22.11.2019 | Verlegewerkstoffe / Estrich / Technik Seite 78 in Ausgabe 12/2019

TKB-Branchengespräch

Lebhafte Diskussionen zum Thema Fußbodentechnik.

Die Technische Kommission Bauklebstoffe (TKB) des Industrieverbandes Klebstoffe (IVK) hatte zum wiederholten Male nach Düsseldorf eingeladen. Teilnehmer waren wie immer Vertreter der Klebstoffindustrie, Sachverständige, Verbandsvertreter des Handwerks und die Fachpresse. TKB-Vorsitzender Dr. Norbert Arnold (Uzin) betonte: »Uns ist es wichtig, dass wir repräsentativ die Branche hier haben.« Und wie immer wurde durchaus kontrovers diskutiert.
Das zeigte sich gleich beim ersten Thema »Sonderkonstruktionen«. Eberhard Schübel (Sachverständiger, Technischer Dienst Fachhandelsring) behauptete zum Thema »Beschleunigte Estriche«: »Es herrscht Verunsicherung bei den Bodenlegern, die wissen gar nicht genau, was richtig ist und was nicht.« Es geht ihm hauptsächlich darum, wann der Verleger sein Gewerk starten kann und wer das letztlich entscheidet. Jörg Baumann (Bundesverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz) vertritt die Ansicht: »Der Bodenleger muss den Estrich prüfen.« Norbert Strehle (Sachverständiger) meint hingegen: »Wenn der Bauherr den Parkettleger/Bodenleger aktiviert, sollte er oder sein Vertreter vorher überprüft haben, dass der Estrich in Ordnung ist.« Richard A. Kille (IFR Sachverständigenbürogesellschaft) brachte die Idee einer App ins Spiel, die alle aktuellen technischen Vorschriften enthält und die von allen Verlegern eingesetzt werden muss. Die Idee griff Volker Kettler (MeisterWerke Schulte) auf: »Sind Merkblätter old fashioned? Wir müssen mehr auf digitale Varianten setzen. Für mich ist das die neue Stoßrichtung. Verbände und Innungen setzen immer noch auf Papier, das digital aufbereitet werden muss.« Ansgar van Halteren (Hauptgeschäftsführer IVK) nahm den Ball auf und versprach, das Thema mal einer Agentur vorzutragen und Ideen dazu ausarbeiten zu lassen.
Das Thema Feuchtemessung ist ein Dauerbrenner dieser Zusammenkünfte und wird alle noch lange beschäftigen. Es ging mal wieder um die KRL-Methode (Korrespondierende Relative Luftfeuchte). Die Erprobungsphase läuft weiter. Dr. Thomas Brokamp (Bona) geht davon aus, »dass es bald eine EU- oder ISO-Norm dazu geben wird. Da ist man auf einem guten Weg.« Richard Kille betrachtet die KRL-Methode weiter als »eine super ergänzende Messmethode für den Feuchtegehalt im Fußboden«. Insbesondere die Klebstoffindustrie plädiert für die genauere KLR-Messung, da der Feuchtegehalt für die Funktionalität der Klebstoffe wichtig ist. Volker Kettler verlangt fixe Werte. »Da müssen Richtwerte her. Wenn das so schwammig bleibt, hat sich das in zehn Jahren noch nicht durchgesetzt.«
Auch die Wiedereinführung der Meisterpflicht war ein Thema. Das Gesetz soll bis Ende dieses Jahres verabschiedet werden, wobei es einen Bestandsschutz geben wird für Betriebe, die bereits ohne Meister existieren. Peter Fendt (Sachverständiger und Unternehmer) ist der Ansicht, dass der Markt die Anzahl der Betriebe ohne Meister reguliere. »Statistisch beträgt die Überlebensdauer eines Betriebes ohne Meister im Durchschnitt fünf Jahre.« Aber es gibt auch andere Ansichten, denn inzwischen sind auch Betriebe von Kaufleuten gegründet worden, die das Potenzial des Handwerks erkannt und entsprechende Mitarbeiter eingestellt haben.
Richard Kille wünscht sich zur Stärkung des Handwerks ein Marketingkonzept, das die 14- und 15-Jährigen anspricht und ihnen zeigt, dass das Handwerk schick ist und sich lohnt.
Dr. Norbert Arnold erinnerte an die »Ausbildungsinitiative Bodenlegerhandwerk«, die bereits zu fast 2000 Anfragen geführt hat.
Dr. Jörg Sieksmeier (Ardex) betrachtet das Thema eher nüchtern: »Es gibt Nicht-Meisterbetriebe, die gute Arbeit leisten, und Meisterbetriebe, die schlecht arbeiten. Letztlich bietet der Meisterbrief keine Gewähr.«

Camillo Kluge

Teilnehmer am TKB-Branchengespräch Fußbodentechnik. mehr

Zurück