Holzlieferanten breit aufgestellt, aber auch wir bekommen einen großen Teil der Rohstoffe aus der Ukraine. Und auch wenn die Werke dort irgendwann wieder anfangen zu laufen, wird es trotzdem eine ganze Weile dauern, bis wir wieder einen einigermaßen geregelten Versorgungsprozess von dort bekommen. Ich rechne daher für das kommende Jahr nicht annähernd mit Normalität – vor allem im Parkettbereich.« Derzeit wächst der Bodenbelagshersteller hier zwar noch auf der Umsatzseite, musste mengenmäßig im ersten Quartal aber bereits 3 Prozent einbüßen. »Zum Glück explodieren dafür unsere anderen Produktbereiche, sonst wären wir nicht so stark gewachsen«, äußert sich der Geschäftsführer erleichtert und benennt drei Effekte, die dafür förderlich waren:
So konnte das Unternehmen einen großen Neukundenanteil aus dem letzten Jahr verbuchen, mit dem bereits jetzt etwa 30 Prozent des Umsatzwachstums erreicht wurde. Zudem sei für Händler die klar erkennbare Unternehmensstrategie entscheidend. ter Hürne: »Wir haben in den letzten zwei Jahren eine Menge neuer Produkte auf den Markt gebracht. Aber auch wenn der Außendienst immer gut gearbeitet hat – ohne Messen und Veranstaltungen war es teilweise schwierig, die Produkte begreifbar zu machen. Bei den Veranstaltungen, die seit März bei uns im neuen Kompetenzzentrum ›Raum 1‹ am Standort Südlohn stattfinden, erleben wir, dass Händler sagen: ›Heureka, jetzt verstehe ich!‹ Das erzeugt gerade einen immensen Beschleunigungseffekt, der direkt bei Auftragseingang und Umsatz messbar ist.« Als dritten Antrieb nennt ter Hürne den Hybridboden »Hywood«, der durch die Nichtverfügbarkeit von Parkett gepusht und durch die Ukraine-Krise derzeit einen enormen Schub erfährt. »Auf diesen Effekt hätte ich sehr gern verzichtet – zum einen natürlich wegen des Wahnsinns eines Krieges mit all seinen Auswirkungen, zum anderen aber auch, weil wir mit ›Hywood‹ eigentlich Konsumenten erreichen wollen, die das Potenzial des Produkts erkennen und nicht bloß aufgrund der aktuellen Verknappung eine Alternative zu Parkett suchen.«

Neue Fußbodendimension
Das Unternehmen ter Hürne befasst sich bereits seit vier Jahren mit dem Thema »Hywood« und verbindet mit dem neuen Produkt die Schönheit von Holz mit der Widerstandsfähigkeit eines Designbodens. Der hohe Gebrauchswert gelingt durch das Zusammenspiel der technologischen Kom-ponenten »Wood-Powder«, »Nature Protect« und »Aqua Seal«, die den Boden hochbeständig gegen Schmutz, Wasser, Druck und Kratzer machen.
»Wir hatten bei ›Hywood‹ sehr früh eine Kundenidee im Kopf und wenden uns damit an jene Konsumenten, die eine hohe Affinität zum Thema Holz haben, gleichzeitig aber die Gebrauchswertdimension höher schätzen als diese Affinität«, erklärt der Geschäftsführer. Herausforderung sei es nun, dass der Handel den Konsumenten vermittelt, dass es eine neue Fußbodendimension gibt und so von dort eine lokale und regionale Welle erzeugt wird. Dafür stellt das Unternehmen Instrumente zur Verfügung und übernimmt beispielsweise bis zu 50 Prozent der lokalen Kommunikationskosten. »Wir wollen mit ›Hywood‹ richtig Gas geben und können den Händlern, die in der ganzen Krisenstimmung nach Orientierung suchen, damit ein sehr gutes Angebot machen. Hierbei war hilfreich, dass wir uns mit der Neuaufstellung der Marke ›ter Hürne‹ schon in einem Veränderungsprozess befanden und bei all der Beschleunigung – die jetzt durch Corona und den Ukraine-Krieg noch einen Katalysator gefunden hat – nicht erst damit anfangen mussten, etwas ganz neu einzuleiten.«

Leitthema »Hywood«
Tatsächlich greift für das Unternehmen gerade alles gut ineinander: Die Überarbeitung der Online- und Marken-Welt wurde bereits abgeschlossen und »Raum 1« in Südlohn fertiggestellt. Hier wird zukünftig die Idee hinter der Marke »ter Hürne« anschaulich erlebbar gemacht. Gleichzeitig bieten die Räumlichkeiten fortan den perfekten Rahmen für Schulungen, die aktuell unter dem Konzeptnamen »Hytime« stattfinden und Händler über das Potenzial von »Hywood« informieren. »Dieses Jahr wird ›Hywood‹ ganz klar unser Leitthema sein«, erklärt ter Hürne: »Gerade fokussieren wir uns noch auf den deutschsprachigen Raum. Bald stehen dann aber auch Gespräche mit Partnern aus dem europäischen Ausland und schließlich Übersee an.«
Bei aller »Hywood«-Euphorie soll Parkett aber auch weiterhin der wichtigste Bereich von ter Hürne bleiben. »Wir sehen ›Hywood‹ keineswegs in Konkurrenz zu Parkett, sondern glauben vielmehr, dass die Produkte sich gegenseitig aus Handelssicht in ihrer Attraktivität sogar noch steigern werden«, so der Geschäftsführer optimistisch. Geplant ist der weitere Ausbau paralleler Fertigungsstränge am Produktionsstandort im Münsterland bis 2025, um künftig schneller auf technische Innovationen reagieren und höhere Volumenperspektiven bedienen zu können. »Wir haben eine klare Idee und Ausrichtung und wollen in den nächsten Jahren weiterhin stark in den Standort Südlohn investieren. Da wird es noch viel zu berichten geben und wir freuen uns darauf!«

Sabine Langanke

Mit der neuen Bodenkategorie »Hywood« und dem neuen Kommunikationszentru... mehr

Zurück